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Handwerkerschaft hofft auf Riesas Rittergut

Für das Objekt in Gröba haben Handwerk, Wissenschaft und Kreative zuletzt Ideen gesammelt. Jetzt hoffen sie auf ein Bekenntnis aus dem Stadtrat.

Das Luftbild zeigt das Rittergut (vorn und hinten links). Für das schon länger leerstehende Objekt in Riesa-Gröba gibt es jede Menge Ideen.
Das Luftbild zeigt das Rittergut (vorn und hinten links). Für das schon länger leerstehende Objekt in Riesa-Gröba gibt es jede Menge Ideen. © Lutz Weidler

Riesa. Die Handwerkercamps waren so etwas wie die Feuerprobe. "Wir waren echt skeptisch", sagt Jens-Torsten Jacob. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Meißen war sich nicht sicher, ob wirklich genügend Schüler ihren Weg in die Offene Werkstatt in Riesa finden würden, noch dazu in den Ferien.  

Die Probe klappte am Ende, beide Handwerker-Wochen waren ausgebucht. "Die Schüler waren begeistert", sagt Sybille Stenzel vom Qualifizierungszentrum Riesa, das die Offene Werkstatt unterstützt. Demnächst steht eine Wiederholung der beiden Camps an. Es war gleichzeitig das erste Mal, dass die Ergebnisse aus dem Riesaer Projekt "Wandel durch Innovation in der Region" (WIR) auch nach außen sichtbar wurden. Das hat mit Corona zu tun, sagen die Organisatoren. Die Pandemie habe den Schwung ein wenig abgebremst, der sich über die Monate zuvor entwickelt hatte - weil eben manches nicht mehr möglich war. 

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Mit zwei Ferienworkshops öffnete im Sommer die Offene Werkstatt in Riesa.
Mit zwei Ferienworkshops öffnete im Sommer die Offene Werkstatt in Riesa. © Sebastian Schultz

Trotzdem ist weiterhin einiges geplant, betont Jens-Torsten Jacob. Nicht nur in der Offenen Werkstatt, von der ausgehend es Workshops mit den Schulen geben soll. Auch eine Handwerker-AG soll sich gründen, am besten schon Anfang November. Wichtig ist den Machern des Projekts aber auch die Verzahnung zwischen Wissenschaft, Kreativwirtschaft und Handwerk. 

Ab Januar wollen beispielsweise Thomas Lehr und sein Team von Conoscope zwei Bäckereien im Landkreis Meißen genauer unter die Lupe nehmen. Unterstützt von der Uni und der HTWK Leipzig soll eine Videoanalyse der Arbeitsabläufe erfolgen - mit dem Ziel, die Prozesse in der Bäckereistube zu optimieren. 

"Wir wollen Probleme des Handwerks lösen und damit Ressourcen freisetzen für neue Innovationen", erklärt Lehr das Anliegen. In den Bäckereien soll unter anderem Videotechnik eingesetzt werden, die aus der Ich-Perspektive die Arbeit der Bäcker filmt. Man wolle so unsichtbar wie möglich sein, betont Lehr. Alles andere würde die Ergebnisse verfälschen. Weitere Ideen für Dachdecker und Schornsteinfeger gibt es schon. 

Videoanalyse am Arbeitsplatz: Thomas Lehr will mit seinen Kollegen die Arbeitsprozesse in Bäckereien auswerten und optimieren. Dabei wird auch Technik zum Einsatz kommen, die die Arbeit aus der Ich-Perpektive filmt.
Videoanalyse am Arbeitsplatz: Thomas Lehr will mit seinen Kollegen die Arbeitsprozesse in Bäckereien auswerten und optimieren. Dabei wird auch Technik zum Einsatz kommen, die die Arbeit aus der Ich-Perpektive filmt. © Sebastian Schultz

Aus Berlin gab es in dieser Woche grünes Licht für den "Kreativdialog", sagt Jens-Torsten Jacob. "Ich hoffe, dass der am 1. Dezember starten kann." Da sollen dann unter Mitarbeit der Studienakademie Riesa Kreative und Handwerk zusammentreffen. 

Ein Thema für diesen Dialog könnte auch das Objekt an der Rittergutstraße sein. Schon zum Start des Projektes war mehrfach die Idee aufgetaucht, aus den seit längerer Zeit leerstehenden Gebäuden etwas zu machen. Eine "Innovations-Akademie" in Teile des Guts zu holen, das sei nach wie vor ein Herzenswunsch, sagt die Direktorin der BA Riesa, Ute Schröter-Bobsin. Der Ansicht ist auch der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. "Wir hätten dort das Potenzial, etwas Innovatives zu machen." 

Einen ersten Schritt hin zu neuem Leben in den leerstehenden Gebäuden erhofft sich Jacob schon am Mittwoch. Auf der Tagesordnung des Riesaer Stadtrats steht dann die grundsätzliche Entscheidung, ob das Objekt zur "Jugendbauhütte" wird. 

15 solcher Bauhütten gibt es bisher in ganz Deutschland, unter anderem in Görlitz. Es handelt sich um einen Ableger des Freiwilligen Sozialen Jahres, bei dem die jungen Teilnehmer im Denkmalschutz arbeiten. Das Vorhaben läuft unabhängig vom eigentlichen WIR-Projekt, sagt Jens-Torsten Jacob. "Aber es wäre ein schöner Baustein." 

Zumal die Teilnehmer der Jugendbauhütte in einem ersten Schritt auch das Rittergut zum Teil sanieren würden. Bei einer Begehung im März habe es von allen verantwortlichen Stellen geheißen, dass man sich die Jugendbauhütte an diesem Ort gut vorstellen könne. 

Sybille Stenzel (l.) ist vonseiten des Qualifizierungszentrums mit für die Offene Werkstatt verantwortlich. Peter Liebe (M.) und Jens-Torsten Jacob (r.) vertreten die Kreishandwerkerschaft.
Sybille Stenzel (l.) ist vonseiten des Qualifizierungszentrums mit für die Offene Werkstatt verantwortlich. Peter Liebe (M.) und Jens-Torsten Jacob (r.) vertreten die Kreishandwerkerschaft. © Sebastian Schultz

Zwei Knackpunkte gäbe es allerdings noch: Zum einen sei das Vorhaben abhängig vom Landeshaushalt, der noch verabschiedet werden muss. Zum anderen sei ein klares Bekenntnis von der Stadt Bedingung, sagt Jens-Torsten Jacob. Schon allein, weil das Objekt vermutlich von der Wohnungsgesellschaft wieder in städtische Hände gegeben werden müsste, was die Fördermittel-Akquise erleichtern würde. 

Aus dem Rathaus heißt es, die Stadt sei derzeit sozusagen als Mittler tätig. "Letztlich wird es notwendig sein, ein Modell zu finden, wie die Kreishandwerkerschaft die Halle nutzen kann", teilt Stadtsprecher Uwe Päsler mit. "Dazu sind die drei Partner Kreishandwerkerschaft, Wohnungsgesellschaft und Stadt derzeit im Gespräch." Im Grunde gelte gleiches für die Nutzung des ehemaligen Wohnhauses durch die BA Riesa. 

Erste Ideen für das Gelände wurden schon bei einer Werkstatt unter Leitung von "Kreatives Sachsen" gesammelt. Von Studentenwohnungen war da ebenso die Rede wie von einer offenen Bühne oder studentischen Unternehmungen wie Fahrradwerkstätten oder Cafés, die die Nähe zum Elberadweg nutzen. Diese losen Ideen sollen laut Stadtverwaltung bis Ende Oktober noch einmal komprimiert zur Diskussion gestellt werden.

 "Je nach Nutzungskonzept für die Zukunft wird die Stadt natürlich ihre Unterstützung geben, um eine bestmöglich geeignete Planung zu ermöglichen." Mit einer Bewertung hält sich die Stadtverwaltung bislang zurück - auch wenn unter anderem Stadtentwickler Jörg Morszoeck vor Ort war. "Vorstellbar ist vieles, das ist ja auch der Sinn der Werkstatt." Deutlich enthusiastischer klingt da Jens-Torsten Jacob. "Da ist richtig viel Musik drin - wenn alle Beteiligten ein klares Bekenntnis geben." 

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