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Riesa: Fast so wenig Arbeitslose wie vor Corona

Während sich die vierte Pandemie-Welle ankündigt, hat sich der Arbeitsmarkt im Kreis Meißen erstaunlich gut erholt.

Thomas Stamm ist Chef der Arbeitsagentur Riesa, die für den kompletten Landkreis Meißen zuständig ist. Derzeit hat er guten Grund, optimistisch zu sein.
Thomas Stamm ist Chef der Arbeitsagentur Riesa, die für den kompletten Landkreis Meißen zuständig ist. Derzeit hat er guten Grund, optimistisch zu sein. © KDB

Riesa. Corona liegt hinter uns: Dieser Eindruck drängt sich zumindest bei einem Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Kreis Meißen auf. "Da haben wir fast das Niveau von vor der Krise erreicht", sagt Thomas Stamm, Chef der Arbeitsagentur Riesa. Gut 6.300 Arbeitslose verzeichnet die Statistik aktuell. So wenig waren es zuletzt im Herbst 2019 - vor Corona. "Das Jahr 2021 entwickelt sich aus unserer Sicht um einiges positiver als 2020", sagt der Agenturchef. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote im Kreis Meißen bei 5,1 Prozent. Vor einem Jahr, im September 2020, waren es noch 5,8 Prozent: Das bedeutete rund 1.000 Arbeitslose mehr als jetzt.

Dann kam noch einmal der Winter, in dem die Arbeitslosigkeit abermals etwas anstieg. "Aber seit Februar geht die Arbeitslosigkeit bei uns kontinuierlich zurück", sagt Stamm.

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2020 hatte die Folgen der Corona-Pandemie die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Meißen deutlich steigen lassen - aber jetzt ist der Wert schon fast wieder auf Vor-Krisen-Niveau.
2020 hatte die Folgen der Corona-Pandemie die Zahl der Arbeitslosen im Kreis Meißen deutlich steigen lassen - aber jetzt ist der Wert schon fast wieder auf Vor-Krisen-Niveau. © Eric Weser

Das merkt man auch bei den freien Stellen: Wer im Kreis Meißen einen Job sucht, hat die Auswahl. 2.600 freie Stellen sind am ersten Arbeitsmarkt gemeldet, ein Plus von fast 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. "Wir haben jetzt ein sehr gutes Angebot an Stellen", sagt der Agenturchef. Das verarbeitende Gewerbe, Zeitarbeitsfirmen, die Gesundheitsbranche: Alle suchen Mitarbeiter. "Mittlerweile auch das Gastgewerbe wieder." Es sei eine richtige Dynamik zu spüren. Und der Kreis Meißen zeichne sich durch eine gute Mischung an Branchen aus - von der Industrie über kleine Unternehmen bis hin zu Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen.

Kein Vergleich mehr zum Frühjahr 2020, als Corona über den Landkreis gekommen war und die Firmen extrem zögerlich mit Neueinstellungen waren.

Damals war dafür der Bedarf an Kurzarbeit förmlich explodiert: Die Unternehmen im Landkreis hatten nach Ausbruch der Pandemie im März 2020 für fast 30.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angezeigt. Das war rechnerisch fast jede dritte sozialversicherungspflichtige Stelle insgesamt im Landkreis! Tatsächlich gingen nicht ganz so viele Menschen in Kurzarbeit - in der Hochphase waren es rund 14.000, wobei die Branchen Gastronomie, Einzelhandel, Maschinenbau vorn standen.

Warum Maschinenbau? "In manchen Branchen macht sich jetzt die Zulieferproblematik bemerkbar", sagt Thomas Stamm. "Da haben Firmen zwar genug Aufträge - aber es fehlt am Material." Da hoffe man, dass sich die Märkte beruhigen. Jedenfalls war die Kurzarbeit schon in der zweiten Corona-Welle, im Winter 2020/21, merklich geringer ausgefallen als am Anfang. Aktuelle Zahlen liegen bis zum Frühjahr vor - sie zeigen, dass weniger Kurzarbeit in Anspruch genommen wird.

Fest steht, dass Berufsanfänger längst wieder in einer vergleichsweise komfortablen Situation sind: Während die Zahl der Bewerber im Vergleich zum Vorjahr zurückging, stieg die Zahl der offenen Ausbildungsstellen im Kreis Meißen. "Rein rechnerisch gibt es für jeden Bewerber auch eine Stelle", sagt der Agenturchef. Natürlich passe nicht immer der Wunschberuf und die freie Stelle zusammen, auch räumlich nicht unbedingt. Beim Thema Ausbildung könne man wieder sehr zufrieden sein, sagt Stamm. "Die Betriebe sind bereit, auszubilden - weil sie wissen, dass ihnen sonst in zwei, drei Jahren die Fachkräfte fehlen."

Und Arbeitgeber würden auch Kompromisse eingehen, falls Bewerber nicht alle Anforderungen zu 100 Prozent erfüllen. Da stehe die Arbeitsagentur auch mit ausbildungsbegleitenden Hilfen bereit: Wer als Lehrling etwa in der Berufsschule beim Thema Mathe nicht ganz mitkomme, könne über seinen Berufsberater auch eine Art Nachhilfe bei einem einem Bildungsträger beantragen. Das gilt auch, wenn es bei Zugewanderten bei der beruflichen Fachsprache hapert.

Die Arbeitsagentur an der Riesaer Breitscheidstraße ist nun auch wieder für persönliche Besuche geöffnet.
Die Arbeitsagentur an der Riesaer Breitscheidstraße ist nun auch wieder für persönliche Besuche geöffnet. © Sebastian Schultz

Vor dem Ausbildungsbeginn steht allerdings die Berufswahl: Und das Thema Berufsorientierung hatte in den vergangenen anderthalb Jahren unter den Corona-Beschränkungen massiv gelitten. Ob Messen, Praktika, Firmenbesuche in Schulen: Viel fiel der Pandemie zum Opfer. "Umso froher sind wir, dass am Sonnabend die Ausbildungsbörse im BSZ Riesa wieder stattfinden kann", sagt Thomas Stamm. Auch die hatte 2020 ausfallen müssen, nun habe man die Messe mit großem Aufwand und Hygienekonzept wieder auf die Beine gestellt. "Ein echter Lichtblick." Online-Angebote würden auch helfen, sagt Agentursprecherin Berit Kasten. "Aber echte Präsenzgespräche sind nicht zu ersetzen, wenn man sich gegenseitig kennenlernen will."

Die Ausbildungsbörse "Level up" findet am Sonnabend, 2. Oktober 2021, von 9.30 bis 14 Uhr im BSZ Riesa statt, Paul-Greifzu-Straße 51. Mehr als 50 Unternehmen werden erwartet; Besucher müssen sich zuvor allerdings online anmelden: focus-future.net/ Es sind auch noch Tickets zu Beginn der Veranstaltung vor Ort verfügbar.

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