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Wonnemar: Kunden werden Gläubiger

Die Insolvenz des Bad-Betreibers hat Konsequenzen für Inhaber von Gutschein-Karten. Und nicht nur für sie.

Badegäste konnte das Wonnemar in Bad Liebenwerda schon länger nicht empfangen. Wegen der Insolvenz werden Gutscheinbesitzer jetzt Gläubiger des Bades.
Badegäste konnte das Wonnemar in Bad Liebenwerda schon länger nicht empfangen. Wegen der Insolvenz werden Gutscheinbesitzer jetzt Gläubiger des Bades. © gruen

Von Frank Claus

Bad Liebenwerda. Das Wonnemar in Bad Liebenwerda ist, unter anderem durch die zweimalige Corona-bedingte Schließung, in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das zuständige Stuttgarter Gericht hat zum 1. Dezember Insolvenz über das Vermögen der Interspa-Betriebsgesellschaft der Wonnemar mbH in Eigenverwaltung angeordnet. Rechtsanwalt Jochen Sedlitz von der Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler ist zum Sachwalter bestellt worden.

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Gutscheine mit hohen Guthaben

Zahlreiche Wonnemar-Kunden haben sich mit der Frage, was aus ihren Clubkarten und Gutscheinen wird, an die Lausitzer Rundschau gewandt. Stammgäste des Hauses haben sich in der Regel Clubkarten in bestimmten Kategorien angeschafft und sparen damit je nach Nutzung der Wonnemar-Hausbereiche. Darüber hinaus hat das Wonnemar seit Jahren kurz vor Weihnachten nach Geldvolumen gestaffelte Gutscheinkarten mit bis zu 20 Prozent Rabatt verkauft. Es gibt zahlreiche Kunden, die diese Karten im Wert von 50 bis zumeist 400 Euro erworben haben. Auch Gutscheinkarten bis zu 1.000 Euro gingen an der Kasse über die Theke.

Hoffnungen von Kunden, dass die verbliebenen Restwerte auf den Gutscheinkarten einfach ausgezahlt werden, gehen nicht in Erfüllung. Denn Gutscheinkarten werden wie Ansprüche von Gläubigern behandelt. Rechtsanwalt Jochen Sedlitz erläutert die Rechtslage: „Gutscheine für Leistungen des Wonnemars Bad Liebenwerda dürfen aufgrund der bestehenden gesetzlichen Regelungen nicht mehr eingelöst werden. Gutscheine stellen juristisch betrachtet Vorauszahlungen auf künftige Leistungen dar, weshalb sie in Höhe ihres Gutscheinwertes sogenannter Insolvenzgläubiger gemäß Paragraf 38 Insolvenzordnung sind.“

Jetzt Forderungen anmelden

Das bedeutet, dass sich Inhaber von Gutscheinen in die Reihe der Gläubiger einreihen müssen. Deshalb müssen sie zuerst selbst tätig werden. Der Rechtsanwalt: „Insolvenzgläubiger können ihre Forderungen nach der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens nur noch durch die Anmeldung zur Insolvenztabelle verfolgen.“ Trotz mehrfacher Nachfragen in der Kanzlei konnte die Lausitzer Rundschau am Freitag nicht klären, ob das auch für das Restvolumen auf Clubkarten zutrifft. Die Karten werden jeweils für ein Jahr ausgestellt.

Wonnemar-Gutscheinkunden müssen jetzt Fristen wahren, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Forderungen aus den Gutscheinen, so die Kanzlei, seien nach Möglichkeit auf der Homepage www.menoldbezler.de anzumelden. Kunden müssen sich dazu registrieren. Dabei sei zum Seitenende des Internetauftritts zu scrollen und über die Schritte Insolvenzportal, Gläubigerinformationssystem die Verfahrensbezeichnung einzugeben und das Verfahren zu filtern. Wer seine Forderung schriftlich anmelden möchte, könne unter der E-Mailadresse [email protected] die Anmeldeunterlagen anfordern.

Die Forderungsanmeldung habe bis spätestens 30. Dezember 2020 zu erfolgen. Das Insolvenzgericht habe, so ist der Mitteilung des Rechtsanwaltes zu entnehmen, in den Räumlichkeiten des Amtsgerichts Stuttgart mit Datum vom 21. Januar 2021 eine Gläubigerversammlung einberufen. Gleichzeitig würden bei diesem Termin die angemeldeten Forderungen geprüft.

Reha-Sportverein hört auf

Zum 1. Dezember 2020 hat bedingt durch die Insolvenz des Wonnemars die Ortsgruppe Bad Liebenwerda des Brandenburgischen Präventions- und Rehabilitationssportvereins ihre Tätigkeit im Wonnemar eingestellt. Das teilt Olaf Kochan im Auftrag der Leitung des Vereins mit.

Mehr als 40 Kurse pro Woche habe der Verein in den zurückliegenden Jahren angeboten. Olaf Kochan blickt zurück: „Im Jahr 2006 haben wir ganz klein angefangen und müssen nun leider auf einem extrem hohem Niveau unsere Tätigkeit einstellen. Es war uns eine große Freude, unsere Gäste betreuen und therapieren zu dürfen.“

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Die plötzliche Einstellung des Geschäftsbetriebes im Wonnemar habe auch den Verein schwer getroffen. Der Verein, so Olaf Kochan, hofft, „dass es bald wieder mit einer medizinischen Versorgung der fast 750 Mitglieder weitergeht“. Für einen Neustart wolle er wieder zur Verfügung stehen. Alle aktiven Patienten, die noch ein Rezept für die Nutzung haben, müssten dieses nun nach Auskunft des Reha-Vereins bei den zuständigen Krankenkassen abrechnen. Patienten, welche nach der Corona-Schließung wieder mit Rehasport oder Funktionstraining anfangen wollen – vorausgesetzt das Bad öffnet noch einmal; geplant ist eine längere Umbauphase – müssten sich demnach bei ihrem Hausarzt ein neues Rezept ausstellen und von der Krankenkasse bestätigen lassen. (LR)

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