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Riesas Einzelhandel hofft aufs Wochenende

Für die Weihnachtseinkäufe bleiben nur noch wenige Tage Zeit. Das spüren auch die Händler. Der größere Andrang ist aber ein schwacher Trost.

Viel los auf der Einkaufsmeile: Die Hauptstraße war in den vergangenen Tagen gut besucht.
Viel los auf der Einkaufsmeile: Die Hauptstraße war in den vergangenen Tagen gut besucht. © KDB

Riesa. Beim Blick in die Buchhandlung winkt der Mann erst einmal ab. "Komm, wir gehen auf dem Rückweg noch mal - hier ist Full House", sagt er zu seiner Frau, ehe das Paar samt Kind in Richtung Elbgalerie schlendert und dort sein Glück versucht. Es ist Donnerstagnachmittag, kurz nach 15 Uhr - und die Innenstadt spürbar gut gefüllt. Ab Montag soll ein großer Teil der Geschäfte schließen. Wer kann, macht sich jetzt noch auf den Weg, um Geschenke für das Weihnachtsfest zu kaufen. Bei Thalia jedenfalls bildet sich schon am frühen Nachmittag eine längere Schlange an der Kasse.

In der Elbgalerie ist das nicht viel anders - aber auf einem erträglichen Niveau. "Wir lassen auch nach wie vor nur knapp über 800 Leute rein", sagt Centermanager Andree Schittko. Es gebe ab und an geringfügige Wartezeiten an der Parkhaus-Einfahrt - aber nicht, weil der Parkplatz voll wäre, sondern weil das Lösen der Tickets eben einen Moment dauert. Der Centermanager rechnet damit, dass der richtige Ansturm erst am Sonnabend losgeht. "Ich hoffe doch, dass dann die letzten Angstkäufer kommen", sagt er und lacht. Das sei erfahrungsgemäß auch Heiligabend der Fall.

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Notebook und Smartphone sind gefragt

Ein paar Stunden früher im Stadtteil Weida. Auf dem Riesapark-Parkplatz ist sicher mehr los als an einem durchschnittlichen Donnerstagmittag. Übervoll ist er aber nicht. Auch in den Gängen des Einkaufszentrums lassen sich die Abstände problemlos einhalten. Der erste große Ansturm ist allerdings auch schon durch, sagt die Verkäuferin in einem der Modegeschäfte. An den vergangenen Nachmittagen sei besonders viel los gewesen. Um 11.30 Uhr steht dagegen nur bei Rossmann eine Schlange.

Auch im Medimax verteilt sich die Kundschaft. Die meisten stehen in der Handyabteilung und bei den Fernsehern. Daneben sind zurzeit vor allem Notebooks gefragt: Schon im August berichtete das Handelsblatt, dass die Hersteller kaum mit der Produktion nachkommen. Das hat sich seither auch nicht grundlegend geändert. Auch der Elektronikhändler im Riesapark ist jetzt spürbar stärker frequentiert - und hatte sich darauf schon mit mehr Personal eingestellt. An der Leistungsgrenze ist er aber nicht, es musste noch niemand abgewiesen werden, weil die maximal zulässige Zahl an Kunden im Geschäft erreicht ist.

Eine Kundin in der Elbgalerie. Gut besucht war das Einkaufszentrum laut Centermanager Andree Schittko. An die Obergrenze von etwa 800 Kunden sei man in den vergangenen Tagen aber nicht herangekommen.
Eine Kundin in der Elbgalerie. Gut besucht war das Einkaufszentrum laut Centermanager Andree Schittko. An die Obergrenze von etwa 800 Kunden sei man in den vergangenen Tagen aber nicht herangekommen. © KDB

Ähnlich sah es die vergangenen Tage über auch auf dem Riesaer Boulevard aus. "Wir haben keinen Ansturm, ich habe auch noch nirgendwo Schlangen vor den Geschäften gesehen", sagt Claudia Mückel-Branig von der Werbegemeinschaft Innenstadt (WIR). "Aber es ist seit Dienstagnachmittag doch spürbar mehr geworden." Die Werbegemeinschaft hatte zügig auf die Nachricht von den drohenden Schließungen reagiert - und die Lichtermeile in der Innenstadt auf Sonnabend, 12. Dezember, vorverlegt. "Die war eigentlich für den 18. Dezember geplant", sagt Mückel-Branig. Die Geschäfte haben dann noch einmal länger auf, bis 18 Uhr - eher untypisch für die Riesaer Innenstadt. "Zwingen können wir niemanden. Aber ich denke, der Großteil der Händler wird sich beteiligen." Schließlich ist der Sonnabend auch der letzte Tag, bis die Geschäfte wieder für längere Zeit schließen müssen.

Der Illusion, in den nächsten Tagen das Vorweihnachtsgeschäft wettmachen zu können, gibt sich keiner der Händler hin. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hatte bereits am Mittwoch gemahnt, den Handel nicht im Regen stehen zu lassen. Denn das Angebot staatlicher Hilfen, wie es etwa an die Gastronomie gemacht wurde, kann dieser Wirtschaftszweig offenbar bislang nicht in Anspruch nehmen. Daneben weist IHK-Sprecher Lars Fiehler darauf hin, dass die angekündigten Schließungen "sicher nicht förderlich in Sachen Kontaktminimierung" seien - schließlich steige jetzt das Kundenaufkommen.

Auch der Onlinehandel hat Probleme

Ein Profiteur sei sicher auch der Onlinehandel. Aber hier müsse man einschränken, sagt Lars Fiehler. "Die erforderlichen Logistikketten sind schon jetzt bei vielen Anbietern angespannt, es fehlt an technischen und vor allem personellen Kapazitäten." Unter anderem gebe es nicht genug Fahrer. Entsprechend steigen die Lieferzeiten. Steigt jetzt noch das Bestellaufkommen, werde wohl manche Ware erst nach Weihnachten bei den Kunden ankommen, vermutet der IHK-Sprecher. "Hinzu kommt, dass es auch beim Warennachschub hakt – natürlich auch hier abhängig von den Produkten. Die derzeit aus China auf den Weg nach Europa fahrenden Containerschiffe sind randvoll, da viele Anbieter aus Kontinentaleuropa und dem amerikanischen Raum aus unterschiedlichsten Gründen Lieferschwierigkeiten haben."

Welche wirtschaftlichen Folgen die neuen Maßnahmen ganz konkret haben werden, das ist noch offen. Fest steht aber, dass viele Händler in den Wochen vor Weihnachten einen großen Teil ihres Jahresumsatzes machen. So wie etwa der Schreibwaren- und Bastelladen im Riesapark. Schon das Ostergeschäft sei durch die Maßnahmen weggefallen, sagt eine Verkäuferin. Nun sei Weihnachten betroffen. "Normalerweise kommen die Leute erst in der Woche vor Heiligabend her und kaufen Geschenkpapier und -tüten." Jetzt sei alles etwas früher dran, aber Umsatzeinbußen werde es auch hier geben. "Die Woche mehr hätten wir schon gebrauchen können." Es sei aber nicht so, dass sie gegen die Maßnahmen seien, sagt ihre Kollegin. "Hätten sich alle von Anfang an an die Regeln gehalten, dann bräuchten wir jetzt nicht zumachen. Die Leute, die sich unvorsichtig verhalten haben, haben uns hierhin gebracht!"

Inwieweit die Corona-Krise und ihre Folgen auch zu Ladenschließungen führen werden, steht nach Ansicht von Claudia Mückel-Branig noch in den Sternen. "Wir haben schon im Frühjahr gesagt, dass wir das Jahr abwarten müssen." Ein Fazit werde man wohl erst im Frühjahr 2021 ziehen können. IHK-Sprecher Fiehler geht davon aus, dass mancher Händler in wirtschaftliche Schieflage geraten könnte. "In diesem eh schon schlechten Jahr hatten doch viele Händler darauf gehofft, wenigstens in der Vorweihnachtszeit und nach dem Fest ein Stück der bislang aufgelaufenen Umsatzverluste wieder ausgleichen zu können", sagt IHK-Sprecher Fiehler. "Davon kann jetzt keine Rede mehr sein, und es werden sich, sortimentsabhängig, sicher auch existenzielle Probleme auftun."

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