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"Es ist doch Vieles geworden in Riesa"

Gerade in der Corona-Krise werde zu viel schwarz gemalt, sagt ein Vertreter des Wirtschaftsforums – und plädiert für einen optimistischeren Blick.

Hafen, Stahlwerk, Krankenhaus: Für den Sprecher des Riesaer Wirtschaftsforums Kurt Hähnichen gibt es Einiges in Riesa, dessen Entwicklung in den letzten Jahren Grund zur Zuversicht geben sollte.
Hafen, Stahlwerk, Krankenhaus: Für den Sprecher des Riesaer Wirtschaftsforums Kurt Hähnichen gibt es Einiges in Riesa, dessen Entwicklung in den letzten Jahren Grund zur Zuversicht geben sollte. © Fotos: S. Schultz (2), K.-D. Brühl (1)/Montage: SZ

Riesa. Die Wirtschaftsnachrichten waren in den vergangenen Monaten eher geprägt von der Corona-Krise. Händler, die nicht öffnen dürfen, Umsatzeinbußen, Sorge um die Einkaufsmeilen. Kurt Hähnichen ist dieses Bild in Bezug auf Riesa oft zu schwarz gemalt. "Es gibt eigentlich viele Lichtblicke", sagt er. Mitte des Jahres 2000 gehörte er zu den Initiatoren des Vereinigten Wirtschaftsforums in Riesa. "Es waren damals acht Gründungsmitglieder, im September war die erste Veranstaltung." Wenn man heute, gut 20 Jahre später, zurückschaut, dann könne man vor allem eins feststellen: "Es ist doch Vieles geworden in Riesa." Ausgehend vom ursprünglichen Anliegen, die Verkehrsanbindung in Riesa zu verbessern, habe sich der Themenkreis immer mehr erweitert – und das Forum um Kurt Hähnichen, Matthias Mückel und Wolfgang Stamm eine Reihe positiver Entwicklungen in der Stadt mit begleitet.

Das Stahlwerk hat sich geöffnet

Zutritt nur für Mitarbeiter – das galt in Riesa jahrelang im Riesaer Stahlwerk. Das sei heute ganz anders. "Feralpi hat sich massiv geöffnet für alle. Das ist ein hohes Gut", sagt Kurt Hähnichen. Daran hätten auch die Veranstaltungen des Forums, in denen das Stahlwerk von Anfang an dabei gewesen sei, einen Anteil.

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Heute informiert das Stahlwerk regelmäßig über Neuerungen an seinen Anlagen, auch abseits der Wirtschaftsforen. So eine Öffentlichkeitsarbeit steigere letztlich die Akzeptanz für den Industriebetrieb, glaubt Hähnichen. "Was dort in den letzten Jahren in Sachen Umweltverträglichkeit gemacht wurde – alle Achtung." Zudem komme das Riesaer Stahlwerk bislang sehr gut durch die Coronakrise.

Das Feralpi-Stahlwerk in Riesa hat in den vergangenen Jahren regelmäßig investiert - und informiert darüber auch die Öffentlichkeit.
Das Feralpi-Stahlwerk in Riesa hat in den vergangenen Jahren regelmäßig investiert - und informiert darüber auch die Öffentlichkeit. © Klaus-Dieter Brühl

Hafen baut aus – und geht auf Kritik ein

Den Hafen in Gröba gibt es schon seit Ende des 19. Jahrhunderts. In den Schlagzeilen war er zuletzt regelmäßig. Die Anlage fährt schon länger an der Kapazitätsgrenze, die SBO möchte unbedingt ein neues Terminal bauen. Einfach sind die Planungen beileibe nicht, Anwohner und Umweltverbände fürchten, dass mit steigenden Umschlagszahlen und einem Mehr an Lkw-Verkehr die Lebensqualität im Stadtteil abnehmen könnte. Die Informationspolitik des Hafenbetreibers aber lobt Kurt Hähnichen. "Da erkennen wir als Wirtschaftsforum eigentlich, dass sehr sensibel gearbeitet wird mit den Einsprüchen." Der Staatsbetrieb sei bemüht, die Einwände zu berücksichtigen. Aus Hähnichens Sicht ist der Hafen eine Erfolgsgeschichte. "Wenn man über die Brücke fährt, dann ist augenfällig, wie exorbitant der Containerbetrieb zugenommen hat."

Nicht nur im Klinikum wird weiter investiert

Schon seit 2016 wird auf dem Gelände des Riesaer Elblandklinikums gebaut. Zuletzt öffnete im Januar die IMC-Station, die eine Art Zwischenstufe zwischen der Normal- und Intensivstation bilden soll. Mehr als 50 Millionen Euro stecken die Elblandkliniken in den Aus- und Umbau des Krankenhauses. "Das Klinikum haben wir durch Höhen und Tiefen begleitet", sagt Kurt Hähnichen. Die frühere Geschäftsführung sei auch aus Kreisen des Forums teils sehr stark kritisiert worden, weil das Krankenhaus in der Stadt keinen guten Ruf genossen habe. Heute sei das anders; mehrfach schon fand das Wirtschaftsforum auch im Klinikum statt, regelmäßig berichte dabei Klinikdirektor Peter Zeidler über Geschehnisse das Riesaer Krankenhaus betreffend.

Startschuss am Krankenhaus: 2016 trafen sich Elblandkliniken-Chef Frank Ohi, Landrat Arndt Steinbach (CDU), die damalige Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU), OB Marco Müller (CDU), der Ärztliche Direktor Michael Dechant und Verwaltungsdirektor Peter Ze
Startschuss am Krankenhaus: 2016 trafen sich Elblandkliniken-Chef Frank Ohi, Landrat Arndt Steinbach (CDU), die damalige Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU), OB Marco Müller (CDU), der Ärztliche Direktor Michael Dechant und Verwaltungsdirektor Peter Ze © Lutz Weidler

Das Elblandklinikum sei aber nicht die einzige Stelle in der Stadt, an der zuletzt und für die Zukunft viel Geld in die Hand genommen wird, betont Kurt Hähnichen. Er verweist auf die Eigenheimstandorte ebenso wie auf die Pläne für das Muskatorgelände. "Da haben wir tatsächlich ein paar Fortschritte gemacht." Zuletzt sei mit der Veränderungssperre für das Areal eine Grundlage geschaffen worden, um Spekulationen zu verhindern. "Die Kaianlagen unterhalb des Geländes haben noch eine Anlegeberechtigung." Theoretisch könne man die Elbe an der Stelle auch als Wasserstraße wieder nutzen. Insbesondere aus Gröba gebe es in dieser Richtung Aktivitäten.

Andere geschichtsträchtige Häuser seien mittlerweile wieder saniert: Kaffee-Starke durch die WGR, das Volkshaus auf private Initiative von Lutz Steinchen. "Der müsste eigentlich einen Ritterschlag kriegen für das, was er dort geleistet hat!" Auch über die Investitionen im Efre-Gebiet Merzdorf werde "viel zu wenig geredet", findet Hähnichen.

Der Ministerpräsident zu Besuch in Riesa: Michael Kretschmer nahm 2018 beim Wirtschaftsforum teil - hier spricht er gerade mit der Leiterin der Studienakademie, Ute Schröter-Bobsin.
Der Ministerpräsident zu Besuch in Riesa: Michael Kretschmer nahm 2018 beim Wirtschaftsforum teil - hier spricht er gerade mit der Leiterin der Studienakademie, Ute Schröter-Bobsin. © Sebastian Schultz

Die Politik steht Rede und Antwort

Im Jahr 2000 herrschte laut Kurt Hähnichen eine gewisse Aufbruchsstimmung. "Wir wollten Ideen nicht nur aussprechen, sondern auch anschieben." Aus seiner Sicht zeigte das Erfolg. Man habe permanenten Zuwachs an Mitgliedern bekommen, sei mittlerweile so etwas wie das politische Sprachrohr der Wirtschaft in der Region. Bei den regelmäßigen Treffen des Vereinigten Wirtschaftsforums stünden heute auch Politiker regelmäßig Rede und Antwort, "vom Bundestagsabgeordneten bis zum Ministerpräsidenten". Einige Infrastruktur-Vorhaben würde sich Kurt Hähnichen gerne noch für die Zukunft wünschen: Einen S-Bahn-Anschluss für Riesa beispielsweise. Oder den nächsten Schritt bei den Ortsumfahrungen, vor allem der B 169. "Es freut uns, dass die zweite Tektur nun ausliegt. Ich habe ein gutes Gefühl bei den jetzigen Planungsunterlagen." Die Dialoge mit der Landespolitik zeigten vor allem, "dass doch intensiv an den Themen gearbeitet wird".

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