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Neways: Betriebsrat hat noch Hoffnung

Der Konzern will Personal sparen, die meisten Stellen fallen in Riesa weg. Worum es den Arbeitnehmervertretern jetzt geht.

Wie lange ist Neways noch Riesas größter Arbeitgeber? Das Unternehmen plant, fast ein Viertel seiner Stellen abzubauen.
Wie lange ist Neways noch Riesas größter Arbeitgeber? Das Unternehmen plant, fast ein Viertel seiner Stellen abzubauen. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Neways Electronics will 250 Stellen abbauen, die meisten davon in Deutschland: Diese Nachricht machte am Donnerstag die Runde. Mittlerweile wird deutlich, dass der Standort in Riesa von den Einsparmaßnahmen besonders hart getroffen werden könnte. Das bestätigt eine Stellungnahme des Neways-Betriebsrats vom Freitag.

"Der Arbeitgeber hat im dritten Quartal des Jahres 2020 in einer Mitarbeiterversammlung den Betriebsrat sowie die gesamte Belegschaft darüber informiert, dass er vorhabe, 190 Vollzeitstellen in Riesa abzubauen", heißt es in dem Schreiben, das Betriebsratschef Hartmut Radisch abschickte. "Der Betriebsrat war und ist von diesem Vorhaben sehr betroffen und hat sich zum Ziel gesetzt, den gesetzlichen Verhandlungsspielraum in vollem Maß auszuschöpfen."

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Vermindern des Stellenabbaus als Ziel

Offenbar hat der Betriebsrat in diesem Zusammenhang auch noch die Hoffnung, dass am Ende doch mehr Stellen erhalten bleiben können als derzeit geplant. Nachdem der Stellenabbau kommuniziert wurde, habe man bereits Verhandlungen zu einem Interessenausgleich und einem Sozialplan aufgenommen, so Radisch. "Im Focus des Betriebsrats stehen dabei das Vermindern des geplanten Stellenabbaus in seinem Volumen und die Sozialverträglichkeit aller geplanten Maßnahmen. Dabei hat der Betriebsrat auch seinen Blick auf die Standorterhaltung und die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft gerichtet." Man gehe im Rahmen der Verhandlungen davon aus, " dass dem Arbeitgeber die sozialen Komponenten ebenso wichtig sind, wie die wirtschaftliche Lage des Unternehmens".

Der Betriebsrat habe Neways bereits "diverse soziale Vorschläge zur geplanten Betriebsänderung unterbreitet", führt Radisch weiter aus. Konkretere Fakten und Details könne er aufgrund der Verschwiegenheitspflicht und des noch offenen Verhandlungsverlaufs nicht nennen. Eine SZ-Nachfrage zum geplanten Stellenabbau in Riesa an den Neways-Konzern blieb bis Freitag zunächst unbeantwortet; voraussichtlich will sich der Konzern in den nächsten Tagen näher äußern.

Begründet hatte Neways die jetzt eingeleiteten Sparmaßnahmen unter anderem mit der schwächelnden Nachfrage im Automobilsektor sowie den Folgen der Corona-Krise. Bereits im Frühjahr hatte der Elektronikspezialist in Riesa Kurzarbeit angemeldet. Erste Gerüchte über Entlassungen am Riesaer Standort gab es bereits im Sommer.

Branche schon vor Corona schwer getroffen

Aus Sicht der Industrie- und Handelskammer Dresden ist die Nachricht aus Riesa traurig; überraschend sei sie aber nicht, sagt Sprecher Lars Fiehler. Neways sei "Vertreter einer Branche, die sich bereits vor Corona mitten im Strukturwandel vom Verbrenner hin zur Elektromobilität befand." Schon seit 2018 seien die Zulassungszahlen für Autos zurückgegangen, parallel brachen wegen der Handelsstreitigkeiten zwischen der EU und den USA auch große Teile der Exporte ein. "In China wiederum, einem ähnlich wichtigen Absatzmarkt, wurden mit massiven staatlichen Subventionen Elektroautomobile bezuschusst und hochmotorisierte Verbrenner verteuert."

Das habe sich auf die Autoindustrie ausgewirkt - und damit auch auf sämtliche Zulieferer. "Für Sachsen sind das alles keine guten Entwicklungen. Immerhin arbeiten im Freistaat nicht nur rund 100.000 Beschäftigte in der Fahrzeugbranche, auf sie entfällt auch mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes der sächsischen Industrie." Mit der Corona-Krise wiederum sei vor allem im Ausland die Kaufkraft noch deutlicher zurückgegangen.

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Bislang hielten sich im Kammerbezirk der IHK Dresden größere Kündigungswellen aber in Grenzen. "Dass wir bislang weder am Arbeitsmarkt noch bei den Insolvenzen große Ausschläge sehen, hängt zweifelsohne mit den Kurzarbeitergeldregelungen zusammen", sagt Fiehler. Außerdem wüssten viele Betriebe, wie schwer gutes Personal zu finden sei - und versuchten daher, dieses so lange wie möglich zu halten. "Bei den Gewerbetreibenden wiederum versucht man, mit umfangreichen Unterstützungsleistungen Schlimmeres zu verhindern. Außerdem gilt immer noch die Aussetzung der Insolvenzanzeigepflicht. Kommt diese wieder, kann es Nachholeffekte geben, wobei man immer bedenken muss, dass nicht jede Geschäftsaufgabe mit einer Insolvenz einhergehen muss, man kann das Gewerbe auch einfach abmelden."

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