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Riesa will seine Kraftwerke vernetzen

Die Stadtwerke wollen, dass ihre Anlagen miteinander kommunizieren – und am besten auch mit den Stromzählern zu Hause.

Von Christoph Scharf
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Hier wird demnächst gebaut: das Heizkraftwerk der Stadtwerke Riesa am Elbufer.
Hier wird demnächst gebaut: das Heizkraftwerk der Stadtwerke Riesa am Elbufer. © Sebastian Schultz

Riesa. Stadtwerke-Wetter – so könnte man es nennen, wenn bei Temperaturen um null Grad die Riesaer Heizkraftwerke gut zu tun haben, um die Einwohner mit Fernwärme und Strom zu versorgen. Ob Heizkraftwerk Merzdorf oder die etwas kleinere Anlage am Elbufer: In den vergangenen Tagen wurde dort reichlich Erdgas verbrannt.

Zuletzt hatte das städtische Tochterunternehmen Millionen im Kraftwerk gegenüber der Teigwaren-Fabrik investiert. Nun ist das Objekt an der B 182 zwischen den beiden Elbbrücken dran. "Wir wollen nächstes Jahr das Kraftwerk Elbufer mit einer Trasse mit der Studienakademie in Gröba verbinden", sagt Stadtwerke-Geschäftsführer René Röthig. Das ermögliche eine größere Flexibilität. Denn in der Studienakademie betreibt das Unternehmen bereits ein Pellet-Kraftwerk. "Wenn wir die beiden Kraftwerke aufeinander abstimmen können, arbeiten sie effizienter."

Riesas Stadtwerke-Chef René Röthig.
Riesas Stadtwerke-Chef René Röthig. © Stadtwerke Riesa

Die dafür notwendige Trasse soll unten am Elberadweg entlangführen, sodass die Bau-Auswirkungen auf die Bundesstraße möglichst überschaubar bleiben. Aber auch im Heizkraftwerk Merzdorf will man noch einmal investieren: Dort werden Brennersteuerung und Leitwarte erneuert. "Das soll bei Störungen im Stromnetz eine schnellere Umschaltung ermöglichen", sagt Röthig.

Ohnehin ist die Digitalisierung derzeit ein großes Investitionsthema für die Stadtwerke. Das läuft unter dem Schlagwort intelligente Mess-Systeme: Dabei geht es darum, dass die Stromzähler der Kunden über eine Datenleitung oder eine Sim-Karte die Verbräuche in Echtzeit melden. Mit diesen Daten sollen sich künftig die Kraftwerke ebenfalls in Echtzeit steuern lassen. Bislang wird der Stromzähler einmal im Jahr abgelesen, erst dann weiß man, was tatsächlich verbraucht wurde.

Und Riesas Gaskraftwerke ließen sich tatsächlich derart steuern? "Wenn sämtliche Zähler die Daten melden und diese ins Steuerungsprogramm der Kraftwerke eingepflegt werden können, dann ließe sich ein Gaskraftwerk tatsächlich über die Drehzahl und die Volumenströme recht gut steuern", sagt Röthig. "Das bieten andere Kraftwerksarten so nicht."

Das erfordert massive Investitionen in Servertechnik und Software – die auch aus einem anderen Grund nötig sind: Da die Stromerzeugung im deutschen Netz durch Windräder und Solaranlagen zunehmend schwankend ist, müssen die Netzbetreiber reagieren können, wenn die Netzfrequenz nicht gehalten werden kann. Dann müssen sie entweder große Abnehmer oder Erzeuger zeitnah und automatisiert abschalten können.

Die Digitalisierung gehört aus Sicht der Stadtwerke ohnehin zu den Trends der Zeit. Die will man sich künftig auch bei der Bearbeitung von Kundenanfragen zunutze machen. Anfragen wie "Ich bin umgezogen" oder "Ich habe geheiratet und heiße jetzt anders" würden 90 Prozent dessen ausmachen, was Kunden an die Stadtwerke herantragen. Die will das Unternehmen künftig durch den Einsatz von Bots und KI automatisiert beantworten lassen. "Muss so etwas wirklich ein Mitarbeiter eintippen", fragt René Röthig rhetorisch. Die Scheu vor der Technik werde in den nächsten Jahren verloren gehen. "Ob ein Mensch oder eine Maschine die neue Adresse ins System einträgt, dürfte den meisten dann egal sein." So sei nun mal die technische Entwicklung – wie viele etwa bei der Adresseingabe ins Auto-Navi längst bemerkt hätten. "Früher hat man Buchstabe für Buchstabe eingetippt, heute steuert man das Navi mit seiner Stimme. Das ist doch längst Alltag", sagt der Stadtwerke-Chef.