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Unternehmen eröffnet Standort Riesa - versehentlich

Heinrich Schmid hat deutschlandweit fast 6.000 Mitarbeiter - und nun auch welche in einem Riesaer Wohngebiet.

Neu im Stadtteil Weida: Der Riesaer Standort der Handwerk-Unternehmensgruppe Heinrich Schmid wird von Enrico Vogel (r.) geleitet, während Christine Maliske das Büro besetzt. Mirko Tippmann, Chef der Dresdner Niederlassung, ist zur Eröffnung gekommen.
Neu im Stadtteil Weida: Der Riesaer Standort der Handwerk-Unternehmensgruppe Heinrich Schmid wird von Enrico Vogel (r.) geleitet, während Christine Maliske das Büro besetzt. Mirko Tippmann, Chef der Dresdner Niederlassung, ist zur Eröffnung gekommen. © Lutz Weidler

Riesa. Am Anfang stand ein Versehen. "Wir haben für unsere Dresdner Niederlassung Mitarbeiter aus dem Raum Riesa gesucht", sagt Mirko Tippmann. Der 47-Jährige leitet den Dresdner Ableger der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid, die deutschlandweit mit 5.800 Mitarbeitern zu den ganz Großen der Handwerkerbranche gehört. Doch bei der Formulierung der Stellenanzeige gab es offenkundig ein Missverständnis - und so warb die Stellenanzeige nicht um Mitarbeiter aus dem Raum Riesa, sondern für einen Standort in Riesa - den es aber gar nicht gab. "Wir haben uns gewundert, warum plötzlich Bewerbungen für einen nicht existierenden Standort eingingen."

Doch die Zahl der Bewerbungen gab zu denken. Zumal das Unternehmen ja auch schon Kunden in der Region Riesa hatte. "Wir haben schon für Goodyear gearbeitet, für Feralpi, für Kronospan, für die Bundeswehr in Zeithain", sagt Tippmann. Und warum sollten die Mitarbeiter für solche Aufträge erst aus Dresden anreisen, wenn es doch offenbar auch in der Region selbst geeignete Bewerber gibt? Und so entschloss man sich, in Riesa tatsächlich einen Standort zu gründen - und so der missverständlich formulierten Stellenbeschreibung im Nachhinein doch noch recht zu geben.

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Die erste Ausschreibung kommt überraschend

Diese Woche nun wurde der jüngste Heinrich-Schmid-Standort eröffnet - direkt im Stendaler U in Weida, in Sichtweite des Stadtteilzentrums mit Penny-Markt, kleinen Geschäften und Apotheke. "Der Standort ist offenbar goldrichtig", sagt Tippmann. Denn gerade hatte das Unternehmen einen Briefkasten angebaut, da hätten schon Ausschreibungsunterlagen für Putzarbeiten aus einer Nachbarstadt drin gelegen - ohne Briefmarke drauf. "Die hat wohl jemand persönlich eingeworfen."

Den Auftrag aus dieser Ausschreibung habe man mittlerweile bekommen. Dabei ist die Unternehmensgruppe Heinrich Schmid, vor gut 100 Jahren in Baden-Württemberg gegründet, traditionell vor allem für Malerarbeiten bekannt. Aber längst sei man in etlichen verwandten Gewerken zu Hause - beim Trockenbau, Bodenbelagsarbeiten, Fassadentechnik beispielsweise.

In Riesa soll künftig vor allem das Raumausstatter-Gewerk im Mittelpunkt stehen. "Wir haben einen Meister gewinnen können, der hier das Team führen und sich um Kundenakquise kümmern wird", sagt Enrico Vogel. Der 46-Jährige ist jetzt erst einmal für den neuen Standort verantwortlich. Genau wieder Dresdner Niederlassungsleiter ist der Dresdner gelernter Maler und Lackierer. Beide haben sich in mehr als zwei Jahrzehnten bei Heinrich Schmid immer weiter qualifiziert, um Führungsaufgaben zu übernehmen.

"Weiterbildung ist ein großes Thema bei uns", sagt Tippmann. "Aber wenn es nötig ist, packe ich auch selbst noch an, um etwa eine Decke zu gestalten." Die Firma lege Wert darauf, dass die Mitarbeiter eine handwerkliche Ausbildung haben: das würden auch die Kunden erwarten.

Während es in Dresden aktuell 48 Mitarbeiter sind, sollen es in Riesa in absehbarer Zeit zehn werden. Zunächst wird es von Enrico Vogel und der Büro-Verantwortlichen Christine Maliske besetzt - zwar nicht rund um die Uhr, man sei aber immer telefonisch oder per Email zu erreichen.

Das Geschäft im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses beherbergte früher einen Optiker. Nun gibt es dort ein Büro, um ansprechbar zu sein, ein kleines Lager für Malerwerkzeug und Wandfarbe, dazu eine Küche für die Mitarbeiter. Das passe. Ziel sei es nun, in Riesa auch eine eigene Ausbildung auf die Beine zu stellen. "Das ist bei uns ein wichtiges Thema", sagt Mirko Tippmann. "Von 5.800 Mitarbeitern deutschlandweit sind bei Heinrich Schmid insgesamt 1.000 Auszubildende oder duale Studenten." Hier in Riesa wolle man Raumausstatter ausbilden - auch wenn die zur Berufsschule nach Plauen im Vogtland müssten. "Aber die praktische Ausbildung könnte bei uns in Riesa und in Dresden laufen."

Jetzt aber sucht man erst einmal ausgebildete Handwerker - Maler, Bodenleger, Trockenbauer. Auch Allrounder, die mal eine Tür zumauern oder mal ein paar Quadratmeter verputzen können. "Wir wollen unseren Kunden in Riesa das komplette Paket aus einer Hand anbieten", sagt Tippmann. Egal, ob ein Ehepaar aus der Nachbarschaft sein Wohnzimmer renovieren wolle oder eine Firma ein komplettes Brandschutz-Konzept brauche.

Zu tun werde es in den nächsten Jahren genug geben, ist der gebürtige Chemnitzer überzeugt: Die ganzen Einfamilienhaussiedlungen würden jetzt langsam eine Fassadenerneuerung vertragen. Und da könne man vom Gerüst bis hin zur Bautoilette Komplettpakete anbieten. "Ziel ist es immer, dass der Bauherr so gut wie nichts von der Baumaßnahme merkt", sagt Tippmann.

Riesa soll dabei für Dresden nicht der einzige neue Standort bleiben. Heinrich Schmid plane auch schon einen in der Lausitz - dieses Mal aber ganz absichtlich, nicht aus Versehen wie in Riesa.

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