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Riesa: Stahlwerks-Chef zieht Jahresbilanz

Feralpi will auch in Zukunft weiter in den Standort investieren. Zuvor muss aber einiges aufgeholt werden.

Blick in die Versandhalle von Feralpi in Riesa. Das Unternehmen will künftig effektiver produzieren - und plant deshalb auch eine neue Halle.
Blick in die Versandhalle von Feralpi in Riesa. Das Unternehmen will künftig effektiver produzieren - und plant deshalb auch eine neue Halle. © Klaus-Dieter Brühl

Riesa. Gerade erst war bekannt geworden, dass Uwe Reinecke ab Juni die Geschicke bei Feralpi in Riesa übernimmt. Nur wenige Tage später hatte der 56-Jährige schon seinen ersten Auftritt außerhalb des Stahlwerkgeländes. Im Riesaer Stadtrat gab Reinecke einen Überblick über das Werk, zog nach dem zurückliegenden Jahr eine Bilanz und umriss die Pläne für die kommenden Monate und Jahre.

Lieferketten sind die größte Herausforderung

Der Rückblick auf 2020 fiel aus Sicht des neuen Werkdirektors recht positiv aus: Während andere Branchen unter der Coronakrise ächzten, habe das Werk in Riesa seine Produktions- und Verkaufsmengen ein Stück weit steigern können, erklärte Uwe Reinecke den Stadträten. Der Absatz bei den Fertigprodukten sei von rund 902.000 auf etwas über 951.000 Tonnen gestiegen. Das Stahlwerk profitiere momentan noch von der Nachfrage sowohl im Wohnungs- und Hausbau als auch von Infrastrukturprojekten.

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Von quarantänebedingten Produktionsausfällen sei das Riesaer Werk - anders als der Standort im italienischen Lonato - nicht betroffen gewesen. "Italien hat zwei Monate gestanden", sagt Uwe Reinecke. Dieser Kelch ging an Riesa vorüber. Nachteilig sei dagegen gewesen, dass manche Lieferketten in der Krise nicht mehr wie gewohnt funktioniert hätten. Das wirke sich sowohl auf die Preise aus als auch auf die verfügbaren Mengen. "Im Einkauf müssen wir erfinderisch sein", so Reinecke.

Technische Probleme und ein Arbeitsunfall

Investitionen sind im Riesaer Stahlwerk ohnehin ein großes Thema - und das schon seit Jahren. Um den Jahreswechsel herum war beispielsweise ein neuer Chargierkran aufgestellt worden, der den Schrott in den Schmelzofen hebt. Nicht alle Vorhaben klappten aber reibungslos. Die neue Drahtbindezone habe dem Unternehmen Kopfzerbrechen bereitet, sagt der neue Werkdirektor. "Sie ist nicht so angelaufen wie geplant." Die Folgen trägt das Unternehmen jetzt noch mit sich herum. Denn weil die Bindezone länger still stand, sind nun die Produktionsziele in Gefahr. "Wir wollen das aufholen bis zum 31. Dezember", sagt Uwe Reinicke. Unter anderem, indem ein Werkstillstand im Sommer verschoben wird.

Auch die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter beschäftige das Werk weiter. 2020 war ein Stahlwerker bei einem Unfall ums Leben gekommen. Generell habe es in den vergangenen Jahren ein "Auf und Ab beim Thema Arbeitssicherheit" gegeben, sagt der neue Werkleiter. Durch Schulungen, neue Schutzkleidung und die Unterteilung in Sicherheitszonen versuche man, das Gefahrenpotenzial weiter zu reduzieren. "Uns ist nicht geholfen, wenn wir die Produktion gesteigert haben, aber Menschen zu Schaden kommen."

Feralpis Fahrplan in den kommenden Jahren steht

Gleichzeitig plant Feralpi schon die nächsten Investitionen. Gleich acht weitere Vorhaben nannte Reinecke, die in den kommenden Jahren verwirklicht werden sollen. Dazu gehörten kleinere Maßnahmen, wie das Einhausen einer Halle oder Arbeiten am Verwaltungsgebäude ebenso wie die Arbeit an einem neuen Schrottkonzept. Das soll bis Mitte 2022 umgesetzt sein und beinhaltet unter anderem die Demontage der bisherigen Schredder-Anlage. Mehr als 30 Millionen Euro will Feralpi laut Reinecke in die Schrottaufbereitung investieren.

Die Weichen für die räumliche Expansion sind ebenfalls gestellt. Auf dem ehemaligen Arbonia-Gelände soll einmal die Mattenproduktion zentralisiert werden. Auch den Lkw-Verkehr möchte man in Riesa künftig besser lenken; erst im Mai hatte Feralpi deshalb den Kauf eines Grundstücks von der Firma Selle vermeldet. Die rund 4.600 Quadratmeter Fläche soll in das neue Logistik-Konzept eingebunden werden, heißt es.

Das größte Vorhaben allerdings ist laut Uwe Reinecke die Errichtung eines neuen Walzwerks. "Für das Werk würde das noch einmal eine ganz neue Epoche bedeuten." Hier stecke man noch in der Planungsphase. Mithilfe des Walzwerks B würde der gesamte Betrieb noch einmal effizienter werden. Bisher habe man in Riesa eine höhere Schmelzkapazität, als das bestehende Walzwerk weiterverarbeiten kann. Das schlage sich logischerweise auf die Produktionsmengen und damit den Umsatz nieder.

Für ein Problem, das das Unternehmen in Riesa schon seit langer Zeit begleitet, hat auch der neue Chef indes noch keine Lösung. Von Linke-Stadträtin nach dem Thema Güterverkehr befragt, räumt Uwe Reinecke ein: "Das ist ein wunder Punkt in der Logistikkette." Die Bahn habe teils enorme Probleme, die produzierten Mengen auch auf die Schiene zu bringen. Man habe zuletzt akute Probleme gehabt, was Waggons betrifft, dazu komme noch die Streckenauslastung. Man arbeite daran, das weiter zu optimieren. Ein Lösungskonzept könne er aber noch nicht vorlegen, so Reinecke.

In einer früheren Version war der Name von Uwe Reinecke falsch geschrieben. Wir haben den Fehler korrigiert.

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