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So will Riesa die Metall-Ausbildung retten

Ab nach Bautzen? Den geplanten Umzug der Metall-Klassen will man sich in der Stahlstadt nicht bieten lassen.

Die Metall-Ausbildung in Riesa - hier ein Blick aus dem Qualifizierungszentrum in Riesa - steht auf der Kippe.
Die Metall-Ausbildung in Riesa - hier ein Blick aus dem Qualifizierungszentrum in Riesa - steht auf der Kippe. © Sebastian Schultz

Riesa/Meißen. Die handwerkliche Metall-Ausbildung soll von Riesa nach Bautzen wechseln, die Dachdecker von Meißen nach Löbau, die Lebensmittel-Fachverkäufer und Bäcker von Meißen nach Dresden: Diese Pläne des Kultusministeriums sorgen für Ärger im Kreis. 

Der Freistaat will die Berufsausbildung umstrukturieren, um auf geänderte Anforderungen zu reagieren. Anders als früher soll das Angebot nicht mehr Jahr für Jahr angepasst werden - sondern ein Plan bis 2030 aufgestellt werden. 

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Grundsätzlich findet man das auch bei der Kreishandwerkerschaft Meißen gut. "Seit zehn Jahren kämpfen wir um die Berufsschulnetzplanung", sagt Kreishandwerksmeister Peter Liebe. Aber so hat man es sich im Elbland auch nicht vorgestellt: Ausgerechnet die Stahlstadt Riesa ohne handwerkliche Metall-Ausbildung? Und Meißen ohne Dachdecker? "Wir hätten dann nicht eine Bauausbildung mehr im Kreis", sagt Liebe - und verweist auf das aktuelle Vorhaben, eine Jugendbauhütte nach Riesa zu holen.

Den Umzug der Bäckerausbildung nach Dresden hingegen bezeichnet Liebe - selbst Bäckermeister - als alternativlos. In der Sache habe er unzählige Konferenzen mit anderen Kreishandwerkerschaften und Innungen geführt, wo es nicht immer konfliktfrei zuging. "Außer Bautzen jammern alle, dass sie bei der Umstrukturierung verlieren." Selbst Dresden büße bei den Plänen ein.

Dabei sei der Entwurf aus Sicht der Staatsregierung stimmig, räumt selbst Jens-Torsten Jacob, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Meißen, ein. "Aber er ist für uns nicht hinnehmbar." Man habe im Landkreis Meißen nun mal einen Schwerpunkt in den Bereichen Metall, Bau und Elektro. Allein in Meißen seien 40 Dachdecker in Ausbildung, die andernfalls in die Berufsschule nach Löbau müssten - eine Entfernung von fast 100 Kilometern mit dem Auto oder eine knapp zweistündige Bahnfahrt.

Das werde Auswirkungen auf den Nachwuchsbereich haben, sagt Jacob. "Man muss sich das klar machen." Es sei aberwitzig: "Berlin gibt Geld für den Strukturwandel auf dem Land - und Sachsen nimmt uns das weg." In den vergangenen Wochen und Monaten habe man in der Sache viele Gespräche geführt. Und ja, es seien auch in den eigenen Reihen Fehler gemacht worden. Manch Metall-Handwerker aus dem Elbland habe seine Azubis in die Berufsschule nach Dresden geschickt, anstelle sie - wie vorgesehen - in Riesa ausbilden zu lassen. Dadurch habe man selbst dafür gesorgt, dass Klassen nicht ausgelastet waren und so Tatsachen geschaffen.

 "Was uns überrascht hat, ist, dass die Innungen und Handwerkerschaften überhaupt nicht gefragt wurden", moniert der Riesaer. Dabei habe man in der Kreishandwerkerschaft Meißen einen konkreten Vorschlag geschaffen: Meißen eigne sich für ein "Kompetenzzentrum Bau", das die Ausbildung von Dachdecker und Maurern bündele - und so für 579 Handwerksbetriebe in der Region zur Verfügung stünde. 

Ebenfalls in Meißen ließe sich ein Kompetenzzentrum Kfz ansiedeln, mit der Ausbildung für Mechatroniker sowohl für Pkw als auch für Lkw - für insgesamt 308 Handwerksbetriebe. Die Ausbildung für 223 Friseur-Handwerksbetriebe fände ebenfalls in der Kreisstadt Platz, während sich Riesa für ein "Kompetenzzentrum Metall/Elektro" anbiete: Mit den Metallbauern in der Fachrichtung Konstruktionstechnik und den Elektronikern in der Fachrichtung Energie- und Gebäudetechnik bilde man für 504 Handwerksbetriebe aus.

Ohnehin sei das Handwerk schon jetzt der größte Ausbilder im Kreis: Nach Angaben der Kreishandwerkerschaft bilde man (Stand September) 759 junge Menschen aus, in insgesamt 60 Berufen.

Die Vorschläge aus Meißen und Riesa liegen mittlerweile auch beim Kultusministerium in Dresden vor, wie Referentin Susann Meerheim auf Anfrage von sächsische.de bestätigt.

Ob oder wie weit er berücksichtigt wird, könne man derzeit aber noch nicht beantworten. Noch stecke man mitten in den Planungen, die seit Anfang März laufen. Für den Arbeitsentwurf "Teilschulnetzplanung für die berufsbildenden Schulen in Sachsen" führe das Kultusministerium einen "intensiven Dialogprozess". 

Nicht nur aus Meißen seien Empfehlungen und Vorschläge gekommen, auch von vielen anderen Stellen. "Bei der Aufstellung eines verlässlichen und qualitativen Plans unter landesweiter Betrachtung werden diese sorgfältig abgewogen", sagt Meerheim. Erst danach könne man sagen, ob und wie der Arbeitsentwurf gegebenenfalls abgeändert wird.

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