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Sind die B-98-Ortsumfahrungen gefährdet?

Von Glaubitz bis Schönfeld hofft man darauf, dass der Lkw-Verkehr aus den Dörfern verschwindet. Das Thema beschäftigt nun auch den Bundestag.

Von Christoph Scharf
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Der Verkehr rollt bei Glaubitz über die B 98. Etwa jedes fünfte Fahrzeug dort ist ein Lkw.
Der Verkehr rollt bei Glaubitz über die B 98. Etwa jedes fünfte Fahrzeug dort ist ein Lkw. © Sebastian Schultz

Riesa/Großenhain/Berlin. In Schönfeld geht es wegen einer monatelangen Straßensperrung gerade etwas ruhiger zu. Aber in Quersa und vor allem in Wildenhain und Glaubitz gehört der durchrollende Schwerlastverkehr die ganze Woche über zum Dorfbild dazu. Seit Jahren hofft man dort auf versprochene Ortsumfahrungen, die mittlerweile im vordringlichen Bedarf des Bundes stehen und bereits geplant werden.

Macht die Politik den Vorhaben jetzt doch noch einen Strich durch die Rechnung? Das befürchtet man zumindest bei der FDP-Fraktion im Bundestag. "Grüner Anti-Straßenbau-Kurs gefährdet Ausbau von B 101, B 169 und B 98", ist eine Mitteilung des Abgeordneten Torsten Herbst überschrieben. In der Aktuellen Stunde des Bundestags werde am Donnerstag zum Thema Mobilität debattiert. Hintergrund sei die jüngste Forderung der Grünen, den Bau aller neuen Autobahnen und Bundesstraßen in Deutschland zu stoppen.

„Die Mobilitätsfeindlichkeit der Grünen hat jetzt eine neue Dimension erreicht", sagt der  sächsische FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst. Der Verzicht auf neue Bundesstraßen und Autobahnen würde vor allem den ländlichen Raum abseits der Ballungszentren treffen. Viele sächsische Regionen würden unattraktiver für Familien und Unternehmen. "Offenbar wollen die Grünen zu Gunsten einer straßenfeindlichen Großstadtklientel den ländlichen Raum abhängen", sagt Herbst.

Als Beispiel führt er neben den geplanten Ortsumfahrungen an der B 98 auch den geplanten Aus- und Neubau der B 169 von Riesa zur A 14 an; außerdem den Ausbau der B 101 südlich Siebenlehn. "Sollten sich die Grünen mit ihren Plänen durchsetzen, würden die Projekte, die in der Region so dringend gebraucht werden, nie Wirklichkeit werden", sagt Herbst.

Mehr als 80 Prozent des deutschen Personen- und Güterverkehrs werden laut FDP-Angaben derzeit über Straßen realisiert. Ein Baustopp für Bundesfernstraßen würde auch Busse im Nah- und Schülerverkehr sowie Krankenwagen betreffen.

Mit den geplanten Ortsumfahrungen an der B 98 hatte sich auch der Dresdner Grünen-Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn beschäftigt. Schon 2017 hatte er sie den aus seiner Sicht "10 überflüssigsten Straßenprojekten in Sachsen" zugeordnet - und sich nach der erwartbaren Kritik aus der Region einem Streitgespräch mit dem Glaubitzer Bürgermeister Lutz Thiemig (parteilos) gestellt. Kühns These: Der Erhalt von Straßen sei wichtiger als ein Neubau; der Verkehr durch den Ort lasse sich auch mit Tempolimits und Fußgängerampeln sicherer machen.

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