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Krippenfiguren statt Weihnachtsumzug

Nicht nur in der Kreinitzer Dorfkirche muss am Heiligen Abend improvisiert werden. Hier sollte es eine besondere Christvesper geben. Wo finden Krippenspiele statt?

Von Jörg Richter
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Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg und Katja Silberbauer bauen den berühmten Stall von Bethlehem auf, in dem der Legende nach Jesus geboren wurde.
Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg und Katja Silberbauer bauen den berühmten Stall von Bethlehem auf, in dem der Legende nach Jesus geboren wurde. © Sebastian Schultz

Kreinitz. Was macht die Plane im Altarraum? Pfarrerin Grit Skriewe-Schellenberg und Katja Silberbauer ziehen sie auseinander und breiten sie auf dem Boden der Kreinitzer Dorfkirche aus. Dann streuen sie Heu und Stroh darauf und verteilen es. Zwei Kisten werden übereinandergestapelt. Eines sieht wie ein Dach aus und ist mit LED-Lämpchen und einem kleinen, weißen Herrnhuter Stern verziert.

Katja Silberbauer stellt Figuren auf. Sie sollen die heilige Familie und zwei Engel darstellen. Ihr Mann hat sie und den beleuchteten Stall am Wochenende gebaut. "Er war nicht gerade begeistert von dieser Hauruck-Aktion", verrät die zweifache Mutter. "Aber irgendetwas mussten wir doch tun, damit Weihnachten in unserer Kirche nicht ausfällt."

Seit 2013 engagiert sie sich für die Christvespern in Kreinitz. "Sie sind etwas Besonderes", bestätigt Pfarrerin Skriewe-Schellenberg. Hier und in anderen Dörfern, wo junge Familien wie die Silberbauers leben und sich in das Leben der Kirchgemeinde einbringen, würde gerade in den Krippenspielen sichtbar, dass Weihnachten viel mehr ist als Geschenke, Würstchen und Kartoffelsalat.

Schon früh, als absehbar war, dass der zweite Lockdown möglicherweise auch Auswirkungen auf die Christvesper haben könnte, entwickelten die Kreinitzer eine Idee. Sie wollten einen Weihnachtsumzug durchs Dorf machen. An mehreren Orten sollte jeweils ein Teil der Weihnachtsgeschichte erzählt werden.

An der Dorfkneipe sollte zum Beispiel der Wirt die hochschwangere Maria mit ihrem Verlobten Josef schroff abweisen. Die Kirche sollte zum Stall werden, wo Jesus geboren wurde und sich Hirten und Könige treffen. Auch die Kreinitzer Schäferei war für eine Szene im Gespräch. "Aber viel weiter waren die Gedanken noch nicht", sagt die Pfarrerin. Denn Corona machte dem ersten Kreinitzer Weihnachtsumzug einen Strich durch die Rechnung. Doch er soll im nächsten Jahr, wenn es hoffentlich keinen Lockdown gibt, nachgeholt werden.

Offene Kirchen in Zeithain

Aber so wird es am Heiligen Abend in Kreinitz wie auch in den anderen Kirchen der Gemeinde Zeithain "nur" offene Kirchen geben. Von 15 bis 18 Uhr können die Kreinitzer in das Gotteshaus gehen, um still zu werden, sich zu besinnen oder sich einfach nur die schöne Weihnachtskrippe anzusehen. Auch festliche Posaunenmusik und eine Andacht, die fortlaufend abgespielt wird, seien geplant.

In den Kirchen in Gohlis (15.30 Uhr), Lorenzkirch (15.30 und 16.30 Uhr) und Jacobsthal (17 Uhr) sind kurze Christvespern mit Andachten geplant. In Zeithain soll ab 19 Uhr ein Abend mit Musik und Bibeltexten stattfinden.

Absagen in Wülknitz und Umgebung

Der Streumener Pfarrer Heiner Sandig hat die geplanten Christvespern am Heiligen Abend in den Dörfern Streumen, Peritz, Colmnitz, Wülknitz und Lichtensee wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Am zweiten Weihnachtsfeiertag um 10.15 Uhr möchte er zusammen mit Organistin Stefanie Münkel in der Schlosskirche Tiefenau einen Gottesdienst mit Orgelmusik abhalten.

Noch Restkarten für Glaubitz und Riesa

Auch in der Glaubitzer Kirche, in die sich jedes Jahr in mehreren Christvespern jeweils bis zu 400 Leute hineinzwängen, um das Krippenspiel zu sehen, soll es nur Andachten mit Bibellesungen geben. Pfarrer Martin Scheiter teilt sich dabei mit der Glaubitzer Theologin Claudia Wendisch in vier Mini-Gottesdienste ein. Begleitet werden sie jeweils von Geschwisterkindern, die die Weihnachtsgeschichte pantomimisch darstellen.

Wie andernorts auch, wurden die Andachten personell beschränkt. Jeweils 50 Leute dürfen um 14, 15, 16 und 17 Uhr in die Glaubitzer Kirche. Von den insgesamt 200 Platzkarten sind bei "Blumen-Moni" und in der Bäckerei Sachse noch Restkarten zu erhalten.

"Wer dort nicht rein kann, ist herzlich in die Trinitatiskirche Riesa eingeladen", sagt Martin Scheiter, der seit diesem Jahr gleichzeitig auch die Pfarrstelle in Riesa innehat. Für die Weihnachtsandachten um 15, 16, 17 und 18 Uhr gebe es noch genügend Platz. In der großen Kirche am Lutherplatz, in der normalerweise bis zu 1.000 Leute sitzen können, wurde die Besucherzahl auf jeweils 150 Gäste beschränkt. Dennoch zeichnet sich hier kein enormer Andrang ab. Viele Riesaer würden den vorab aufgezeichneten Weihnachtsgottesdienst im Riesa TV anschalten, vermutet Scheiter.

Friedenslicht von Bethlehem nach Strehla

Am Heiligen Abend wird in Strehla kein Gottesdienst stattfinden. Weihnachtlich wird es dennoch: Zwei Bläser werden hoch oben auf dem Kirchturm ab 15.30 Uhr ein Konzert mit Weihnachtsstücken geben und die Botschaft von der Geburt Christi ins Städtchen tragen. Die Kirche ist erleuchtet und weihnachtlich geschmückt. Sie wird von 14.30 bis 22 Uhr geöffnet.

"Sie lädt ein zu einer stillen Andacht, zu einem Gebet, zu Gedanken an alle diejenigen, mit denen wir in diesem Jahr nicht feiern können", sagt Asta Tehnzen-Heinrich, die Vorsitzende des hiesigen Kirchenvorstands. Zudem haben die Strehlaer das Friedenslicht aus Bethlehem in ihre Kirche gebracht. An ihm können Kerzen entfacht und mit eigenen Laternen nach Hause getragen werden.

Kurze Andachten in Staucha und Umgebung

In den Kirchen südlich von Riesa wird in diesem Jahr ebenfalls schweren Herzens auf Krippenspiele verzichtet. Stattdessen sind am Heiligen Abend kurze Andachten um 14 Uhr in Staucha, um 15.30 Uhr in Mautitz und um 17 Uhr in Bloßwitz geplant. Wie Lektorin Ute Frankowski bestätigt, sollen sie maximal 30 Minuten dauern. Hier soll die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukas-Evangelium vorgelesen und von Orgelmusik begleitet werden. Aber auch hier gilt, Abstand halten und Mund-Nasen-Schutz tragen.

Krippenspiele nur in Gröditz und Umgebung

Nur die Menschen im Norden des Altkreises Riesa haben die Chance, in diesem Jahr am Weihnachtsabend ein Krippenspiel zu sehen. Sie sind in Gröditz (15 und 16.30 Uhr), Frauenhain (18 Uhr), Nauwalde (17.30 Uhr), Nieska (14.30 und 15.10 Uhr), Koselitz (15 Uhr) und Spansberg (16 Uhr) geplant. Doch bis auf die zweite Christvesper in Nieska sind für alle Krippenspiele die Platzkarten vergeben.

Eine Besonderheit bietet Pfarrer Christian Thiele ab 18.30 Uhr in der Kirche Gröditz an. Bei einer meditativen Christvesper erklingt Instrumentalmusik, und er liest Bibeltexte und Weihnachtsgedichte.

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