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Weniger Beschwerden an Gröditzer Schmiedewerke

Vor allem über Staub und Lärm regen sich Anwohner kaum noch auf. Am Thema Geruchsbelästigung arbeitet das Stahlwerk aber mit Hochdruck.

Der Himmel über den Gröditzer Schmiedewerken ist blau. Vorbei die Zeiten, dass das Stahlwerk eine Dreckschleuder war. Doch noch ist nicht alles perfekt.
Der Himmel über den Gröditzer Schmiedewerken ist blau. Vorbei die Zeiten, dass das Stahlwerk eine Dreckschleuder war. Doch noch ist nicht alles perfekt. © freier Fotograf

Gröditz. Die Schmiedewerke sind das pochende Herz der Stadt. Vor knapp 200 Jahren wurde hier der erste Hochofen in Betrieb genommen, wo einst eine Mühle stand. Generationen von Gröditzern sind mit dem Stahlwerk in der Nachbarschaft groß geworden. Die Älteren erinnern sich noch, wie dreckig und laut es hier war.

"Früher hat man gehört, wer in welcher Schicht gerade Presseführer ist", erzählt CDU-Stadtrat Thomas Ackermann. Da gab es die Verständigen, die Rücksicht auf die Anwohner nahmen und versuchten, die Lärmbelästigung zu reduzieren. Es soll aber auch Presseführer gegeben haben, denen das herzlich egal war. Und die waren in Gröditz stadtbekannt.

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Auch heute lassen sich Geräusche im Stahlwerk nicht ganz vermeiden. "Ich höre das Geklapper, wenn der Wind aus dem Süden kommt", sagt Ackermann. "Aber dann weiß ich, die Schmiedewerke haben Arbeit. Und das doch gut so."

Der Gestank lässt sich nicht vermeiden

So viel Verständnis hat nicht jeder Zeitgenosse. Hin und wieder wird die Betriebsleitung der Schmiedewerke mit Beschwerden konfrontiert. Aber nach Informationen des Stahlwerks seien es in den letzten Jahren deutlich weniger geworden.

Gab es 2018 wegen Lärmbelästigungen noch zwölf Eingaben, so war es in diesem Jahr bisher nur eine. Ähnlich verhält es sich bei Beschwerden über Staubbelästigungen. Vor vier Jahren wurden zehn gezählt, seit 2019 wurde keine registriert.

Lediglich Gestank ist in den Schmiedewerken noch ein Thema. Der lässt sich allerdings nicht so leicht vermeiden, weiß Ronny Wohllebe, der im Gröditzer Betrieb für das Umweltmanagement zuständig ist. Ursache für die Gerüche sind die Schamottesteine, mit denen die Pfannen für den Transport des flüssigen Stahls ausgemauert werden. Wenn die Pfannen auf 1.050 Grad Celsius erwärmt werden, tritt Wasserdampf aus den Steinen und enthält Reste des Bindemittels, mit dem die Steine hergestellt werden. Und diese Bindemittel erzeugen den typischen Geruch.

"Alle Stahlwerke kämpfen mit diesem Problem", sagt Betriebsleiter Stefan Lachmann. Die Gröditzer hätten schon verschiedene Steine von mehreren Produzenten getestet, aber der Geruch sei geblieben. Die Schmiedewerke hatten zusammen mit Forschern der TU Freiberg mehrere Methoden ausprobiert, um dem Ausgasverhalten der Steine Herr zu werden. Doch entweder erwiesen sie sich als unwirksam oder aber als unwirtschaftlich.

Dabei wäre es hilfreich gewesen, die Zusammensetzung des Bindemittels der Schamottesteine zu kennen. "Doch das ist ein streng gehütetes Geheimnis aller Hersteller", sagt Geschäftsführer Jens Overrath.

Deshalb haben die Schmiedewerke seit einiger Zeit damit begonnen, die Pfannen fast doppelt so lang aufzuheizen. Dadurch entstehen die Gerüche nur beim ersten Einsatz der Pfanne. Das passiert zwei- bis dreimal pro Woche. Doch das zusätzliche Aufheizen erzeugt für das Unternehmen Mehrkosten. "Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an einer anderen Lösung", so Overrath.

Alte Anlage geht 2022 außer Betrieb

Sie betrifft die drei Entstaubungsanlagen. Die älteste von ihnen - sie stammt aus dem Jahr 1968 - soll spätestens im zweiten Quartal 2022 außer Betrieb genommen werden. Die beiden jüngeren Anlagen aus den 1980er-Jahren sollen zusammengeschlossen werden und leistungsstärkere Motoren erhalten, die auch wesentlich leiser sind. Overrath: "Damit sind wir in der Lage, gleichzeitig Gerüche und Schall zu verringern." Zudem befinden sich beide Anlagen am stadtabgewandten Giebel der großen Werkhalle. Die alte Entstaubungsanlage, die abgerissen werden soll, ist näher an der benachbarten Wohnbebauung dran.

Im November würde Overrath mit dem Umbaukonzept bei der Landesdirektion vorsprechen. "Das war die Auflage der Behörden für unsere Betriebsgenehmigung", bestätigt er und hofft, die Ursache für weitere Beschwerden in den Griff zu bekommen. Wie das Unternehmen mit Zahlen belegt, seien die Meldungen über Geruchsbelästigungen in den letzten vier Jahren von 25 (2018) auf fünf (Stand: 29. September 2021) zurückgegangen.

Stadtrat Thomas Ackermann hört es gern. Er vertrat den Gröditzer Bürgermeister Jochen Reinicke am Mittwoch beim Bürgergespräch in den Schmiedewerken. Bis auf ihn und zwei Journalisten waren keine Gröditzer der öffentlichen Einladung gefolgt. Woran das lag, ist unklar. Möglicherweise, weil es tatsächlich weniger Beschwerden über Geruch, Lärm und Staub gibt.

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