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"Unsere Gäste lassen uns nicht im Stich"

Manuela Wamser betreibt seit 2018 das Frauenhainer Waldhäusl. Trotz Lockdown verliert sie nicht den Mut und die Lust am Kochen.

Im Frauenhainer Waldhäusl kocht die Chefin Manuela Wamser noch selbst. Erst vor zweieinhalb Jahren hat sie die Gaststätte übernommen.
Im Frauenhainer Waldhäusl kocht die Chefin Manuela Wamser noch selbst. Erst vor zweieinhalb Jahren hat sie die Gaststätte übernommen. © Jörg Richter

Frauenhain. Im Waldhäusl ist Wildsaison. Die wichtigste Zutat für den schmackhaften Braten kommt vom Bürgermeister höchstpersönlich. Lothar Herklotz, der seine Freizeit u. a. als Jäger verbringt, beliefert regelmäßig die Frauenhainer Gaststätte mit Fleisch. "Er schießt es immer ganz frisch", sagt Köchin Manuela Wamser. Zurzeit ist Wildschwein auf der Speisekarte.

Seit zweieinhalb Jahren betreibt sie das Waldhäusl. Mit 50 Jahren wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete die Landgenuss UG. Neben dem Wildhäusl in Frauenhain gehört auch das Fährhaus in Koselitz dazu. Seitdem trägt sie für fünf Angestellte und sich die Verantwortung, dass regelmäßig am Ende des Monats das Gehalt auf dem Konto ist.

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In diesem Jahr ist das alles andere als leicht. Erst der Lockdown im Frühjahr und nun wieder. Seit Anfang November dürfen Gaststätten wegen der Corona-Pandemie keine Gäste empfangen, sondern nur Essen zum Mitnehmen kochen. Das trifft ein junges Gastronomieunternehmen wie das von Manuela Wamser besonders hart.

Der Zusammenhalt zählt

"Unser Hauptgeschäft sind die Familienfeiern", sagt sie. Aber die waren im Frühjahr nicht erlaubt. Und sind es nun auch wieder nicht. Das führt zu erneuten Umsatzeinbrüchen, die die beiden Gaststätten nicht so einfach ausgleichen können. "Wir haben keine Rücklagen", bestätigt die Geschäftsführerin. "Ohne die Hilfe vom Land Sachsen wären wir aufgeschmissen gewesen." Die 9.000 Euro Soforthilfe klingen nicht viel. Doch dem Waldhäusl und dem Fährhaus hat es in dieser ungewissen Zeit ein paar Sorgen abgenommen.

Doch mehr als die Unterstützung durch den Staat zählt in so einem Katastrophenjahr wie 2020 der Zusammenhalt. Den spürt Manuela Wamser im Waldhäusl durch ihre langjährige Kollegin Ines Gräff. Die waschechte Frauenhainerin arbeitet laut eigenen Angaben seit 20 Jahren in der Gastronomie und ist im Waldhäusl die Kellnerin. "Wir sind ein eingespieltes Team", sagt sie über ihre Chefin und sich.

Auch Manuela Wamser bestätigt: "Wir zwei harmonieren, und das merken die Gäste." Sie sei froh, eine so engagierte Kellnerin an ihrer Seite zu haben. "Und sie kann sehr gut kochen", gibt Ines Gräff das Kompliment zurück.

Kellnerin Ines Gräff ist die zweite gute Seele im Waldhäusl.
Kellnerin Ines Gräff ist die zweite gute Seele im Waldhäusl. © Jörg Richter

Das Geheimnis ihres Erfolgs? "Man muss mit Liebe und Spaß kochen", verrät Manuela Wamser und fügt hinzu: "Und es macht noch Spaß!" Trotz Corona. "Wenn die Leute sagen, dass es ihnen geschmeckt hat, dann ist das der beste Lohn."

Offenbar schmeckt es vielen Frauenhainern im Waldhäusl. Sie lassen ihre Dorfgaststätte in dieser schwierigen Zeit nicht verhungern. "Nach dem ersten Lockdown war unser Haus voll", erzählt Ines Gräff. Und auch vor dem zweiten Lockdown seien noch mal viele gekommen, um in geselliger Runde zu essen. Nie zuvor sei es ihnen so bewusst gewesen, dass die Menschen das Zusammensein brauchen wie die Luft zum Atmen.

Momentan hat das Waldhäusl mittwochs bis sonntags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Aber nur für Außerhausessen. Reinsetzen darf sich leider niemand. "Unsere Stammkunden lassen uns dennoch nicht im Stich", sagt die Kellnerin. Sie schätzt sie auf etwa 50 bis 100 Leute. Das sei ein riesiges Pfund, um durch die Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen zu kommen.

"Von 100 auf Null herunterzufahren, ist schwierig", sagt Manuela Wamser. Wie lange sie das noch durchstehen können, wissen beide nicht. "Aber wir versuchen, uns gegenseitig Mut machen", so Ines Gräff. Und die vielen Stammgäste geben ihnen zusätzlich Kraft. Die beiden Frauen aus dem Waldhäusl wünschen allen Frauenhainern ein schönes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Auch wenn kein Gast zum Verweilen eintreten darf, haben Manuela Wamser (rechts) und Ines Gräff das Waldhäusl weihnachtlich geschmückt.
Auch wenn kein Gast zum Verweilen eintreten darf, haben Manuela Wamser (rechts) und Ines Gräff das Waldhäusl weihnachtlich geschmückt. © Jörg Richter

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