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Wie gefährlich sind die Wölfe bei Zeithain?

Angeblich soll das Wolfsrudel in der Gohrischheide vom Rosenthaler Rudel abstammen. In dessen Territorium wurden viele Nutztiere gerissen.

Von Jörg Richter
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Ein Wolf wurde vor ein paar Tagen an einer Straße bei Gohlis gesichtet (Foto links). Müssen die Menschen jetzt Angst haben vorm bösen Wolf?
Ein Wolf wurde vor ein paar Tagen an einer Straße bei Gohlis gesichtet (Foto links). Müssen die Menschen jetzt Angst haben vorm bösen Wolf? © Markus Wagner

Zeithain. Die Wolfssichtung bei Gohlis beschäftigt viele Leute, die in den Dörfern an der Gohrischheide wohnen. Seit etwa zehn Jahren leben in dem Waldgebiet, das einst militärische Sperrzone war, Wölfe. Das Foto, das der Kreinitzer Markus Wagner am Dienstagabend kurz vorm Gohliser Ortseingang geschossen hat, fasziniert die einen und beunruhigt die anderen.

Das verdeutlichen Kommentare in hiesigen Facebook-Gruppen. Darunter findet sich auch eine Behauptung, dass "die Herkunft des jetzigen Rudels nicht ganz unproblematisch" sei. Die Wölfe in der Gohrischheide sollen Nachkommen des Rosenthaler Rudels in der Niederlausitz sein. Es sei für zahlreiche Übergriffe auf Nutztiere bekannt.

Das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie bestätigt tatsächlich verwandtschaftliche Verhältnisse des hiesigen Rudels zu dem aus Rosenthal. "Der aktuelle Rüde ist ein Nachkomme des Rudels Rosenthal. Die dazugehörige Fähe ist eine Tochter der ursprünglichen Elterntiere des Rudels Gohrischheide", teilt Pressesprecherin Karin Bernhardt auf Anfrage der SZ mit.

Als "Problem-Rudel" bekannt

Der Rüde sei das erste Mal im vergangenen Jahr in der Gohrischheide genetisch nachgewiesen worden. "Über die Verwandtschaftsverhältnisse ist belegt, dass er aus einer früheren Verpaarung der Rosenthaler Elterntiere von vor 2017 stammt", so das Landesamt.

Die Rosenthaler Wölfe wurden in den Medien schon oft als "Problem-Rudel" bezeichnet. Der Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge hatte in der Vergangenheit die Forderung, eines der Tiere abzuschießen, mehrfach unterstützt.

Wie Zahlen des Landesamtes belegen, kam es im Territorium des Rudels Rosenthal zwischen 2014 und 2019 mit insgesamt 85 Fällen zu einer "relativ hohen Zahl von Rissereignissen". Dabei kam es sowohl zu Übergriffen auf Tiere ohne einen ausreichenden Grundschutz als auch auf Herden, die nach den Mindestschutzanforderungen geschützt waren. "Das stellte die Nutztierhalter in der Region vor große Herausforderungen", so Karin Bernhardt.

Auch in diesem Jahr kam es in der Region Rosenthal-Elstra zu einer hohen Zahl von Nutztierrissen. Wie vor Kurzem bekannt wurde, sollen Wölfe der Rudel Rosenthal oder Haselbachtal möglicherweise ihre Territorien verlagert haben, nachdem das Territorium des erloschenen Elstraer Rudels nicht mehr besetzt war.

Die Pressesprecherin stellt aber klar, dass eine eindeutige Zuordnung jedes Risses zu einem Rudel nicht möglich ist. Da es immer wieder durchziehende Einzeltiere gibt, können auch rudelfremde Wölfe in einem Territorium für Risse verantwortlich sein.

Mindestens ein Schaf pro Monat

Die meisten Rissereignisse in Sachsen habe es in diesem Jahr in den Regionen rund um Kamenz/Wittichenau, Elstra/Rosenthal/Haselbachtal, aber auch im Bereich der Gohrischheide gegeben. Das geht aus der Schadensstatistik 2021 des Landesamtes hervor.

Daraus ist auch abzuleiten, dass der Wolf in der Region ziemlich aktiv ist. Hier, besonders in der Gemeinde Zeithain, wird jeden Monat mindestens ein Schaf gerissen. Im September und Oktober fielen nachweislich vier Schafe dem Wolf zum Opfer. Bei drei weiteren gerissenen Tieren konnte der Wolf nicht zweifelsfrei als Täter nachgewiesen werden. Zudem wurden in Raum Strehla im Oktober zwei Fälle bekannt, bei denen jeweils zwei Schafe gerissen wurden. Diese gehen wohl eher aufs Konto des Rudels in der Dahlener Heide und eines durchziehenden Wolfes.

Besonders in Erinnerung ist die "Bluttat von Glaubitz" geblieben. Ende August wurden dort auf einer ehemaligen Schutthalde 27 Schafe gerissen. 13 weitere gelten als vermisst. Sehr wahrscheinlich wurden sie Opfer des Rudels in der Gohrischheide, das sich hier möglicherweise über mehrere Tage an der Schafherde bediente. Doch aus der hohen Schadenszahl an Nutztieren eine besondere Blutrünstigkeit der hiesigen Wölfe abzuleiten, ist wohl übertrieben. Schließlich hatten sie in dem eingezäunten Betriebsgelände leichtes Spiel und haben es genutzt.