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Wolf reißt 40 Schafe im Glaubitzer Solarpark

Es ist der mit Abstand größte Verlust in diesem Jahr in Sachsen. Möglicherweise war es ein ganzes Rudel Wölfe.

Der Wolf hat den Solarpark Glaubitz als Futterquelle für sich entdeckt. Dort weiden Schafe.
Der Wolf hat den Solarpark Glaubitz als Futterquelle für sich entdeckt. Dort weiden Schafe. © Foto: Lutz Weidler

Glaubitz. Die Fachstelle Wolf muss ihre bisherige Schadensstatistik für 2021 noch einmal aktualisieren. Denn ein Wolfsriss in Glaubitz fällt noch höher aus als bisher angenommen. Ursprünglich gingen die Experten von 26 getöteten Schafen aus. Das allein wäre schon der schlimmste Vorfall in diesem Jahr gewesen. Normalerweise greifen Wölfe nur wenige Tiere an. Aber mittlerweile muss die Verlustzahl in Glaubitz auf 40 Schafe korrigiert werden.

Was sich am 31. August und möglicherweise in den Tagen zuvor auf der ehemaligen Deponie abgespielt hat, lässt sich nur erahnen. Ein Glaubitzer Bauer lässt dort seit Jahren seine Schafherde weiden. Die Tiere sorgen dafür, dass das Gras nicht zu hoch wächst. Denn auf der Halde befindet sich ein Solarpark. Bisher war nie etwas derartiges geschehen, auch weil um den Berg herum ein hoher Zaun verläuft und die Tiere zusätzlich mit einem Elektrozaun geschützt waren.

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Doch nun hat es der Wolf geschafft, den hohen Festzaun zu untergraben und die Schafherde derartig in Panik zu versetzen, dass ein Teil der Tiere aus dem Nachtpferch ausbrach und ab diesem Moment ohne Schutz war. Das bestätigt das sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf Nachfrage. Dies würde die hohe Zahl getöteter Tiere erklären.

Wahrscheinlich mehrere Angriffe

Die Randzonen der ehemaligen Deponie sind steil und dicht bewachsen, weshalb die Nachsuche der Tiere äußerst schwierig war und über Stunden dauerte, so ein Sprecher. Die Fachstelle Wolf war daher mit drei Mitarbeitenden vor Ort, um den Tierhalter bei der Suche und der Bergung der Tiere zu unterstützen. Dennoch konnten nicht alle Tiere gefunden werden. Die Zahl der geschädigten Tiere hatte sich deshalb im Nachhinein noch erhöht. Diese wurde der Fachstelle Wolf im Verlaufe dieser Woche nachgemeldet.

Ursprünglich galten 26 Schafe als getötet und eines als vermisst. Letzteres wurde mittlerweile verletzt gefunden und von seinen Leiden erlöst. Allerdings wurde das Fehlen weiterer Tiere festgestellt, die als vermisst gemeldet wurden. Damit hat sich die Zahl der insgesamt bei dem Vorfall geschädigten Tiere um weitere 13 erhöht. Somit kamen im Zusammenhang mit dem Vorfall insgesamt 40 Tiere zu Schaden.

Die Experten der Fachstelle Wolf gehen davon aus, dass es neben dem Übergriff am 31. August im Vorfeld wahrscheinlich mindestens einen weiteren Übergriffe bei der Herde gab, der bis dahin unbemerkt blieb. Das sei am Kadaverzustand einiger Tiere ersichtlich gewesen. "Es handelt sich hier also wahrscheinlich um eine Rissserie und kein singuläres Ereignis", so das Landesamt.

Ob nur ein einzelner Wolf für diesen Vorfall verantwortlich ist, könnte noch nicht sicher gesagt werden. "Die hohe Zahl geschädigter Tiere und die Menge, die gefressen wurde, deuten aber auf mehrere Tiere hin, die am Übergriff beteiligt waren", teilt die Pressestelle mit. Die Zäunung habe den Anforderungen des Mindestschutzes entsprochen. Somit habe der Besitzer Aussicht auf eine Entschädigung.

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Im Umkreis von Glaubitz (circa 15 km) wurden der Fachstelle Wolf im Jahr 2021 elf Risse gemeldet. In Glaubitz war dies der erste Fall. In neun von elf Fällen konnte der Wolf mit hinreichender Sicherheit festgestellt werden. Es ist bekannt, dass sich in der Gohrischheide ein Rudel angesiedelt hat.

Der jetzige Wolfsriss ist der bisher größte in Sachsen seit knapp drei Jahren. Im Oktober 2018 waren in Mücka bei Görlitz 47 Schafe und neun Ziegen nachweislich von Wölfen getötet worden.

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