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Warnstreik im Milchwerk

350 Menschen arbeiten bei ODW in Elsterwerda. Fast die Hälfte stand jetzt vor der Tür.

Am Freitag wurde im ODW-Werk Elsterwerda gestreikt. Dort werden Milchprodukte der Marke "Mark Brandenburg" hergestellt.
Am Freitag wurde im ODW-Werk Elsterwerda gestreikt. Dort werden Milchprodukte der Marke "Mark Brandenburg" hergestellt. © NGG

Elsterwerda. Die Joghurtbecher von "Mark Brandenburg" kennt jeder. Der Hersteller, die ODW Frischprodukte in Elsterwerda, sind nicht ganz so bekannt. Dabei arbeiten dort 350 Menschen, etliche von ihnen pendeln auch aus der Region Riesa/Großenhain nach Südbrandenburg.

Fast die Hälfte der Belegschaft hat sich kürzlich zum Warnstreik vor der Tür versammelt: "160 Mitarbeiter standen draußen, nur vier gingen als Streikbrecher rein", sagt Ingolf Fechner von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Die hatte am 2. Oktober zum Warnstreik aufgerufen, weil die Mitarbeiter in Elsterwerda aus ihrer Sicht reichlich 500 Euro weniger Lohn erhalten, als der Osttarif vorsieht.

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Ab vier Uhr hatten die Beschäftigten der Nacht- und Frühschicht die Arbeit niedergelegt. "Wir haben bis morgens halb zehn gestreikt, damit sich auch die Kollegen der Verwaltung beteiligen können", sagt Gewerkschaftssekretär Fechner auf Anfrage von sächsische.de. Erst danach hätten die Maschinen wieder hochgefahren werden können. "Zuvor stand alles still!"

Man habe allerdings darauf geachtet, rechtzeitig auf den Streik hinzuweisen - damit durch die plötzliche Abschaltung keine Maschinen kaputtgehen. Die Nachtschicht habe auch ganz bewusst die Maschinen ordnungsgemäß heruntergefahren. "Der Betriebsleiter kam raus und hat sich dafür bei den Streikenden bedankt. Das habe ich so noch nie erlebt, sehr anständig", sagt Gewerkschafter Fechner.

Rund 160 Mitarbeiter beteiligten sich laut Gewerkschaft am Streik, nur vier hätten als Streikbrecher das Werk betreten.
Rund 160 Mitarbeiter beteiligten sich laut Gewerkschaft am Streik, nur vier hätten als Streikbrecher das Werk betreten. © NGG

Zum Warnstreik aufgerufen hatte die NGG, weil sich das Unternehmens weigere, "ernsthaft" über die Forderung der Beschäftigten zu verhandeln, den Tarifvertrag Milchindustrie Ost zu übernehmen. Am Dienstag zuvor war eine erste Verhandlung ohne Ergebnis zu Ende gegangen. 

„Bei ODW muss sich etwas bewegen! Die Blockadehaltung der Arbeitgeber in der ersten Verhandlung zeigt, wie wenig Wertschätzung den Kollegen für ihre Arbeit entgegengebracht wird", schimpft Gewerkschaftssekretär Fechner. Die Weigerung, über die Übernahme des Tarifvertrags der Milchindustrie Ost zu verhandeln, sei "ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten, die in den letzten Monaten einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Menschen geleistet haben.“

Streiks auch in Riesa und Bautzen

Andre Rettig von der NGG-Tarifkommission fordert, dass die Arbeit bei ODW genauso viel wert sein müsse, wie in anderen Unternehmen der Branche. „Wir wollen, dass das Unternehmen unsere Forderung endlich ernst nimmt. Während der Corona-Krise wurden wir beklatscht und jetzt sollen wir weiterhin für 500 Euro weniger pro Monat arbeiten, als die Kollegen in den Betrieben der Milchwirtschaft Ost", sagt der Angestellte, der laut Gewerkschaftsangaben seit 16 Jahren bei ODW beschäftigt ist. "Wir wollen nicht länger Beschäftigte zweiter oder sogar dritter Klasse sein."

Seit Monaten habe man versucht, am Verhandlungstisch zu Fortschritten und einem Ergebnis zu kommen, heißt es von der NGG. "Nun mussten wir feststellen, dass auf der anderen Seite keine Verhandlungsbereitschaft vorliegt. Aber die Kollegen sind festentschlossen, für ihre Forderungen zu kämpfen", sagt Gewerkschaftssekretär Fechner. Der Warnstreik sei nur ein erstes Zeichen gewesen. Derzeit gehe man davon aus, dass die Gespräche Ende Oktober fortgesetzt werden. "Wir hoffen auf ein anständiges Ergebnis."

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Das Unternehmen ODW Frischeprodukte gehört zur französischen Andros-Gruppe (unter anderem Bonne Maman, Odenwald und Natreen). Am Standort Elsterwerda stellen rund 350 Beschäftigte unter der Marke Mark Brandenburg Milchprodukte her. Die NGG hatte zuletzt auch das Cargill-Ölwerk in Riesa bestreikt und das Bautz'ner Senf-Werk von Develey in Bautzen.

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