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"Die Auftragsbücher sind voll"

Der Trend zum E-Auto, Corona und IT-Probleme: Im Mannesmannröhren-Werk Zeithain gibt es viel zu tun, sagt die Technische Geschäftsführerin.

Hanka Snatkin an der Stoßbankanlage im Mannesmannröhren-Werk Zeithain. Die Ingenieurin fing dort Anfang 2020 an, zuvor war die Technische Geschäftsführerin bei Georgsmarienhütte in Niedersachsen und im Edelstahlwerk Freital tätig.
Hanka Snatkin an der Stoßbankanlage im Mannesmannröhren-Werk Zeithain. Die Ingenieurin fing dort Anfang 2020 an, zuvor war die Technische Geschäftsführerin bei Georgsmarienhütte in Niedersachsen und im Edelstahlwerk Freital tätig. ©  Klaus-Dieter Brühl

Zeithain. Das hatte gerade noch gefehlt: Anfang des Jahres machten erhebliche IT-Probleme dem Rohrwerk Zeithain zu schaffen. Beim Mutterkonzern Salzgitter AG äußerte man sich nicht dazu, ob es sich um einen Hackerangriff handelte. Mittlerweile funktioniert der Email-Verkehr aber wieder - und auch die Produktion läuft nun auf Hochtouren. Sächsische.de sprach mit Hanka Snatkin, der Technischen Geschäftsführerin des Mannesmannröhren-Werks Zeithain.

2020 erwies sich für viele Unternehmen als schweres Jahr. Auch im Röhrenwerk gab es verhältnismäßig viel Kurzarbeit. Woran lag das: nur an Corona?

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Das ist nicht einfach mit ja oder nein zu beantworten. Bei einem praktisch weltweiten Lockdown und einem Stillstand der Verbraucherwerke wirkt sich das zeitversetzt auch auf die Vormaterialproduktion, auf unsere Rohre, aus. Wenn bei den Automobilkunden die Bänder still stehen, weil niemand mehr Autos kauft, können auch wir nicht produzieren. Dazu kommen die Anforderungen der Verkehrs- und Energiewende, der konsequente Umstieg auf Elektroautos ausgestattet mit Energien aus Wind-, Wasser-oder Sonnenkraft.

Konnten Sie die Ruhezeit für Wartungen oder Investitionen nutzen?

Wir haben die Ruhezeit für Wartungen und für die erste Stufe der Modernisierung des Drehherdofens genutzt. Wir werden den Ofen energieeffizienter betreiben, Verluste minimieren.

Rund 400 Menschen arbeiten im Rohrwerk Zeithain, das direkt an der Kreuzung von B 169 (im Vordergrund) und B 98 liegt.
Rund 400 Menschen arbeiten im Rohrwerk Zeithain, das direkt an der Kreuzung von B 169 (im Vordergrund) und B 98 liegt. © Lutz Weidler

Wie läuft die Produktion aktuell?

Die Produktion ist auf Grund eines IT-Problems dieses Jahr verspätet gestartet. Die Auftragsbücher sind voll. Wir werden die ausgefallene Produktion durch Mehrarbeit aufholen.

Gibt es besondere Herausforderungen durch die Corona-Vorschriften? Ich stelle es mir beispielsweise schwierig vor, in einer Produktionshalle acht Stunden lang körperlich anstrengend mit einer Mund-Nasen-Maske zu arbeiten.

Natürlich gibt es besondere Herausforderungen durch die Corona-Vorschriften. Die körperlich anstrengenden Arbeiten an den Walzanlagen, bei Temperaturen von teilweise mehr als 1.000 Grad Celsius, können nicht immer mit Maske konsequent durchgeführt werden. Auch für die Mitarbeiter auf den Steuerbühnen ist es nicht einfach. Dennoch, die Maske ist Pflicht und inzwischen ist es kollegial, sie zu tragen. Momentan ist sie, neben dem Abstand, der einzige Schutz und leider muss sie genauso selbstverständlich sein, wie das Tragen des Arbeitsschutzhelmes im Walzwerk.

Gibt es Änderungen oder Neuigkeiten bei den Produkten?

Wir arbeiten ständig an der Implementierung neuer Produkte in unsere Produktion. Wir walzen Testreihen, kontrollieren die technologischen Parameter, prüfen die Rohre nach höchsten Qualitätsanforderungen und arbeiten eng mit den weiterverarbeiteten Werken in Deutschland, Frankreich und der Niederlande zusammen.

E-Autos brauchen offenbar weniger Röhren als klassische Verbrenner-Modelle: Stimmt das? Und wo finden sich auch in einem E-Auto solche Röhren, wie sie in Zeithain herstellen?

Seit vielen Jahrzehnten optimieren wir in enger Zusammenarbeit mit der Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH sowie auch anderen Forschungsinstituten Werkstoffe und Prozesse. In E-Autos ändert sich das Antriebskonzept. Für die Kraftübertragung auf die Räder werden nach wie vor Wellen und Getriebe benötigt. Wie bisher benötigt man verschiedenste Komponenten aus nahtlosen Rohren wie Airbags, Kugellagerringe, Kugelkäfige oder Stabilisatoren, um nur einige zu nennen. Speziell für den E-Motor arbeiten wir an neuen Entwicklungen mit.

Das Dreiwalzen-Schrägwalzwerk macht aus einem zylindrischem Vormaterialblock einen rohrförmigen Hohlkörper.
Das Dreiwalzen-Schrägwalzwerk macht aus einem zylindrischem Vormaterialblock einen rohrförmigen Hohlkörper. ©  Klaus-Dieter Brühl

Wie hat sich die Zahl der Mitarbeiter bei Ihnen in Zeithain zuletzt entwickelt?

Die Mitarbeiterzahl war in den letzten Jahren relativ stabil. Der globale Veränderungsprozess zwingt auch uns zum effizienteren Arbeiten. Dabei geht es nicht nur um Optimierung der Produktionsprozesse, ohne die wir am Markt nicht konkurrenzfähig wären, sondern auch um Verschlankung von organisatorischen Abläufen und nicht zuletzt um Zentralisierung von standortübergreifenden Prozessen.

Sind für 2021 Investitionen oder Änderungen bei den Produkten geplant?

So wie jedes Jahr sind auch 2021 Investitionen geplant. Neben der schon erwähnten Investition in das Herz des Walzwerkes, den Drehherdofen, werden wir in eine Modernisierung einer Adjustagelinie investieren. Mit neuen Produkten, das bedeutet neue Werkstoffe und Abmessungen, müssen wir ständig am Markt präsent sein, sonst verlieren die Mannesmannrohre die Spitzenposition am Markt.

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Die Ausbildung junger Menschen hat Tradition im Rohrwerk in Zeithain. Leider konnten wir im letzten Jahr durch die unsichere Wirtschaftslage, welche auch durch Corona verursacht wurde, keine Auszubildenden einstellen. So soll das nicht bleiben. Auch bei weiterer Leistungsoptimierung werden wir junge Menschen brauchen, welchen wir unser Wissen und Erfahrungen weitergeben werden, um noch viele Jahre in Zeithain Rohre walzen zu können.

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