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Ein Vierteljahrhundert bei Feralpi in Riesa

Das Stahlwerk ist einer der größten Gewerbesteuerzahler der Stadt - und einer der größten Arbeitgeber. Mehr als 100 Mitarbeiter wurden nun geehrt.

Aus Schrott wird neuer Stahl: Pietro Perini verantwortet bei Feralpi in Riesa den Schrotteinkauf.
Aus Schrott wird neuer Stahl: Pietro Perini verantwortet bei Feralpi in Riesa den Schrotteinkauf. © Sebastian Schultz

Riesa. In Frankreich wird Jacques Chirac zum Präsidenten gewählt, in Sachsen tritt Heinz Eggert als Innenminister zurück, in Großbritannien besetzen Aktivisten die Ölplattform Brent Spar: Solche Themen beherrschten im Frühjahr und Sommer 1995 die Schlagzeilen. Das war das Jahr, in dem Pietro Perini bei Feralpi in Riesa anfing. Giuseppe Pasini, Sohn des Firmengründers Carlo Nicola Pasini, hatte den Italiener im Juli 1995 bei Feralpi Stahl als seinen Assistenten für den neuen Standort in Riesa eingestellt.

Damit hätte der heutige Chef des Schrotteinkaufs im vergangenen Sommer sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern können. Doch weil im Sommer 2020 Corona alles überlagerte, musste die Feier auf dieses Jahr verlegt werden. Und so ehrte das Unternehmen erst jetzt mit Pietro Perini 52 Kollegen aus dem Vorjahr und 55 aus diesem Jahr für ihre lange Betriebszugehörigkeit: zehn, 20 und 25 Jahre.

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„Wir bedanken uns herzlichst für den engagierten Einsatz unserer Mitarbeiter, besonders jener, die uns schon sehr lange begleiten – und bei über 700 Beschäftigten im Betrieb sind mehr als 100 große Jubiläen eine beachtliche Zahl“, sagt Werksdirektor Uwe Reinecke. Jeder Einzelne trage dazu bei, dass Feralpi Stahl seinen Weg als eines der zehn größten Stahlwerke Deutschlands und als "Vorreiter in Sachen Umweltschutz in der Branche" erfolgreich weitergehe.

Diese Hoffnung hegt auch Pietro Perini: „Wir planen langfristige Investitionen – alles natürlich unter Berücksichtigung verschiedenster Interessen, wie die des Betriebs, der Umwelt oder unserer Nachbarn.“

Im Juli 1995 war Pietro Perini nach Riesa gewechselt: Über Kontakte bei der italienischen Feralpi-Muttergesellschaft in Lonato am Gardasee war man auf ihn aufmerksam geworden. Langes Pendeln kam für Perini nicht infrage. "Ich bin dann sofort nach Riesa gezogen." Sprachprobleme hatte der heute 54-Jährige ohnehin nicht - er war als Kinder italienischer Gastarbeiter in Hessen geboren worden, wo er auch noch die Schule absolvierte. Später ging dann die ganze Familie nach Italien zurück. "Insgesamt habe ich aber mehr als 40 Jahre meines Lebens in Deutschland gelebt - und fühle mich vor allem als Europäer", sagt Perini.

Wo Riesa eigentlich liegt, so ganz ohne Berge an der Elbe, wusste der damalige Assistent des Firmenchefs damals allerdings noch nicht. Dennoch brauchte er nicht lange, um sich hier heimisch zu fühlen. "Ich bin damals sehr freundlich empfangen und herzlich begrüßt worden." Und was ist mit dem Unterschied zwischen der italienischen und deutschen Mentalität? "Das spielte keine Rolle. Hier in Riesa herrschte damals eine richtige Aufbruchsstimmung."

So sah das Riesaer Stahlwerk in den 1990ern aus. Wo zu DDR-Zeiten Tausende Menschen Arbeit fanden, sind es heute immerhin wieder mehr als 700.
So sah das Riesaer Stahlwerk in den 1990ern aus. Wo zu DDR-Zeiten Tausende Menschen Arbeit fanden, sind es heute immerhin wieder mehr als 700. © SZ-Archiv

Die Stahlwerker hätten gewusst, dass die Italiener vor Ort was Großes planen würden. Das einstige DDR-Stahlwerk war geschlossen, schon länger hatte man erfolglos nach Investoren gesucht - bis man auch bei Feralpi in Italien nachfragte.

"Man muss aber wissen, dass wir nicht einfach ein altes Stahlwerk weiterführten, sondern in Riesa ein komplett neues Stahlwerk gebaut haben", sagt Perini. Beeindruckend: Die Leute vor Ort hätten gemeinsam was erreichen wollen und auch gemeinsam angepackt. "Wir haben uns schnell gut verstanden, es waren ja alles Stahlwerker."

Anfangs waren noch etliche Italiener vor Ort, um beim Neuaufbau zu helfen. Darauf hätte seinerzeit auch die Kantine eingehen und mehr italienische Gerichte auf den Speiseplan nehmen müssen. "Aber der Plan war immer, dass es die Leute aus der Region das Stahlwerk aufbauen." So gingen die meisten Italiener später zurück - aber bis heute gäbe es einen regelmäßigen Austausch bei Feralpi. "Wir sind ein europäisch geprägtes Unternehmen."

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Auch Pietro Perini selbst reist noch recht regelmäßig nach Italien, meist im Sommer für einige Wochen. "Meine Eltern und Geschwister leben nicht weit vom Gardasee, wo auch Feralpi seinen Sitz hat." Heimisch dagegen ist der verheiratete Vater zweier Kinder längst in Riesa. Hier ist er heute für den Schrotteinkauf verantwortlich - Schrott ist der Rohstoff, aus dem bei Feralpi jährlich rund eine Million Tonnen Baustahl hergestellt wird.

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