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Teigwaren Riesa: Keine Lösung im Tarifstreit in Sicht

Die Gewerkschaft und der Nudelhersteller werfen sich gegenseitig Fehlinformationen vor. Die Situation wirkt verfahren.

Bei der NGG wurde von Dienstag auf Mittwoch gestreikt - 24 Stunden lang. Eine Einigung im Tarifstreit scheint aber noch in weiter Ferne.
Bei der NGG wurde von Dienstag auf Mittwoch gestreikt - 24 Stunden lang. Eine Einigung im Tarifstreit scheint aber noch in weiter Ferne. © Sebastian Schultz

Riesa. Diesmal hat die Geschäftsführung der Teigwaren reagiert. Vorm Nudelcenter hängt jetzt eine Metallkette, die den Weg zu den Kundenparkplätzen verwehrt. Wer im Nudelkontor einkaufen möchte, der muss ein paar Meter weiter auf den großen Parkplatz am Werkgelände fahren.

Die Kette soll dafür sorgen, dass die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) ihren Arbeitskampf nicht wie zuletzt direkt vorm Nudelcenter stattfinden lässt. Zweimal hatten die Teigwaren-Mitarbeiter den kleinen Parkplatz dort belegt, beim Unternehmen hatte das wohl für einigen Ärger gesorgt. Das Nudelcenter ist mittlerweile streng genommen von der Produktion getrennt, auch wenn die NGG die Mitarbeiter mit vertritt, wie es heißt. Bei beiden Streiks war deshalb auch schon die Polizei gekommen - und letztlich wieder abgerückt. Nun also die Absperrung.

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Die Mitarbeiter der NGG stört das wenig. Sie stehen nun ein paar Meter weiter, rechts statt links der Parkplatzeinfahrt. Einer hat gerade Bratwurst geholt, es gibt belegte Brötchen. Es ist Mittwochmittag, der 24-stündige Streik dauert nun schon 18 Stunden. Man könne auch noch länger, dann werde nur das Catering besser, amüsiert sich einer.

Unternehmen kritisiert "Lügen" der Gewerkschaft

Während Politiker von SPD und Linke ihre Solidarität bekunden - zuletzt war etwa Katja Kipping (Linke) vor Ort, Susann Rüthrich wendete sich in einer Nachricht an die Streikenden - ist die Geschäftsführung auf die Forderungen zunächst nicht näher eingegangen. Eine Antwort auf die Forderung der Gewerkschaft gibt es lediglich auf Facebook. Dort wehrt sich das Unternehmen gegen die Darstellung, nur knapp über dem Mindestlohn zu bezahlen. "Es ist schon erstaunlich, wie mit Lügen eine öffentliche Meinung mobilisiert werden soll, ausgetragen auf einer befristeten Stelle. Und die Mehrzahl der Mitarbeiter, die bereits ohne Zulagen zwischen 13 Euro und 16 Euro Lohn bei 13 Monatsentgelten und Urlaubsgeld bekommen, schweigen dazu."

Auch über weitere Regelungen, etwa zu bezahlten Pausen, werde geschwiegen, kritisiert das Unternehmen in der kurzen Stellungnahme. Geschäftsführer Mike Hennig präzisiert am Telefon, die NGG ziehe in ihrem Lohnbeispiel eine einzige, befristet angestellte Person heran. Das Unternehmen habe dafür einen Shitstorm geerntet, und das völlig zu Unrecht.

Olaf Klenke ist Landesbezirkssekretär bei der NGG Ost.
Olaf Klenke ist Landesbezirkssekretär bei der NGG Ost. © Sebastian Schultz

Olaf Klenke, Landesbezirkssekretär der NGG-Ost, reagiert auf den Vorwurf zunächst gelassen. Man könne auch die von der NGG genannten Zahlen so nicht nachvollziehen. "Aber wenn das so ist, dann wäre ja der Weg bis zu dem von uns geforderten Lohn sogar kürzer." Er wolle noch einmal einen Brief an den Geschäftsführer aufsetzen und die Forderungen der Mitarbeiter präzisieren. Die Lohndifferenz zu aus NGG-Sicht vergleichbaren Betrieben wolle man nicht mit einem Mal aufheben, sondern schrittweise. Das habe die Geschäftsführung in der Vergangenheit teilweise falsch dargestellt.

Klenke verweist auf andere Betriebe, wie Frosta und Cargill. Dort waren im Halbjahresturnus schrittweise Lohnerhöhungen um jeweils 40 bis 95 Euro vereinbart worden. Bis Ende 2022 wäre man dann bei 358 beziehungsweise 395 Euro mehr - und die Lohnlücke zu den neuen Bundesländern damit zumindest etwa halbiert. Bei den Teigwaren stehen die Zeichen momentan weiter auf Arbeitskampf.

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