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Das Walzwerk läuft wieder

Das Stahlwerk steht nach einer wochenlangen Reparaturpause noch still. Dabei sind die Produkte gefragt wie nie.

Ein sogenannter Stahlknüppel rollt aus dem Ofen ins Walzwerk. Feralpi schmilzt in Riesa aus Schrott neuen Stahl, der dann weiter zu Baustahl verarbeitet wird.
Ein sogenannter Stahlknüppel rollt aus dem Ofen ins Walzwerk. Feralpi schmilzt in Riesa aus Schrott neuen Stahl, der dann weiter zu Baustahl verarbeitet wird. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Es dampft, es braust - und es strahlt Hitze aus: Das Walzwerk bei Feralpi in Riesa läuft wieder. Seit Dienstag werden dort wieder tonnenschwere Stahlknüppel zum Glühen gebracht, nach einer dreieinhalbwöchigen Pause. Das Walzwerk war am Heiligabend außer Betrieb gegangen. Das eigentliche Stahlwerk schon drei Tage früher.

Und während der Schmelzofen im Stahlwerk noch immer in seiner jährlichen Wartungs- und Reparaturpause ist, verarbeitet das Walzwerk nebenan fertige Stranggussknüppel, die noch im vergangenen Jahr produziert worden waren. In einem großen Stapel liegen sie bereit, um neu erhitzt und dann zu Draht weiterverarbeitet zu werden. "Wir haben 20.000 Tonnen Überhang produziert, um die Stahlwerks-Pause zu überbrücken", sagt Werkleiter Christian Dohr. Das Stahlwerk selbst soll nächste Woche wieder in Betrieb gehen.

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Dabei kommt es auf jeden Tag an. "Der Absatz ist derzeit sehr gut", sagt Dohr. Weil die Preise auf dem Markt in absehbarer Zeit nach oben gehen, decken sich viele Kunden jetzt noch mit Baustahl aus Riesa ein. Auch 2020 war ein gutes Jahr für Feralpi. Trotz Corona laufe bislang die Bauwirtschaft in Deutschland gut weiter. Für Stahlbetonwände in Häusern, Fabriken, Brücken sind die Produkte aus Gröba gefragt.

Christian Dohr ist seit einem Jahr Werkleiter bei Elbe Stahl Feralpi (ESF). Zuvor hat der 57-Jährige im Stahlhandel in den USA gearbeitet.
Christian Dohr ist seit einem Jahr Werkleiter bei Elbe Stahl Feralpi (ESF). Zuvor hat der 57-Jährige im Stahlhandel in den USA gearbeitet. © Klaus-Dieter Brühl

Völlig verschont von Corona bleibt aber auch das Stahlwerk nicht. Aktuell sind zehn Mitarbeiter in Quarantäne, sagt der Werkleiter. Bei insgesamt rund 700 Mitarbeitern ist das aber ein guter Wert. Schließlich haben Hunderte Mitarbeiter viele Kontakte nach außen. Damit aber im Werksgelände die persönlichen Kontakte minimiert werden, habe man die Abläufe optimiert. So wurden viele externe Dienstleister mit Chips ausgestattet, mit denen die Firmen elektronisch Zugang zum Werksgelände erhalten – und sich nicht mehr persönlich an der Einfahrt melden müssen.

Tatsächlich sind derzeit Dutzende Firmen im Unternehmen zugange: Metallbauer, Gerüstbauer, Elektriker. Damit die Handwerker genug Platz haben und sich nicht in wenigen Räumen drängen müssen, ließ Feralpi etliche Baucontainer im Werksgelände stellen. "Die waren gar nicht so einfach unterzubringen", sagt Dohr. Mittlerweile, kurz vor Ende der Reparaturpause, sind die meisten aber schon wieder weg.

Gleichzeitig ließ das Stahlwerk die Duschzeiten streng regeln, damit die eigenen Mitarbeiter und die Mitarbeiter der Fremdfirmen möglichst wenig Kontakt haben. Mit dem Essensanbieter Gastroservice Selle ließ sich klären, dass die Dienstleistungs-Firmen nicht in der räumlich überschaubaren Feralpi-Kantine essen, sondern den Saal bei Selle selbst nutzen können. "Der ist so groß, dass sich dort die Abstände einhalten lassen“, sagt der 57-Jährige.

Ein Teil der für die Reparaturpause aufgebauten Baucontainer. Die meisten sind schon wieder weg.
Ein Teil der für die Reparaturpause aufgebauten Baucontainer. Die meisten sind schon wieder weg. © Klaus-Dieter Brühl

Allein diese Beispiele zeigen: Den Einsatz von Dutzenden Firmen in einem Betriebsgelände zu koordinieren, ist vor allem unter Corona-Bedingungen ein erheblicher Aufwand. Es gibt aber noch einen Grund, warum die Pause für die Großreparatur in Riesa verhältnismäßig lang ist: In der Zeit des Stillstands wird bei Feralpi nicht nur repariert, sondern da werden auch Investitionen geplant, vorbereitet und durchgeführt. „In Italien macht Feralpi eine kürzere Reparaturpause im Winter, dafür haben die Kollegen dort noch eine Sommerpause“, sagt Dohr. Die gibt es in Riesa nicht – ab nächster Woche läuft das Werk bis vor Weihnachten wieder durch.

Und dann lässt sich ein Stahlwerk mit seinen komplexen Prozessen ja auch nicht einfach per Knopfdruck abschalten, weiß Jan Karl, Ingenieur und Instandhaltungs-Chef. Beispielsweise muss der Ofen im Walzwerk erst gut drei Tage abkühlen, bevor Mitarbeiter dort drin die Feuerfest-Steine erneuern können. Die sind sonst mehr als 1.000 Grad heiß.

Feralpi gibt in Riesa insgesamt rund 700 Beschäftigten Arbeit.
Feralpi gibt in Riesa insgesamt rund 700 Beschäftigten Arbeit. © Klaus-Dieter Brühl

Seit Weihnachten galt es in den Werkshallen, Bauteile zu reinigen oder auszutauschen - etwa die Elektrodenarme aus Aluminium, an denen sonst die baumstammgroßen Graphit-Elektroden zum Schmelzen des Schrotts hängen. Oder die dazugehörigen Stromseile - vier armdicke Kabel, die zum Ofen führen. Allerorten wird demontiert, gereinigt, installiert. Dazu kommen viele gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen etwa von Schweißnähten oder Sicherheitseinrichtungen.

Während bei den Investitionen, bei Aus- und Umbauten viele Fremdfirmen im Stahlwerk zugange sind, wird die eigentliche Instandhaltung vor allem von eigenem Personal erledigt. Die Mitarbeiter tauschen beispielsweise Schaltanlagen aus, Schmierleitungen, Getriebe. "Wir haben sehr gute Leute in der Instandhaltung. Ohne die ginge es gar nicht", sagt Jan Karl. Aber für die schiere Menge der Aufgaben in der knapp bemessenen Werkspause reiche ihre Anzahl dann auch wieder nicht.

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Auffallend sei, dass sich die Mitarbeiter sehr gut um ihre eigene Technik kümmern würden, sagt Werkleiter Dohr. Und Karl ist stolz, dass die Schlosser und Elektriker aus ihrer Alltagsarbeit Ideen an die Führungskräfte herantragen. "Das gilt für altes Personal noch mit DDR-Erfahrung, aber auch für jüngere Kollegen." Alle würden an einem Strang ziehen. "Jeder weiß, dass wir wieder pünktlich die Produktion aufnehmen müssen - damit verdienen wir unser Geld."

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