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Riesaer Solarpark meistert Hürde

Die Stadtwerke wollen an der Rostocker Straße den früheren Kohlehandel nutzen. Jetzt kam dafür ein wichtiger Brief aus Bonn.

Stadtwerke-Chef René Röthig (r.) zeigt den Aufsichtsräten das Areal des geplanten Solarparks an der Rostocker Straße (v.l.n.r.): Andreas Näther, Jürgen Gläsel, Thomas Gallitzdorfer, Marco Müller, Roland Günther, Joachim Wittenbecher, Jens Zoppa.
Stadtwerke-Chef René Röthig (r.) zeigt den Aufsichtsräten das Areal des geplanten Solarparks an der Rostocker Straße (v.l.n.r.): Andreas Näther, Jürgen Gläsel, Thomas Gallitzdorfer, Marco Müller, Roland Günther, Joachim Wittenbecher, Jens Zoppa. © Stadtwerke Riesa

Riesa. Ein gutes Zeichen? Jedenfalls schien die Sonne, als Stadtwerke-Chef René Röthig jetzt mit den Mitgliedern seines Aufsichtsrats das Areal an der Rostocker Straße inspizierte. Dort plant das stadteigene Unternehmen seine nächste große Investition: Aus dem früheren Kohlehandel soll ein Solarpark werden.

Die fast sieben Hektar große Fläche ist der mit Abstand größte Solarpark, der derzeit in Riesa geplant wird. Parallel arbeiten zwei private Unternehmen daran, an der Lommatzscher Straße auf dem alten Aropharm-Gelände und in Gröba am Wasserweg Photovoltaik-Anlagen zu errichten (SZ berichtete).

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Beim Projekt an der Rostocker Straße haben die Stadtwerke jetzt einen wichtigen Schritt gemeistert: Jüngst ging ein Förderbescheid aus Bonn in Riesa ein - womit die Stadt auch bei der zweiten bundesweiten Ausschreibung erfolgreich war. "Damit ist die Förderung der gesamten Photovoltaik-Kraftwerksleistung, die wir auf dem Gelände installieren wollen, gesichert“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer René Röthig. Bereits im Dezember 2020 war es der Stadtwerke-Tochter EGR gelungen, sich bei der ersten Ausschreibung der zukünftigen elektrischen Leistung im Förderverfahren durchzusetzen - nun auch in der zweiten Stufe.

So sah der frühere Kohlehandel aus, als die Stadtwerke Riesa ihn 2020 übernahmen.
So sah der frühere Kohlehandel aus, als die Stadtwerke Riesa ihn 2020 übernahmen. © Stadtwerke Riesa

Der Aufsichtsrat des Stadtwerke-Konzerns, in dem neben OB Marco Müller (CDU) Stadträte aus verschiedenen Fraktionen sitzen, hatte 2019 gemeinsam mit der Geschäftsführung beschlossen, bei der Energieerzeugung auf neue Technologien zu setzen. Bislang erzeugt das Unternehmen in mehreren Heizkraftwerken Strom vor allem aus Erdgas.

Allerdings bringt die Politik mittlerweile mit Fördergeld einerseits und teuren Auflagen andererseits die Wirtschaft dazu, beim Thema Energie umzusteuern. Man habe die Rahmenbedingungen der Klima-, Umwelt-, Wirtschafts- und Energiepolitik analysiert, bewertet und daraus eine Strategie abgeleitet, sagt der Stadtwerke-Chef. "Und so sollen die fünf bestehenden, hocheffizienten Heizkraftwerke der SWR bald von einem Photovoltaik-Kraftwerk unterstützt werden."

Das Stadtwerke-Strategiekonzept habe den Aufsichtsrat überzeugt, sagt Aufsichtsrats-Chef Marco Müller (CDU). Es nehme die absehbaren Entwicklungen in Bezug auf Klimaschutz und CO2-Minimierung konkret auf und könne gleichzeitig den Stadtwerken einen wirtschaftlichen Vorteil im Vergleich zu den Wettbewerbern bieten. "Und was wirtschaftlich starke Stadtwerke für die Menschen unserer Stadt neben marktfähigen Energiepreisen noch alles leisten, davon profitieren nicht nur die vielen Mitglieder der geförderten Vereine, sondern auch alle Besucher der Schwimmhalle seit vielen Jahren", sagt Müller. Davon hätten die Bürger was - aber auch das Unternehmen selbst.

Offenbar sind nicht alle von dem Vorhaben begeistert: Die Hinweise, Anregungen und Bedenken, die man herangetragen bekomme, nehme man bei den Stadtwerken ernst, teilt das Unternehmen mit. Man bemühe sich, einen ausgewogenen Ausgleich der Interessen zu erreichen. "Natürlich beherrschen auch wir nicht die Kunst, es jedem recht zu machen", so das Unternehmen.

Ein Riesaer hatte etwa öffentlich moniert, dass innerstädtische Brachen zu schade für Photovoltaikanlagen seien - und besser für Gewerbe- oder Wohnnutzung geeignet wären.

Man habe sich die Suche nach einem Areal nicht leicht gemacht, heißt es von den Stadtwerken. "Ein geeignetes Grundstück zu finden, klingt leichter als es ist", sagt Stadtwerke-Chef René Röthig. Vieles müsse passen: "Die Größe, der Untergrund, die Nutzungszulässigkeit, die Verschattungssituation, die Stromnetz-Anbinde-Situation, die Fördervoraussetzungen und vieles mehr müssen dem geplanten Zweck zuträglich sein. Und natürlich muss der Eigentümer der potentiellen Fläche auch Lust haben, mit uns ins Geschäft zu kommen." Man sei zuvor bereits an einigen Objekten dran gewesen - zunächst nicht mit dem gewünschten Ergebnis.

Hier wird gerade das einstige Kohlelager abgebrochen. Nächstes Jahr soll an dieser Stelle Solarstrom erzeugt werden.
Hier wird gerade das einstige Kohlelager abgebrochen. Nächstes Jahr soll an dieser Stelle Solarstrom erzeugt werden. © Stadtwerke Riesa

Im Frühjahr 2020 sei es den Stadtwerken gelungen, mit dem einstigen Kohlehandel an der Rostocker Straße eine geeignete Fläche zu finden und nach komplexen Verhandlungen zu erwerben.

Bei dem Projekt spielt auch die Stadtwerke-Tochter Energiegesellschaft Riesa (EGR) eine wichtige Rolle: Während die Stadtwerke selbst das Grundstück an der Rostocker Straße gekauft hat und zur Verfügung stellt, übernimmt die EGR die Anlageninvestition und schließt sie dann an das Stromnetz der Stadtwerke Riesa an.

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Seitdem werde parallel an Planungs- und Genehmigungsverfahren gearbeitet, die Fläche beräumt und für die zukünftige Nutzung vorbereitet. Anschließend werde die eigentliche Kraftwerksanlage ausgeschrieben. Parallel würde man jetzt die großen Gas- und Wasserleitungen, die das Grundstück queren, erneuern. Derzeit geht man davon aus, den Solarpark 2022 in Betrieb nehmen zu können. (SZ)

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