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Wie geht's weiter mit Riesas SAEK?

Dem Medienprojekt droht landesweit das Aus. Trotzdem bewahren sich die Mitarbeiter einen Hauch Zuversicht.

John Weickardt und Antje Rauscher in den Räumen des SAEK in der Stadthalle Stern. Mitte 2021 läuft das Medienprojekt aus. Wie es dann für sie weitergeht, wissen beide noch nicht.
John Weickardt und Antje Rauscher in den Räumen des SAEK in der Stadthalle Stern. Mitte 2021 läuft das Medienprojekt aus. Wie es dann für sie weitergeht, wissen beide noch nicht. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Terminkalender ist wegen Corona nicht so voll, da bleibt Zeit für die Arbeit am Rechner. "Gerade schneiden wir das Video zur Mondscheinführung", sagt John Weickardt. Als die Mitglieder des Museumsvereins die Riesaer Geschichte aufleben ließen, war Weickardt vom Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal SAEK mit einigen Teilnehmern der Medienwerkstatt dabei und filmte. Es könnte eine käuflich zu erwerbende DVD draus werden - zum ersten Mal in der Geschichte der Mondscheinführungen.

Es war nicht die einzige Premiere: Erstmals versuchte sich das SAEK mit Kindern an einem Ableger von "Elefant, Tiger und Co." - nur eben im Riesaer Tierpark statt im Leipziger Zoo. Zwei Folgen wurden produziert, Weickardt liebäugelte damals auch ein wenig mit dem Gedanken, weitere Episoden zu drehen.

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Ob daraus Wirklichkeit werden kann, ist mittlerweile aber mehr als unsicher. Denn das SAEK in Riesa steht - wie alle neun Standorte in Sachsen - auf der Kippe, bestätigt Studioleiterin Antje Rauscher. "Am 30. Juni 2021 läuft die Förderperiode aus." Sie und ihre beiden Kollegen wären dann arbeitslos. Wie es dann weitergeht, das wissen auch sie nicht. "Wir haben bisher auch nur die Informationen, die in der Zeitung stehen."

Stärkerer Fokus auf Erwachsenenbildung

Die Gründe für das bevorstehende Aus sind kompliziert. Bisher hatte die SAEK-Förderwerk gGmbH als Auftraggeber der Standorte fungiert. Einige der Gesellschafter hätten, auch aufgrund der Corona-Pandemie, ihre Gesellschafterstellung vertragsgemäß gekündigt, so Markus Heinker, Präsident des Medienrates der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM). Trotz intensiver Bemühungen habe die ehemalige Geschäftsführerin des SAEK-Förderwerks keine neuen Gesellschafter gewinnen können. Aus rechtlichen Gründen müsse die Gesellschaft Mitte 2021 ihre Tätigkeit einstellen.

Gegenüber der Leipziger Volkszeitung lässt Heinker durchblicken, dass auch an der Struktur der Medienprojekte gefeilt werden soll. Die sollen sich stärker als bisher an Erwachsenenbildung orientieren. Darüber hinaus gebe es bisher große Flächen im ländlichen Raum, "in dem die von der SLM geförderten Maßnahmen zur Medienkompetenzvermittlung nicht oder nur selten angeboten wurden", zitiert die Zeitung den Präsidenten.

Wirklich nachvollziehen kann die Riesaer Studioleiterin diese Argumente nicht, sagt sie. Schon jetzt richte sich ein großer Teil der Angebote an Erwachsene - sie verweist auf die Mondscheinführung oder auch auf die zahlreichen Kurse für Senioren zum Umgang mit dem Smartphone. "Die können bei uns die 'digitale Hemmschwelle' überwinden. Es gibt außerdem Elternangebote und auch Weiterbildungen für Erzieher." Auch das Umland werde sehr wohl abgedeckt. "Wir sind im Umkreis unterwegs, etwa in Lommatzsch oder Zeithain." Mit den 50 bis 60 Projekten habe man in diesem Jahr trotz Corona mehr als 1.000 Menschen erreicht.

Seit 2017 ist der SAEK Mieter in der Stadthalle Stern.
Seit 2017 ist der SAEK Mieter in der Stadthalle Stern. © Sebastian Schultz

Für sie sei die Situation auch persönlich belastend. "Es ist ja völlig ungewiss, was danach kommt. Und man hängt an dem Job." Ähnlich sagt es John Weickardt, der ursprünglich aus Berlin stammt und auf Umwegen beim SAEK gelandet war. Ursprünglich sei er in der IT-Branche tätig gewesen, habe dann aber zunehmend Mitarbeiter geschult - und bemerkt, dass ihn das mehr erfüllt, als der übrige Teil seiner Arbeit. Auch, wenn mit dem Job als Medienpädagoge ein größeres Maß Unsicherheit verbunden ist, wie Antje Rauscher bestätigt. "Wir sind es gewöhnt, dass es in der Branche meist befristete Arbeitsverträge gibt." Das SAEK sei da eine von den wenigen relativ festen Strukturen gewesen.

Sorge um bestehende Strukturen

Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich John Weickardt und Antje Rauscher noch ihre Zuversicht bewahren. "Die konkrete Aussage 'Es ist Schluss' ist noch nicht gefallen", sagt sie. Das Geld - 1,5 Millionen Euro - sei im Haushalt eingeplant, heißt es. "Und wir spüren auch von der Stadt Riesa Rückhalt, das ist sehr viel wert."

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Auch aus der Landespolitik gab es zuletzt Unterstützung. Claudia Maicher (Grüne), selbst Mitglied in der Landesmedienanstalt, warnte zuletzt "die SAEK nicht blindlinks über die Klippe zu schieben" und plädierte für eine Übergangsphase, in der deren Zukunft diskutiert werden könne. "Ein Abbruch der über 20 Jahre aufgebauten Strukturen führt nicht nur zur Abwanderung von hochqualifiziertem Fachpersonal", sondern lasse auch die bisherigen Kooperationspartner im Stich und führe zur Ausdünnung medienpädagogischer Angebote. "Was einmal weg ist, wird so schnell nicht mehr aufgebaut." So sieht das auch Studioleiterin Antje Rauscher: "Wir sind bereits seit zwölf Jahren in Riesa. Es wäre schade um die Strukturen, die hier entstanden sind."

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