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"Riesa ist ein sehr interessanter Standort"

Anja Vogler leitet die Commerzbank-Filialen im Elbland. Für die Niederlassung an der Hauptstraße ist sie optimistisch.

Anja Vogler leitet die Commerzbank-Filialen im Kreis Meißen - auch die an der Riesaer Hauptstraße (Foto).
Anja Vogler leitet die Commerzbank-Filialen im Kreis Meißen - auch die an der Riesaer Hauptstraße (Foto). © Sebastian Schultz

Riesa. Von Lockdown ist an diesem Donnerstag wenig zu spüren: Immer wieder betreten Kunden mit Mundschutz die Commerzbank-Filiale am Riesaer Boulevard, holen sich Geld oder einen Kontoauszug oder kommen zu einem Termin mit einer der Mitarbeiterinnen. Das war nicht immer so: Im ersten Lockdown 2020 war die Bank nahe des Rathausplatzes zeitweise geschlossen, danach folgten lange eingeschränkte Öffnungszeiten. Die hatten aber nur bedingt mit Corona zu tun: In Riesa war eine Kollegin längerfristig ausgefallen - und wegen der Pandemie-Vorschriften durfte zwischen den Filialen kein Personal ausgetauscht werden, um für Ersatz zu sorgen.

Nun hat die Bank wieder regulär geöffnet - und jetzt die Bilanz für das Jahr 2020 in Riesa verkündet. Und die falle 2020 positiv aus, trotz der Herausforderungen durch die Corona-Pandemie. Im Fokus habe vor allem die Unterstützung der Unternehmerkunden gestanden, sagt Anja Vogler. Sie leitet den hiesigen Marktbereich der Commerzbank und damit neben der Riesaer Filiale auch die in Meißen und Radebeul. Weil manch ein Betroffener von einem Tag auf den anderen quasi vor dem Nichts stand, habe man als Commerzbank innerhalb von 48 Stunden Antragsmöglichkeiten für Kredite der Förderbank KfW zur Verfügung gestellt. "Das gab es in diesem Tempo noch nie." Bundesweit habe die Commerzbank 7,7 Milliarden KfW-Corona-Kredite bereitgestellt, in Sachsen - ohne Leipzig - waren es 68 Millionen Euro.

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Riesa-Zahlen gibt es dazu nicht, dafür aber zur Zahl der Unternehmerkunden: Die stieg im vergangenen Jahr um elf auf nun 680 Kunden an. Auch insgesamt stieg die Zahl der Kunden im Corona-Jahr - um netto 150 auf nun insgesamt 6.950 Kunden. "Das ist für so einen Standort abseits der Großstädte eine sehr gute Größe", sagt Anja Vogler. "Bei uns ist richtig Betrieb."

Dabei würde nur noch ein kleiner Teil der Kunden in die Filiale kommen, um seine Kontoauszüge abzuholen: Der Trend zur Digitalisierung sei durch Corona noch einmal beschleunigt worden. Immer mehr Kunden würden ihre Smartphones für Bankgeschäfte nutzen. "Selbst 80-jährige Herren kommen mit dem Handy in der Hand zu uns und wollen von uns gezeigt bekommen, wie sie damit ihre Bankgeschäfte abwickeln können", sagt die Bereichsleiterin. In der Region sei die Zahl der Banking-App-Nutzer um 38 Prozent gestiegen - auf mittlerweile rund 1.000 Kunden in der Region. Mittlerweile sei es bei der Commerzbank auch möglich, Wertpapiere per Smartphone zu kaufen oder zu verkaufen.

Häuser mit Garten und Balkon gefragt

Ohnehin habe der Lockdown dazu geführt, dass sich die Kunden verstärkt um ihre Geldanlagen gekümmert hätten. "Viele haben den Kurssturz im Frühjahr 2020 genutzt und Wertpapiere gekauft - davon einige zum ersten Mal", sagt Vogler. So stieg die Zahl der Wertpapiersparpläne in Riesa um mehr als acht Prozent; das Depotvolumen insgesamt erhöhte sich um gut sieben Prozent auf 24,5 Millionen Euro.

Ebenfalls deutlich bergauf ging es bei den Immobilienfinanzierungen: Unternehmer investierten in ihre Gebäude, Privatkunden investierten in Wohneigentum. "Besonders Immobilien mit Gärten und Balkonen waren 2020 gefragt", sagt Vogler. Das Neugeschäft mit Baufinanzierungen lag 2020 in Riesa bei 7,5 Millionen Euro, eine Zunahme um 42 Prozent. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, dass mehr gebaut wird - sondern auch die steigenden Baukosten.

Ein weiterer Grund hin zum Betongold: die Negativzinsen, die nun schon seit zehn Jahren die Banken beschäftigen. Dazu führe man auch in Riesa viele Gespräche mit den Kunden.

Einiges spricht für die Stadt Riesa

Beraten werden die Commerzbank-Kunden an der Hauptstraße von fünf Privatkunden-Betreuerinnen, einem Spezialisten für Baufinanzierungen und einem Unternehmensberater. An der Zahl soll sich in absehbarer Zeit auch nichts ändern. "Wir haben ein tolles, eingespieltes Team in Riesa", sagt die Marktbereichsleiterin.

Sie ist auch optimistisch, dass Riesa nicht von den Filial-Streichungsplänen betroffen ist, die die Commerzbank kürzlich verkündet hatte. So sollen von aktuell 790 Filialen bundesweit in drei Jahren nur noch 450 übrig bleiben. "Riesa ist ein sehr interessanter Standort für Banken", beruhigt Anja Vogler. Die vielen großen Unternehmen im Umfeld, viel Gewerbe und ein großer Einzugsbereich würden für die Stadt sprechen. Und tatsächlich finden sich in fußläufiger Entfernung von der Commerzbank auch die Volksbank Riesa, die Sparkasse, die Deutsche Bank, Spardabank und Targobank.

Zu Fuß müsse man aber immer seltener in die Filiale kommen: So reiche man zunehmend auch Kredite per sogenanntem Fernabsatz aus - wo der Kunde die Unterlagen zugeschickt bekommt, per Chat, Videokonferenz oder Telefon mit seinem Berater Fragen klärt und am Ende am eigenen PC die Unterlagen unterschreibt. "Gerade erst hat eine Kollegin am Rechner einen Kreditvertrag mit einer Kundin abgeschlossen, die in den Alten Bundesländern lebt."

Trotzdem lege man weiter Wert darauf, auch vor Ort für die Kunden erreichbar zu sein. "Gerade bei größeren Summen, etwa nach einem Hausverkauf, wollen die Kunden schon noch einem Berater gegenüber sitzen", sagt Vogler.

In der Nachbarstadt Oschatz ist das gerade schwieriger. Dort hatte die Commerzbank-Filiale im Zuge des Lockdown ihre Türen für Kunden geschlossen - und das ist bis heute so. Das bedeute aber nicht zwingend, dass die Filiale dauerhaft wegfalle, heißt es auf Nachfrage. "Die Kollegen dort sind noch da und arbeiten ohne direkten Kundenkontakt." Sollte etwa eine andere Filiale durch Corona-Fälle komplett ausfallen, hätte man so noch eine Notfall-Filiale in der Hinterhand. Bleibt zu hoffen, dass das im Elbland nicht nötig wird.

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  • 6.950 Privat- und Unternehmerkunden; ein Plus von 150 im Jahr 2020
  • 137 Millionen Euro Geschäftsvolumen: 40,5 Millionen Kreditvolumen, 24,5 Millionen Depotvolumen, 72 Millionen Einlagenvolumen
  • 68 Millionen Euro genehmigte Corona-Kredite in Sachsen
  • 90 Prozent der Überweisungen mittlerweile digital

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