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Zirkus Aeros sucht Platz für Abschiedsgala

Die Artistenfamilie hofft, nach der langen Corona-Zwangspause bald wieder auf Reisen gehen zu können. Sie will sich bei den zahlreichen Unterstützern bedanken.

Juliane Schmidt trainiert in der Röderauer Fahrzeughalle ihre Säbelbalance aus der chinesischen Artistenschule.
Juliane Schmidt trainiert in der Röderauer Fahrzeughalle ihre Säbelbalance aus der chinesischen Artistenschule. © Sebastian Schultz

Röderau. Anderthalb Jahre sind lang genug. Zwei Winter und einen Sommer hat der Zirkus Aeros in einem ehemaligen Speditionsgelände in Röderau Station gemacht. Was ursprünglich als Winterquartier geplant war, wurde wegen der Corona-Pandemie so etwas wie ein Zuhause auf Dauer.

Zirkusdirektor Bernhard Schmidt ist froh, dass der Besitzer des Grundstücks seiner Familie und den Tieren diese Möglichkeit eingeräumt hat, länger zu bleiben. Doch nun wird es auch Zeit, Röderau wieder zu verlassen.

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Nicht nur die Artisten hoffen und bangen, dass bald alles wieder gut wird. Die Sieben-Tages-Inzidenz in Deutschland geht allmählich zurück. Die dritte Corona-Welle scheint gebrochen. Die Hoffnung auf ein normales Leben kehrt zurück. Und für viele in der Unterhaltungsbranche wächst die Zuversicht, dass der Spuk in wenigen Wochen vorbei ist und sie wieder arbeiten dürfen.

Zirkusdirektor Bernhard Schmidt freut sich über die Futterspenden für die Tiere.
Zirkusdirektor Bernhard Schmidt freut sich über die Futterspenden für die Tiere. © Sebastian Schultz

"In Österreich sind ab 19. Mai Zirkusveranstaltungen wieder erlaubt", sagt Bernhard Schmidt. Das habe er von einem Verwandten erfahren, der mit seinem Zirkus in der Alpenrepublik lebt. Angeblich, so erzählt der Aeros-Chef, würde gemunkelt, dass es dann nicht mehr lange dauert, bis auch in Deutschland die Zirkusse wieder auf Tour gehen und Publikum empfangen dürfen.

Die Artistenfamilie, die vor einigen Jahren den Namen des ehemaligen DDR-Staatszirkus übernommen hat, will auf diesen lang ersehnten Tag gut vorbereitet sein. Zirkusdirektor Schmidt kündigt schon mal eine große Abschiedsgala an. Aber nicht mit einer, sondern mit fünf Veranstaltungen soll die Rückkehr in die Normalität gefeiert werden.

Zwei davon sollen mit freiem Eintritt sein. "Normalerweise würden wir in Borna starten", sagt Bernhard Schmidt, "aber es wäre Blödsinn, uns nicht bei den Leuten hier, die uns durch die schweren Zeiten geholfen haben und immer noch helfen, nicht zu bedanken." Die Unterstützer kamen nicht nur aus Röderau und Zeithain, sondern auch aus den benachbarten Orten - aus Riesa, Großenhain und Meißen.

Ein Sportplatz wäre ideal

Hauptsächlich für sie sind die beiden kostenlosen Vorstellungen gedacht. Doch nicht nur für sie, ergänzt Schmidt. Auch alle anderen, die ein Herz für den Zirkus haben und sich von der Kunst der Akrobaten, Jongleure und Dompteure faszinieren lassen möchten, seien herzlich eingeladen.

Doch es gibt noch ein Detail, das vorher geklärt werden muss. Der Zirkus Aeros sucht für seine fünftägige Abschiedsgala einen geeigneten Platz. Im vergangenen Jahr hatte Schmidt die Erlaubnis der Stadtverwaltung Riesa, das Zirkuszelt am Elbufer aufzustellen. Daraus wurde wegen der Pandemie nichts. Auch das ehemalige Mercedes-Gelände mitten der Stadt hält der Direktor für geeignet.

In den nächsten Tagen will er noch einmal im Riesaer Rathaus anfragen. Genauso wie in Großenhain und Meißen, wo es Stammplätze für Zirkusse gibt. Die Großenhainer Festwiese ist allerdings momentan belegt. Aldi hat dort ein großes Verkaufszelt aufgestellt, so lange der neue Markt an der Dresdner Straße noch gebaut wird. Das kann jedoch eine Weile dauern, denn die Tiefbauarbeiten haben erst begonnen.

Adrian Schmidt jongliert im Freien, gleich neben dem abgesperrten Tiergelände.
Adrian Schmidt jongliert im Freien, gleich neben dem abgesperrten Tiergelände. © Sebastian Schultz

Auch Privatgelände und Wiesen wären als Veranstaltungsort denkbar. "Wir brauchen eine Fläche von etwa 50 mal 50 Metern", so Schmidt. "So groß wie ein Sportplatz wäre ideal. Umso größer desto schöner." Denn auch die Tiere sollen genügend Auslauf haben. Strom und Wasser wären nicht unbedingt nötig. Der Zirkus Aeros besitzt einen Stromgenerator und auch Wassertanks.

Der Platz sollte eine Woche für das Gastspiel zur Verfügung stehen. Schmidt hofft, ein passendes Gelände für die große Dankeschön-Abschiedsgala in der hiesigen Region zu finden. "Denn viele Unterstützer kennen wir persönlich und zu einigen haben wir in dieser Zeit ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut", sagt der Zirkusdirektor.

Er weiß aber auch, dass es nicht immer leicht war, um Spenden zu bitten. Seine Söhne und eine Tochter waren dafür in den Dörfern unterwegs und stießen oft auch auf Skepsis. Sie hatten aber Prospekte dabei, in denen sie in ihren Artistenuniformen und Kostümen abgebildet sind. Das habe die meisten Menschen überzeugt.

Schmidt kann die Zurückhaltung der Leute durchaus verstehen. Es gebe immer wieder Trittbrettfahrer, die sich als Zirkusleute ausgeben. "Das geschieht auch in anderen Branchen und nicht nur zu Corona-Zeiten", sagt er. Umso dankbarer ist er, dass viele Leute auch mit einer kleinen Spende dem Zirkus Aeros geholfen haben, diese schwere Zeit zu überstehen.

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