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Wird aus Siebenkampf jetzt ein Duell?

Bei der Frage, wer neuer Bürgermeister von Stauchitz wird, haben nur noch zwei Kandidaten realistische Chancen.

Erst am 4.Oktober zeigt sich, wer neuer Herr im Herrenhaus in Staucha wird.
Erst am 4.Oktober zeigt sich, wer neuer Herr im Herrenhaus in Staucha wird. © SZ

Stauchitz. Dirk Zschoke, der Bauamtsleiter von Stauchitz, ist seinem großen Ziel am Sonntag ein gutes Stück nähergekommen. Im zweiten Anlauf hat er die besten Chancen aller sieben Kandidaten, der neue Bürgermeister von Stauchitz zu werden. Er  erhielt am Sonntag mit großem Abstand die meisten Stimmen. Die 42,8 Prozent reichten aber nicht für die erforderliche absolute Mehrheit. So wird es am 4. Oktober einen zweiten Wahlgang geben. 

Härteste und realistisch betrachtet einzige Konkurrentin ist dabei Michaela Steuer aus dem eigenen Haus. Die Mitarbeiterin der Gemeindeverwaltung  landet auf dem zweiten Platz, allerdings mit großem Rückstand. 27, 4 Prozent der Wähler  stimmten für sie. Alle anderen landeten weit abgeschlagen. Wenigstens noch ein zweistelliges Ergebnis schaffte Dr. Britt Kniesel  mit 10,2 Prozent.   

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Hohe Verluste für die AfD

Enttäuschend ist das Ergebnis vor allem für AfD-Mann Enrico Barth. "Es ist schon sehr verwunderlich, in einem Jahr solche hohen Stimmenverluste hinzunehmen", sagt er. Er musste feststellen, dass eine Bürgermeisterwahl eben eine Personenwahl ist.  Er sieht das anders: "Ich glaube nicht, dass es an mir lag", sagt er. 

Allerdings hatte er  unglückliche Äußerungen gemacht. So wollte er sich dafür einsetzen, dass in Stauchitz keine neuen Windräder gebaut werden. Es gibt  aber auf dem gesamten Gemeindegebiet keine Windkraftanlagen. 

Auch die Einführung eines Begrüßungsgeldes für Neugeborene,  ist ein alter Hit. Das wird in Stauchitz schon seit Jahren gezahlt. Mit 7,4 Prozent der Stimmen blieb er weit hinter dem Ergebnis der Kommunalwahl zurück. Bei dieser erreichte die AfD knapp 30 Prozent. 

Dirk Zschoke gewann mit 42,7 Prozent die Wahl deutlich. Doch für die absolut Mehrheitr reichte es nicht.  
Dirk Zschoke gewann mit 42,7 Prozent die Wahl deutlich. Doch für die absolut Mehrheitr reichte es nicht.   © Sebastian Schultz
Mit deutlichem Rückstand auf Platz 2. Michaela Steuer holte 27,2 Prozent der Stimmen. 
Mit deutlichem Rückstand auf Platz 2. Michaela Steuer holte 27,2 Prozent der Stimmen.  © Foto: Lutz Weilder

Während die 4,8 Prozent von Iris Osladil im erwartbaren Bereich lagen, war das Abschneiden von Andreas Seidlitz wohl die  größte Überraschung. Der Hahnefelder machte einen selbstbewussten, entschlossenen Eindruck, hatte viele Ideen, war siegessicher. Er war der Einzige, der nicht an einen zweiten Wahlgang glaubte. Dieses enorme Selbstbewusstsein legten wohl viele Wähler als Arroganz aus. Die Quittung waren 4,4 Prozent der Wählerstimmen.  

Vor Rückschlüssen auf die Stärke oder Schwäche der AfD sollte man sich allerdings hüten. Denn ansonsten stehe es äußerst schlecht für die SPD. Deren Kandidaten Dirk Erler wählten nur 3,2 Prozent. Es ist das schlechteste Ergebnis aller sieben Kandidaten. Allerdings ist die SPD in Stauchitz nicht präsent. Sie hat weder einen Sitz im Gemeinderat, noch eine Ortsgruppe. 

Auch Linke und Grüne spielen in der Gemeinde keine Rolle. Auch sie sind nicht im Rat vertreten, hatten keine eigenen Kandidaten. Für die FDP hält Christel Prusseit im Rat die Fahne hoch. Dabei dürfte sie vor allem von ihrer Bekanntheit als ehemalige Bürgermeisterin der damaligen Gemeinde Stauchitz profitieren, die später mit Plotitz zur neuen Großgemeinde Stauchitz fusionierte.     

Die Frage, ob alle sieben Kandidaten im zweiten Wahlgang noch einmal antreten, ist im Grund nicht von Bedeutung. Reelle Chance haben nur die beiden Erstplatzierten, wobei es für Michaela Steuer sehr schwer werden wird, 15 Prozent aufzuholen. Das könnte - wenn überhaupt - nur gelingen, wenn sie in großer Zahl Stimmen von anderen Kandidaten abziehen könnte. 

Der Sieg von Dirk Zschoke ist also greifbar nahe. Allerdings: So sah es auch vor sieben Jahren aus. Im zweiten Wahlgang erreichte er damals aber gegen den jetzigen Amtsinhaber Frank Seifert, der nicht mehr antrat,  nur rund 30 Prozent der Stimmen.  

Bis Freitag haben die Kandidaten die Möglichkeit zu erklären, ob sie auf eine Kandidatur verzichten. Dirk Erler hat das wohl schon angekündigt, Britt Kniesel überlegt noch. Dirk Zschoke und Michaela Steuer wollen auf  jeden Fall in die zweite Runde gehen.

 "Ich freue mich, dass ich von vielen Wählern das Vertrauen geschenkt bekam und hoffe nun, dass ich noch weitere überzeugen kann, um im zweiten Wahlgang zu gewinnen", sagt Michaela Steuer. Dieses Ziel hat auch Dirk Zschoke. Schon am Wahlabend hatte er verkündet, dass er erneut antritt. 

Wird aus dem Siebenkampf möglicherweise ein Duell?  Nein, das nicht. Mindestens  Enrico Barth will es noch einmal wissen. "Natürlich trete ich an, mag die Herausforderung. Ich sehe das sportlich, habe versprochen, dass ich auch bei einem zweiten Wahlgang nicht zurückziehe. Daran halte ich mich", sagt er. 

Wähler wollen keine Experimente

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Eines macht das Wahlergebnis jedenfalls klar. Die Wählerinner und Wähler in Stauchitz lassen sich auf keine Experimente ein, setzen auf Bewährtes, wählen in erster Linie langjährige Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung. Das heißt im Umkehrschluss, Bürgermeister Frank Seifert, seine Verwaltung und der Gemeinderat können in den vergangenen Jahren nicht so viel falsch gemacht haben. Für eine große Unzufriedenheit vieler Stauchitzer, die einige Kandidaten ausgemacht haben wollten,  spricht das jedenfalls nicht.    

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