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Warum Sachsen in Riesa-Großenhain keine Luftqualität überwacht

An gut 30 Orten misst der Freistaat die Luftqualität, im Altkreis aber nicht. Dafür hat das zuständige Ministerium eine simple Erklärung.

So sieht eine Feinstaub-Messstation aus. Das Foto ist in Zwickau entstanden.
So sieht eine Feinstaub-Messstation aus. Das Foto ist in Zwickau entstanden. © Ralph Koehler/propicture

Altkreis Riesa-Großenhain. Besonders schick sehen sie nicht aus. Doch die Luftmessstationen, die es an fast 30 Orten im Freistaat gibt, erfüllen einen wichtigen Zweck: Sie zeichnen Daten auf, die Rückschlüsse auf die Luftqualität im Land zulassen.

Erst kürzlich ist in der Strehlaer Nachbargemeinde Liebschützberg eine neue Messstation vom Land Sachsen errichtet worden. Unter anderem war Umweltstaatssekretär Gerd Lippold (Grüne) gekommen, um den mit Messtechnik versehenen Container offiziell in Betrieb zu nehmen.

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Blickt man auf Standorte der behördlichen Messwarten fällt auf: Der Altkreis Riesa-Großenhain ist ein "weißer Fleck". Eine Station, die zum sächsischen Luftmessnetz gehört, gibt es im Gebiet zwischen der Elbe- und der Röderstadt nicht. Im Kreis Meißen befindet sich eine Messwarte – in Radebeul-Wahnsdorf, sozusagen an einem südöstlichen Zipfel des Kreisgebiets.

Warum ist das so? Nachfrage beim Umweltministerium in Dresden. Von dort heißt es zunächst: "Bis Mitte der 1990er Jahre gab es Messstationen in Meißen, Oschatz und Riesa." Habe in den 1990ern noch die großflächige Überwachung der Schwefeldioxid- und Gesamtstaubkonzentration im Vordergrund gestanden, seien es heute Stickstoffdioxid und Feinstaub PM 2,5 und PM 10. PM gibt dabei den Durchmesser der Teilchen in Mikrometer an.

Heute liege der Schwerpunkt darauf, die Luftbelastung aus dem Straßenverkehr in den Ballungsräumen Dresden, Leipzig und Chemnitz zu messen, so das Ministerium. Im Lauf der vergangenen gut 15 Jahre hat sich das auch auf die Zahl der Messstationen ausgewirkt: Von 32 Stück im Jahr 2005 ist diese auf 26 im Jahr 2021 gesunken.

In der Region Riesa-Großenhain wieder eine Messstation einzurichten, ist dem Ministerium zufolge nicht geplant. "Aufgrund der geringen Belastungssituation besteht keine Notwendigkeit dafür", heißt es zur Begründung.

Auch ein Wunsch oder Antrag durch eine oder mehrere Kommunen würden daran nichts ändern: "Kommunen können den Aufbau einer Station nicht beantragen", so das Ministerium. Stationsstandorte würden nach EU-Vorgaben ausgewählt. Wobei die Standortentscheidung das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Abstimmung mit dem Ministerium nach den europäischen Anforderungen treffe.

Auch einen weiteren Ausbau des sächsischen Luftmessnetzes soll es laut dem Ministerium nicht geben. Dieser sei im Jahr 2010 mit der Umsetzung der EU-Luftqualitätsrichtlinie abgeschlossen worden. Das Luftmessnetz werde jedoch an aktuelle Anforderungen angepasst. Ein Beispiel dafür sei die Umsetzung der Messstation im Nachbarkreis: Die bislang auf dem Collmberg befindliche Station wird durch jene auf dem Liebschützberg ersetzt. Laut einem Bericht der Leipziger Volkszeitung hat der Standortwechsel damit zu tun, dass die benötigte freie Anströmung der Messstelle auf dem Collm nicht mehr gegeben ist.

In die neue Station auf dem Liebschützberg hat der Freistaat einiges investiert: Laut Ministerium kostet die leere Messstation etwa 50.000 Euro. Hinzu kämen Kosten für die Erschließung – in Liebschützberg etwa 100.000 Euro. Jedes Messgerät koste circa 20.000 bis 30.000 Euro, zusammen circa 150.000 Euro.

Wer sich für die Messwerte interessiert, kann diese übrigens im Internet auf der Seite des Umweltministeriums abrufen. Die Daten werden stündlich aktualisiert.

Laut einem Anfang der Woche veröffentlichten Bericht des Landesumweltamts war die Luft in Sachsens zuletzt wegen der coronabedingten Einschränkungen des öffentlichen Lebens besonders sauber. "Während des ersten Corona-Lockdowns im Jahr 2020 wurde in Dresden knapp 30 Prozent weniger Stickstoffdioxid in der Luft ermittelt."

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