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Riesa: Verwirrspiel um Abholservice

Noch ist das Bestellen und Abholen im sächsischen Einzelhandel nicht erlaubt. Trotzdem konnten Baumarktkunden in Riesa das Angebot schon nutzen. Warum?

Gewerbetreibende dürfen die Baumärkte in Sachsen weiterhin ganz normal benutzen. Bei Privatkunden sieht das anders aus - außer in Riesa.
Gewerbetreibende dürfen die Baumärkte in Sachsen weiterhin ganz normal benutzen. Bei Privatkunden sieht das anders aus - außer in Riesa. © Klaus Dieter Bruehl

Riesa. Der Riesaer Einzelhandel dürfte es am Dienstag erfreut zur Kennntis genommen haben: Am Nachmittag verkündete die Landesregierung, dass auch Sachsen beim Thema "Click & Collect" nachziehen wird. Ab Montag könnten Kunden ihre Waren wieder beim Händler vor Ort bestellen und dort abholen. Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem das "Bestellen und Abholen" noch nicht erlaubt ist. Zurzeit bleibt in vielen Branchen nur der Online-Versandhandel als Alternative.

Umso kurioser ist deshalb ein Angebot des Toom-Baumarktes in Riesa. Dort werben noch am Dienstag Aufsteller mit dem Angebot "Online bezahlen, am Markt abholen" - ergänzt um den Zusatz "Unser Service ist für alle Kunden verfügbar" und eine detaillierte Beschreibung des Angebots. Und das klingt verdächtig nach "Click & Collect", findet auch der Sprecher der Industrie- und Handelskammer Lars Fiehler. "Sollte dies in der Praxis auch bei Privatkunden erfolgen, wäre das ein klarer Verstoß gegen die geltenden Regeln, der auch entsprechend sanktioniert werden könnte. Vielleicht handelt es sich ja aber auch nur um eine Verwechslung, denn Ware bestellen und liefern lassen geht sowohl für Gewerbetreibende als auch für Privatkunden."

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Sondergenehmigung für Riesa

Tatsächlich hat der Markt in den vergangenen Tagen auch Privatkunden bedient. Er sei auch nicht der Einzige gewesen, berichtet einer von ihnen. "Es war allerdings nicht so, dass sich dort größere Schlangen gebildet oder die Menschen gedrängt hätten." Während die Heimwerker durchaus dankbar gewesen sein dürften, wirft der Fall offenbar auch beim Mutterunternehmen Fragen auf. Eine Pressesprecherin teilt am Dienstagnachmittag zunächst mit: "In Riesa können die Kunden telefonisch oder online bestellen. Eine Abholung vor Ort ist nicht möglich." Liegt womöglich ein Missverständnis innerhalb des Unternehmens vor? Erst am späten Nachmittag bringt die Toom-Sprecherin Licht ins Dunkel: "Der Markt in Riesa hat eine Sondergenehmigung erhalten, unter anderem in Hinblick auf die aktuelle Wetterlage, sodass auch Privatkunden bereits jetzt den Click-und-Collect-Service nutzen dürfen - unter Einhaltung strenger Hygieneauflagen."

Mit Aufstellern wirbt Toom für das "Bestellen und Abholen" im Markt.
Mit Aufstellern wirbt Toom für das "Bestellen und Abholen" im Markt. © Klaus Dieter Bruehl

Fest steht, dass die Sinnhaftigkeit des Verbots schon längere Zeit umstritten ist. In der jüngsten Riesaer Stadtratssitzung hatte sich selbst der Oberbürgermeister dazu geäußert. "Ich verstehe nicht, warum der Einzelhandel nicht sagen kann: Die Kunden können bestellen und vorbeikommen." Gerade in Riesa bestehe schlicht keine Gefahr, dass es dadurch zu überfüllten Geschäften oder Menschenmengen auf der Hauptstraße komme. Zuvor hatte sich Stadtrat Volker Thomas (Linke) danach erkundigt, ob und in welchem Umfang die monatelangen Geschäftsschließungen schon zu Geschäftsaufgaben geführt hätten. In dieser Hinsicht lägen der Stadt noch keine Zahlen vor, so Müller. Allerdings sei auch von einem Verzögerungseffekt auszugehen, weil die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt sei.

Ein Indiz dafür, wie es dem Handel geht, ist womöglich die Lage in der Elbgalerie. Centermanager Andree Schittko darf nicht ins Detail gehen, was die Mietzahlungen im Einkaufszentrum angeht. "Aber der Großteil der Mieter hat sich an den Eigentümer gewandt, und der Eigentümer ist ihnen ein Stück weit entgegengekommen." Er regt an, der Stadtrat könne auch einmal mit den betroffenen Einzelhändlern sprechen oder sie zum Gespräch laden, um mehr zu erfahren. Über "Click and Collect" sagt er nur: "Die Händler greifen nach jedem Strohhalm. Aber das kann auch nur eine Übergangslösung sein."

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Ähnlich formuliert es auch der IHK-Sprecher: Man müsse klar sagen, "dass es sich eher um ein Signal an den Handel handelt als eine echte betriebswirtschaftliche Hilfe. Baumärkte wären vermutlich noch die größten Profiteure."

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