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"Es braucht weitere Technologiesprünge"

Aus Sachsen soll künftig klima-neutraler Stahl kommen. Kann das funktionieren? Nachgefragt beim Feralpi-Werksdirektor.

Christian Dohr ist seit diesem Jahr Werksdirektor bei Feralpi Stahl in Riesa. Das Unternehmen war jetzt beim Stahlgipfel des Wirtschaftsministeriums dabei.
Christian Dohr ist seit diesem Jahr Werksdirektor bei Feralpi Stahl in Riesa. Das Unternehmen war jetzt beim Stahlgipfel des Wirtschaftsministeriums dabei. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Freistaat will zu einem Standort klima-neutraler Stahlproduktion werden. Kann das klappen? Sächsische.de hat bei Christian Dohr, dem Werksdirektor (CEO) von Feralpi Stahl in Riesa, nachgefragt.

Herr Dohr, eine CO2-ärmere oder -neutrale Stahlerzeugung: Kann das aus Sicht von Feralpi wirtschaftlich überhaupt funktionieren?

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Elektrostahlwerke stellen eine sehr effiziente Art der Stahlerzeugung dar. Unser Prozess startet ja bereits mit dem Metall (Schrott), das aufgeschmolzen und zu Baustahl veredelt wird. Mit weiteren Prozessverbesserungen und dem verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien arbeiten wir an der Reduktion des CO2-Ausstoßes.

Was muss dafür aus Ihrer Sicht gegeben sein?

Der Wandel gelingt nur gemeinsam, d. h. wir müssen im Verbund innerhalb Europas und darüber hinaus agieren. Wettbewerbsfähige Stromkosten sind ein Muss. Wir investieren regelmäßig in Prozessverbesserungen und neue Technologien. Wir müssen verhindern, dass die Produktion unseres Materials in Länder/Regionen abwandert, die geringere Standards haben – in der Fachsprache nennt man das Carbon Leakage (Kohlenstoffleckage, Anm. d. Red.).

Wie viel CO2 haben Sie denn im Riesaer Werk mit ihren aktuellen Maßnahmen schon eingespart? Da gab es doch etwa die Dampftrasse in Kooperation mit den Stadtwerken ...

Wir haben unsere CO2-Emissionen seit 2011 um circa 33.000 Tonnen pro Jahr gesenkt.

Ist da noch Luft nach oben?

Wir arbeiten ständig an einer weiteren Verbesserung unserer Effizienz. Weniger Energieeinsatz in der Stahlerzeugung führt sofort zu geringerem CO2-Ausstoß. Der überwiegende Teil der CO2-Emissionen, die wir unserem Prozess zurechnen, stammt aus der Stromerzeugung. Hier hat die Bundesregierung die Weichen gestellt. Es bedarf aber noch erheblicher Investitionen in die Energieerzeugung und die Netze, um zukünftige Ziele zu erreichen.

Wie viel Strom verbraucht Feralpi Stahl derzeit eigentlich an einem Produktionstag?

Etwa 1,5 Millionen Kilowattstunden. (Anmerkung der Redaktion: Das ist laut Stadtwerken Riesa etwa viereinhalb mal so viel, wie alle anderen Stromnetzkunden in Riesa zusammen verbrauchen.)

Wie wichtig ist es dabei, dass sie als Großverbraucher reduzierte Kilowattpreise zahlen?

Wettbewerbsfähige Strompreise sind überlebenswichtig für unser Unternehmen und für viele weitere Industrien in Deutschland.

Halten Sie es tatsächlich für denkbar, dass der von Ihnen benötigte Strom in absehbarer Zeit zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen kommt? Das scheint technologisch sehr ambitioniert …

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In Deutschland werden jährlich 244 Milliarden Kilowattstunden aus erneuerbaren Energien erzeugt. Das ist das 400fache des Verbrauches der ESF, aber wir sind als Verbraucher natürlich nicht alleine. Daher haben Sie recht, dass es hier besondere Anstrengungen braucht. Ich denke, dass neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien auch die technische Weiterentwicklung eine große Rolle spielen wird. Die Photovoltaik-Technologie z. B. hat sich in den letzten zehn Jahren rapide entwickelt. Die Stromerzeugung aus Solaranlagen hat sich in dieser Zeit um den Faktor 15 vergrößert. Hier hat die technologische Weiterentwicklung der Zellen und der Preisverfall die Verbreitung enorm beschleunigt. Zur Erreichung der Klimaziele wird es noch weitere Technologiesprünge dieser Art in Zukunft brauchen.

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