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Schon wieder Streik bei Teigwaren Riesa

Die Gewerkschaft erhöht den Druck auf Teigwaren Riesa. Seit Dienstagnachmittag ruht die Arbeit - diesmal für zwei volle Schichten.

Zum zweiten Mal binnen zwei Wochen wurde auf dem Teigwaren-Betriebsgelände in Riesa gestreikt.
Zum zweiten Mal binnen zwei Wochen wurde auf dem Teigwaren-Betriebsgelände in Riesa gestreikt. © Lutz Weidler

Riesa. Die Geschäftsleitung der Teigwaren Riesa bekommt die Vorab-Meldung am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr: Es wird wieder gestreikt. Ab 14 Uhr werde die Arbeit beim Riesaer Nudelproduzenten ruhen, teilt die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten mit. Und das bis zum nächsten Morgen.

NGG-Gewerkschaftssekretär Thomas Lißner hatte bereits gut eine Woche zuvor, am Montagnachmittag, die Mitarbeiter auf einen längeren Arbeitskampf eingeschworen. Da war schon einmal gestreikt worden. Vier Stunden dauerte der erste Warnstreik. Diesmal legt die NGG noch nach: Bis 6 Uhr morgens werde der Arbeitskampf dauern, hatte die Gewerkschaft angekündigt, den Arbeitskampf fortzusetzen. Ziel sei es, die Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zu bringen. "Wir brauchen ein Angebot", so Lißner.

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Die Teigwaren-Geschäftsführung hatte nach dem ersten Warnstreik noch keines vorgelegt. Auf Nachfrage von saechsische.de erklärte Geschäftsführer Mike Hennig sein Unverständnis für die Forderungen der Gewerkschafter. Die riskierten mit ihrem Verhalten auch die Zukunft des Unternehmens, ließ Hennig durchblicken. Er kritisiert, die Gewerkschaft habe von Anfang an nichts als den Streik gewollt.

Gewerkschaft spricht von Blockadehaltung

Ende Juni war der alte Tarifvertrag bei den Teigwaren ausgelaufen. In im Juli angelaufenen Tarifverhandlungen hatte das Unternehmen eine Nullrunde in Aussicht gestellt - mit der Perspektive auf neue Verhandlungen im Jahr 2022.

"Der Warnstreik der Spät- und Nachschicht ist ein letztes Signal an das Unternehmen, von der Blockadehaltung abzurücken", hieß es in einer Mitteilung. "Eine Nullrunde ist völlig inakzeptabel", so Thomas Lißner. "Die Arbeitsbelastung ist hoch, warme Worte wiegen das nicht auf. Und wir haben immer noch eine Lohnlücke von über 700 Euro monatlich zu vergleichbaren Betrieben in Westdeutschland."

Laut Mike Hennig hängt dieses Vorgehen auch mit den Lieferverträgen zusammen, über die immer erst gegen Jahresende verhandelt wird. Von der Maximalforderung der NGG - eine Angleichung an verschiedene Unternehmen - hält der Teigwaren-Geschäftsführer nichts. Sie würde den Nudelhersteller in die Insolvenz treiben, so Hennig. Das Unternehmen lege keinen Verkaufspreis fest und könne höhere Produktions- und Personalkosten deshalb nicht so leicht umlegen, argumentiert er.

Die Streiks sind ein weiterer Rückschlag für das Unternehmen, nachdem mit Kaufland ein bedeutender Kunde derzeit keine Riesaer Nudeln mehr führt. Beide Seiten hatten sich nicht auf einen Preis einigen können. Allerdings trifft auch der streikbedingte Produktionsausfall das zur schwäbischen Alb-Gold-Gruppe gehörende Unternehmen: Anders als beim ersten Warnstreik wurde diesmal laut Thomas Lißner die Produktion heruntergefahren. "Jetzt steht alles", sagt er am Dienstagnachmittag.

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Die NGG hatte vor zwei Jahren mit mehreren 24-Stunden-Streiks erstmals in dem Unternehmen einen Tarifvertrag durchgesetzt. Nun wolle man mit mehreren Anpassungsschritten den Lohnunterschied gegenüber den westdeutschen Betrieben abbauen. Rund 150 Mitarbeiter zählen Werk und Nudelcenter zusammen. Letzteres ist vom aktuellen Streik zunächst ausgenommen, erklärt Thomas Lißner. Ob das auch so bleiben wird, ist offen. "Es wird weitergehen", kündigt er an - und stellt längere und häufigere Streiks in Aussicht. Unterstützung bekamen die Beschäftigten von der Linke-Bundestagsabgeordneten Katja Kipping, die sich aus dem Urlaub mit einer Videobotschaft an die Streikenden wandte. Henning Homann, Generalsekretär der SPD Sachsen, war zu Besuch vor Ort.

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