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Hohe Baupreise verzögern Feuerwehrbau

Die Tiefenauer Kameraden sollen ein neues Gerätehaus erhalten. Doch die Angebote der Baufirmen sind der Gemeinde Wülknitz schlichtweg zu happig.

Diese alte Scheune in Tiefenau soll zum Feuerwehr-Gerätehaus umgebaut werden. Doch noch kann es nicht losgehen.
Diese alte Scheune in Tiefenau soll zum Feuerwehr-Gerätehaus umgebaut werden. Doch noch kann es nicht losgehen. © Sebastian Schultz

Tiefenau/Wülknitz. Die Preisexplosion bei den Baustoffpreisen geht auch am künftigen Domizil der Tiefenauer Feuerwehrleute nicht spurlos vorbei. Sie werden noch etwas auf den Umbau der alten Scheune warten müssen. Die Gemeinde Wülknitz hatte sie gekauft, um der Löschgruppe bessere Bedingungen zu schaffen. Bisher müssen sich die hiesigen Kameraden in einer alten Garage am Rittergut umziehen.

Und wie es aussieht, werden sie noch eine Weile damit auskommen müssen. Denn der Gemeinderat Wülknitz hat in dieser Woche die Ausschreibung der ersten sieben Baulose für nichtig erklärt. Sie sollen noch einmal neu ausgeschrieben werden.

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Der Hintergrund: Die Angebote waren zu teuer. Allein das Los 1 für das Bauhauptgewerbe hätte alle Finanzplanungen für das Projekt mächtig durcheinandergebracht. Nur eine Baufirma hatte ein Angebot abgegeben und errechnete für die jeweiligen Leistungen eine Gesamtsumme von rund 233.000 Euro. Die Planerin, die die Ausschreibung für den Umbau der Scheune vorbereitet hatte, war von geschätzten 140.000 Euro ausgegangen. Das Angebot lag also mehr als 66 Prozent höher als ihre Kalkulation.

Kaum Spielraum im Gemeindehaushalt

Auch das Angebot für die Dachdeckerarbeiten sei mit rund 50 Prozent viel teurer als ursprünglich geplant gewesen, bestätigt der Wülknitzer Bürgermeister Hannes Clauß. Insgesamt soll es sich um Mehrkosten von rund 100.000 Euro handeln. Und sicherlich wären sie noch höher ausgefallen. Denn es fehlten noch ein paar Gewerke. Zudem wurde für die Fliesenlegerarbeiten gleich gar kein Angebot abgegeben.

Mehrkosten dieser Höhe sind in diesem Fall keine Kleinigkeit. Das gesamte Bauvorhaben ist mit etwa einer halben Million Euro angesetzt. Das Landratsamt Meißen hatte erst vor Kurzem den Doppelhaushalt 2021/22 der Gemeinde Wülknitz genehmigt. Er lässt kaum Spielraum für ungeplante Mehrausgaben. Und gleich gar nicht in solchen Ausmaßen, die die kleine Gemeinde vor enorme Probleme stellt. "Deshalb haben wir den Joker gezogen, den die VOB hergibt", sagt Bürgermeister Clauß.

Die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB, Teil A) sieht vor, dass eine Ausschreibung aufgehoben werden kann, wenn kein Angebot eingegangen ist, das den Ausschreibungsbedingungen entspricht, die Vergabeunterlagen grundlegend geändert werden müssen oder andere schwerwiegende Gründe bestehen. Die rasanten Preissteigerungen bei den Baustoffen in den letzten Monaten seien nicht vorhersehbar gewesen, argumentiert die Verwaltung. Zudem gebe es keinen direkten Vergleich, wenn für die einzelnen Lose immer nur eine Baufirma ein Angebot abgibt.

Berechtigter Einwand

Das sahen die meisten Gemeinderäte genauso so und stimmten dafür, dass der Umbau der Tiefenauer Scheune zum Feuerwehrgerätehaus noch einmal ausgeschrieben werden soll. Nur zwei Gemeinderäte votierten dagegen. Auch der Ortschaftsrat Tiefenau habe sich gegen die Auflösung der Ausschreibung ausgesprochen.

"Ob der Markt in einem halben Jahr besser ist als jetzt, ist fraglich", gibt Jens Kraze von der Fraktion St. Florian Wülknitz zu bedenken. Er plädiert dafür, lieber die hohen Preise der aktuellen Ausschreibung anzunehmen, um nicht bei einer zweiten Ausschreibung mit noch höheren Baupreisen konfrontiert zu sein. "Dieser Einwand ist sicherlich berechtigt", sagt Bürgermeister Clauß. Es gebe aber auch die Chance, dass die Preise günstiger werden.

Durch die Aufhebung der Ausschreibung verzögert sich der Baubeginn möglicherweise in den Herbst hinein. Das bedeutet, dass die Tiefenauer Kameraden in ihr neues Gerätehaus erst nächstes Jahr einziehen können. Die Fördermittelzusage des Freistaates Sachsen sei davon nicht betroffen, so der Gemeindechef. Dank der Initiative von Kreisbrandmeister Ingo Nestler konnten 170.000 Euro bereits in diesem Jahr bereitgestellt werden. Ursprünglich war der Zuschuss des Landes, der über das Landratsamt Meißen verteilt wird, erst 2022 vorgesehen.

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