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Keine "Riesaer" mehr im Kaufland-Regal

Kaufland nimmt die Produkte der Teigwaren Riesa aus dem Sortiment. Für den Nudelhersteller ist es ein herber Schlag, sagt der Geschäftsführer.

Keine Riesaer Nudeln mehr bei Kaufland: Das Unternehmen hat nahezu alle Produkte des sächsischen Herstellers aus dem Sortiment genommen.
Keine Riesaer Nudeln mehr bei Kaufland: Das Unternehmen hat nahezu alle Produkte des sächsischen Herstellers aus dem Sortiment genommen. © Fotos: Sebastian Schultz/ Montage: SZ

Riesa. Nudeln aus Riesa genießen Kultstatus in der Region und haben die Stadt auch über die neuen Bundesländer hinaus bekannt gemacht. Die Handelskette Edeka wirbt mit der Riesaer Nudel als regionalem Lebensmittel - mittlerweile stammen die Zutaten nach Aussagen des Unternehmens zu 100 Prozent aus der Region, bei einer Ökotest-Untersuchung schnitten die Spaghetti erst Anfang des Jahres mit der Note Sehr gut ab. Eigentlich gute Vorzeichen angesichts des Trends, lokale Lebensmittel einzukaufen.

Wer in diesen Tagen allerdings bei Kaufland nach den lokal produzierten Nudeln sucht, dürfte schnell ernüchtert sein. Wo noch vor einigen Wochen die Produkte der Teigwaren Riesa nebeneinander lagen, klafft nun ein Loch im Regal - selbst im Riesaer Kaufland. Momentan liegen dort nur noch Restbestände der Marke "Joker", ebenfalls ein Teigwaren-Produkt aus Riesa. Die Regalzeile darüber ist komplett abgebaut.

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"Es geht gar nicht (...), schon gar nicht in Sachsen", beschwert sich eine anonyme Kommentatorin auf dem Internetportal Reklamation24 über die fehlende Nudelmarke. "Es ist ein Produkt, mit dem wir aufgewachsen sind und hinter dem wir stehen." Sie sei nicht die einzige, die die Nudeln aus Riesa vermisst, das habe der Einkauf gezeigt.

Monatelang hatte der Nudelhersteller aus dem Landkreis Meißen gut zu tun, die Nachfrage aufgrund von Hamsterkäufen zu befriedigen. Dass es jetzt aber keine Riesaer Nudeln bei Kaufland gibt, hat einen anderen Grund: Das Unternehmen wird künftig nicht mehr von den Teigwaren Riesa beliefert, wie eine Kaufland-Sprecherin bestätigt: Derzeit führe man lediglich Restbestände. "Trotz intensiver Bemühungen konnten wir bisher keine gemeinsame Basis für eine aktuelle Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Teigwaren Riesa finden."

Teigwaren-Geschäftsführer Mike Hennig im Restaurant des Nudelcenters an der Merzdorfer Straße in Riesa.
Teigwaren-Geschäftsführer Mike Hennig im Restaurant des Nudelcenters an der Merzdorfer Straße in Riesa. © Sebastian Schultz

Hintergrund der Entscheidung: Die Teigwaren und Kaufland hatten sich bei den Jahresgesprächen nicht auf einen Preis einigen können. Weil in den vergangenen Jahren die Preise für Rohware, für Kraftstoff und für Energie rasant gestiegen seien, sei man zu Anpassungen gezwungen gewesen, erklärt Teigwaren-Geschäftsführer Mike Hennig. "Mit allen anderen konnten wir uns einigen." Bei Kaufland sei das leider nicht möglich gewesen.

Handelsketten kämpfen mit harten Bandagen

Ihm sei nicht bekannt, dass der Riesaer Nudelhersteller sich schon einmal in so einer Lage befunden habe, sagt Mike Hennig. Man müsse allerdings auch sehen, dass Nudelprodukte in den vergangenen Jahren im Verkaufspreis sehr konstant geblieben seien. "Wobei wir als Hersteller nicht befugt sind, einen Regalpreis festzulegen", betont er.

Es ist kein völlig neuer Vorgang, dass ein großer Lebensmitteleinzelhändler die Lieferbeziehungen zu einem Kunden mindestens vorläufig einstellt, nachdem man sich nicht auf neue Preise einigen kann. In der Regel geht es dabei um Geld. Wird um neue Preise verhandelt, dann ist die Auslistung das letzte Eskalationsmittel, schrieb Anfang 2019 die Stuttgarter Zeitung. Schon damals hatte Kaufland für Schlagzeilen gesorgt. Ende 2018 hatte sich die Supermarktkette nach monatelang erfolglosen Verhandlungen mit Unilever angelegt. Mehr als 50.000 Artikel verschwanden aus dem Sortiment, darunter die Marken Knorr, Lipton, Duschdas und Domestos. Am Ende hatten beide Seiten Umsatzeinbußen zu verzeichnen; im März 2020 einigte man sich.

Kaufland, das wie der Discounter Lidl zur Schwarz-Gruppe gehört, ist mit solchen harten Verhandlungstaktiken aber nicht alleine. Edeka ging in der Vergangenheit beispielsweise ähnlich vor, wenn Preisverhandlungen ins Stocken gerieten. Im Herbst 2020 traf es beispielsweise Haribo. Damals erklärten Aufsteller in den Regallücken den Kunden die Gründe. Rewe wiederum nahm vor gut einem Jahr Barilla-Nudeln aus dem Sortiment. Gefeilscht wird in den Preisverhandlungen oft um Centbeträge - die sich am Ende freilich aufsummieren. Gerade kleine Lieferanten sind dabei meist in einer relativ schwachen Position.

Folgen für die Teigwaren sind nicht absehbar

Welche wirtschaftlichen Folgen sich aus dem Wegfall von Kaufland als Teigwaren-Kunde ergeben, ist noch unklar. Kaufland habe für die Teigwaren Riesa eine relativ bedeutende Rolle, so Hennig. Er spricht von einem herben Schlag für sein Unternehmen. "Welche Folgen und Entscheidungen das nach sich zieht, können wir noch nicht absehen." Eine Einigung mit Kaufland sei allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar.

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Freuen könnte sich womöglich die Konkurrenz: Nahezu alle weiteren Supermärkte und Discounter haben mehrere Sorten der Teigwaren Riesa im Sortiment - auch der zur gleichen Gruppe gehörende Lidl. Im Nudelkontor, dem Werkverkauf der Teigwaren an der Merzdorfer Straße, gibt es das regionale Produkt sowieso.

Die anonyme Kommentatorin auf dem Portal im Internet vertritt indes eine klare Forderung: "Bitte fix die Nudeln wieder in das Sortiment", schreibt sie am Ende ihrer Beschwerde.

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