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Wenn Halloween - dann richtig

Echte Fans wollen sich nicht nur als Vampire oder Geister verkleiden, sondern dekorieren gleich ihr ganzes Haus. So wie in Bobersen und Großenhain.

Von Kathrin Krüger & Jörg Richter
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In Bobersen hat Familie Nebel ihr Haus auf Halloween getrimmt. In ihrem Vorgarten erlebt so mancher Kürbis ein schreckliches Ende.
In Bobersen hat Familie Nebel ihr Haus auf Halloween getrimmt. In ihrem Vorgarten erlebt so mancher Kürbis ein schreckliches Ende. © Klaus-Dieter Brühl

Region. Riesenspinnen an der Giebelwand, schaurige Monsterkürbisse im Vorgarten, Skelette und Knochen, wohin man sieht. Das Gruselhaus von Bobersen ist seit Tagen der Hingucker im Dorf. Leute gehen vorbei, grüßen und sind gespannt, was sie denn dieses Jahr Neues im Vorgarten von Familie Nebel entdecken.

Neben dem großen Spinnnetz fällt sofort eine rund drei Meter große, schwarze Gestalt auf. Wenn man davor steht und in die Hände klatscht, neigt sie ihren Kopf mit den funkelten Augen und dem blutverschmierten Kinn entgegen. Die knochigen Hände scheinen nach einem greifen zu wollen. Weißer Rauch steigt auf.

"Der Effekt ist bei Dunkelheit noch besser", sagt Sebastian Nebel über seine neueste Kreation. Er und seine Familie sind begeisterte Halloween-Fans. Seit Jahren gestalten sie ihr Haus entsprechend um und lassen Freunde, Nachbarn und Passanten an ihrer Leidenschaft Anteil haben.

Diese schwarzgekleidete Puppe ist die neueste Kreation am Gruselhaus von Bobersen. Sie soll am Zaun Passanten erschrecken.
Diese schwarzgekleidete Puppe ist die neueste Kreation am Gruselhaus von Bobersen. Sie soll am Zaun Passanten erschrecken. © Klaus-Dieter Brühl
Familie Nebel,
v. r. die Eltern Sebastian und Maria Nebel und die Kinder Laura und Alexander, haben mächtig Spaß, ihr Haus schaurig-schön zu gestalten.
Familie Nebel, v. r. die Eltern Sebastian und Maria Nebel und die Kinder Laura und Alexander, haben mächtig Spaß, ihr Haus schaurig-schön zu gestalten. © Klaus-Dieter Brühl
Ein Untoter kriecht aus der Rabatte.
Ein Untoter kriecht aus der Rabatte. © Klaus-Dieter Brühl

Über den ganzen Hof sind Kürbisse verteilt. "Dabei essen wir sie noch nicht mal", sagt der 38-Jährige. Nur für Halloween werden sie im Garten angepflanzt. Etwa 100 Stück. Die meisten davon werden zum Schnitzen von gruseligen Fratzen benutzt. In diesem Jahr haben Tochter Laura (16) und Sohn Alexander (12) fast alle Kürbisse alleine geschnitzt und wie man sieht, eine gewisse Kreativität dabei entwickelt. Da frisst ein großer Kürbis einen kleinen auf oder hängt ein durchbohrter Kürbis am Pfahl.

"Angefangen hat es mal mit einem Kürbis", erzählt Sebastian Nebel. Das war 2009. Damals lebte er mit seiner Familie noch in Zeithain. "Eigentlich hatten wir nur einen Grund gesucht, mit unseren Nachbarn zu feiern", sagt der Schichtführer, der bei Wacker in Nünchritz arbeitet. Für den Gruselspaß nimmt er auch gern mal Urlaub.

Seit neun Jahren wohnt Familie Nebel in Bobersen und hat hier ebenfalls Leute von Halloween begeistern können. In den vergangenen Jahren luden sie Kinder aus dem Dorf zum gemeinsamen Kürbisschnitzen ein. Freunde und Nachbarn kamen zur Gruselparty. Sie wird in diesem Jahr wohl kleiner ausfallen. Doch das Gruselhaus ist Pflicht! "Bisher haben wir nur positive Resonanz darauf", sagt Mama Maria Nebel (36). "Und uns selbst macht es ja auch Spaß."

Monsteralarm in der Radeburger Straße 17 in Großenhain: Franzi Manig, Ronny Mommert , Thomas Helbig und Matthias Zorn (v.l.) sind alle Halloween-Fans und haben Spaß daran, ihr Wohnhaus aufwendig zu gestalten.
Monsteralarm in der Radeburger Straße 17 in Großenhain: Franzi Manig, Ronny Mommert , Thomas Helbig und Matthias Zorn (v.l.) sind alle Halloween-Fans und haben Spaß daran, ihr Wohnhaus aufwendig zu gestalten. © Kristin Richter

Die Süßigkeiten liegen für Kinder bereit

In Großenhain ist die Radeburger Straße 17 das Halloween-Haus schlechthin. Von der Straße aus nicht zu erkennen, beginnt der Spuk aber schon auf dem Hof: eine Riesenspinne mit ihrem Netz hängt über der Eingangstür, zahlreiche geschnitzte Kürbisse stehen am Gebäude, dazu ein echtes altes Grabkreuz mit dem Namenszug der bekannten Halloween-Filmfigur Michael Myers. Eine ehemalige Schaufensterpuppe ist als Gruselgestalt dekoriert, eine schreckliche Plastefigur kann sich dank Akku sogar bewegen. Auf der Mauer kleben Wattefäden, Grabsteine sorgen beim Betrachter für Gänsehaut.

Franzi Manig (28) und ihr Freund Ronny Mommert (31) haben zum zweiten Mal ihrer Gruselleidenschaft freien Lauf gelassen. "Voriges Jahr hatten wir das Haus von der Straßenseite her dekoriert, aber dann kamen zwei Betrunkene und haben alles kaputtgemacht", bedauert Franzi. Sie arbeitet als Verfahrensmechanikerin und kam aus dem bayerischen Wald 2014 nach Großenhain. In ihrem Heimatdorf war Halloween kein Thema. Doch ihr Freund Ronny, ein Lackierer, liebte schon in seiner Kindheit in Nünchritz das Herumziehen in Verkleidung. Überall bekam man dann Süßigkeiten.

Der ganze Hausflur ist auf Halloween getrimmt.
Der ganze Hausflur ist auf Halloween getrimmt. © Kristin Richter
Alle Bewohner begeistern sich für den Gruselspaß.
Alle Bewohner begeistern sich für den Gruselspaß. © Kristin Richter
In jeder Nische wartet eine neue Schreck-Deko.
In jeder Nische wartet eine neue Schreck-Deko. © Kristin Richter
Dieses Wandbild leuchtet auf und kann sprechen.
Dieses Wandbild leuchtet auf und kann sprechen. © Kristin Richter
Beim Treppensteigen braucht man starke Nerven.
Beim Treppensteigen braucht man starke Nerven. © Kristin Richter
Auch draußen regieren die Kürbisse. Für Kinder werden am Wochenende Süßigkeiten bereitgestellt.
Auch draußen regieren die Kürbisse. Für Kinder werden am Wochenende Süßigkeiten bereitgestellt. © Kristin Richter

Das möchte das Paar, das selbst keine Kinder hat, anderen kleinen Halloween-Fans auch ermöglichen. "Schon voriges Jahr haben wir Naschereien herausgestellt, und das machen wir diesen Sonntag wieder", erzählen die Großenhainer. Bei der Dekoration, die das ganze Haus umfasst, halfen auch ihre Nachbarn. "Hier hat keiner was dagegen, wir können uns austoben", meint Tom Helbig (35). Auch er hat an dem Spuk einen Narren gefressen. "Es macht Spaß und regt die Fantasie an." Die Kürbisse wurden in aufwendiger Handarbeit gestaltet und dann einem Fotoshooting unterzogen. Schon eine Woche vor Halloween begannen die jungen Leute mit dem Schmücken.

Haben sie voriges Jahr im Keller ihre Halloween-Party gefeiert, wollen die Bewohner des Gruselhauses dieses Mal draußen Party machen. Sie werden sich verkleiden, schminken, bei schräger Musik was trinken. Und Würstchen in Form von Fingern essen. "Wenn freidrehen, dann richtig", meint Franzi Manig und zeigt auf das große schwarze Tuch im Treppenhaus. Überall hängen Gerippe und schräge Figuren, Kerzen und Spinnen sind dekoriert, dazu Laternen und Fledermäuse. Jede Etage ist schaurig erleuchtet. "Viele unserer Freunde waren schon gucken und fanden es klasse", sagt Ronny Mommert. Auch die Kinder, die schon da waren, seien hellauf begeistert gewesen. Dass Menschen so gruseligen Monster-Alarm zelebrieren, sei nicht so häufig. Doch Deko-Queen Franzi kann auch anders: Zu Weihnachten schmückt sie alles dann wieder ganz bürgerlich.