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Nach Zeithainer Hausbrand: Wehrleiter für Rauchmelderpflicht

Der Brand in Zeithain hätte für zwei Bewohnerinnen tödlich enden können. Deshalb empfiehlt Matthias Heydel die kleinen Lebensretter an der Zimmerdecke.

Mehrere Feuerwehren waren am 5. März nach Zeithain geeilt, um die Doppelhaushälfte der Familie Köhn zu löschen.
Mehrere Feuerwehren waren am 5. März nach Zeithain geeilt, um die Doppelhaushälfte der Familie Köhn zu löschen. © privat

Zeithain. Die Wände im Dachgeschoss sind schwarz vor Ruß. In der unteren Etage ist alles tropfnass vom Löschwasser. Familie Köhn aus Zeithain hat vor zwei Wochen durch einen Brand ihr Zuhause verloren.

"Meine Frau hat immer noch mit den Folgen zu kämpfen", sagte Steffen Köhn jetzt in einem Fernsehbericht des MDR. "Sie ist richtig traumatisiert von den Erlebnissen, dass das Haus wegbrennt und wie schnell das geht." Teilweise mache der Lokführer sich sogar mehr Sorgen um seine Frau als um das Haus.

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Als das Feuer aus bisher noch ungeklärten Gründen im Dachgeschoss ausbrach, befanden sich seine Frau und seine erwachsene Tochter im Erdgeschoss. Ein Baggerfahrer einer Baufirma, die zurzeit an der nahegelegenen Bahnstrecke Dresden-Leipzig arbeitet, hatte den Rauch aus dem Zeithainer Wohngebiet als Erster bemerkt. Er informierte eine Nachbarin und sie rannte sofort los, um Familie Köhn zu warnen.

Nach dem Löschen gingen die Feuerwehrleute auf die Suche nach weiteren Brandnestern im Dachstuhl.
Nach dem Löschen gingen die Feuerwehrleute auf die Suche nach weiteren Brandnestern im Dachstuhl. © Klaus Dieter Bruehl

Sie war ihr Schutzengel, denn Mutter und Tochter hatten selbst nichts von der drohenden Gefahr mitbekommen. "Sie hätten ersticken oder ohnmächtig werden und vielleicht an Rauchgasvergiftung sterben können", sagt Steffen Köhn und ist froh, dass es ihnen gut geht.

Der Zeithainer Gemeindewehrleiter Matthias Heydel, den das Kamerateam ebenfalls befragte, nutzte die Gelegenheit, um für das freiwillige Anbringen von Rauchmelder zu werben. "Solche Wohnungsbrände sind immer mit extremer Hitze und giftigen Rauchgasen verbunden", sagt er. "Zwei, drei Atemzüge, dann ist das Leben dahin." Heydel appelliert an alle Eigenheimbesitzer, dass sie für ihre Häuser Rauchmelder beschaffen sollten, "auch wenn es in Sachsen noch keine Pflicht ist."

Der Zeithainer Gemeindewehrleiter Matthias Heydel war ebenfalls bei dem Wohnhausbrand im Einsatz. Er fordert eine generelle Rauchmelderpflicht in Sachsen.
Der Zeithainer Gemeindewehrleiter Matthias Heydel war ebenfalls bei dem Wohnhausbrand im Einsatz. Er fordert eine generelle Rauchmelderpflicht in Sachsen. © Sebastian Schultz

In die gleiche Kerbe schlägt auch Meißens Kreisbrandmeister Ingo Nestler. "Sachsen hinkt leider bei der generellen Rauchmelderpflicht hinterher", sagt er. In diesem Bereich ist der Freistaat leider das absolute Schlusslicht. Hier gibt es die Rauchmelderpflicht zwar seit 1. Januar 2016. Aber sie gilt bisher nur für Neu- und Umbauten. Eigentümer von sogenannten Bestandsgebäuden, werden nicht zur Nachrüstung verpflichtet. - Das gibt es in keinem anderen Bundesland.

Auch nicht in Brandenburg. Es war das vorletzte Bundesland, das vorschreibt, dass auch bestehende Gebäude mit Rauchmeldern ausgerüstet werden müssen. Laut Informationen des Forums Brandrauchprävention e. V., zu dessen Unterstützern u.a. der Deutsche Feuerwehrverband und der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks gehören, hatten die Brandenburger Hauseigentümer dafür bis Ende 2020 Zeit.

Ein schriller Ton, der Leben rettet: Nach Ansicht von Experten sollten in jedem Haushalt zwei bis drei Rauchmelder installiert sein.
Ein schriller Ton, der Leben rettet: Nach Ansicht von Experten sollten in jedem Haushalt zwei bis drei Rauchmelder installiert sein. © dpa

In den ostdeutschen Bundesländern ist Thüringen der Vorreiter. Dort gibt es die Rauchmelderpflicht für Neu- und Umbauten bereits seit 2008. Bis 2018 mussten auch alle sogenannten Bestandsgebäude mit den kleinen Lebensrettern nachgerüstet werden. In den meisten Bundesländern gilt eine Rauchmelderpflicht bislang nur in Schlaf- und Kinderzimmern sowie Fluren, die als Rettungswege dienen. In Küche und Bad sind sie keine Pflicht.

"Sachwerte sind immer zu ersetzen", sagt Nestler, "aber ein Menschenleben nicht." Er empfiehlt Rauchmelder mit Langzeitbatterien, die zehn Jahre halten. Gute Geräte gebe es schon ab 20 bis 30 Euro. "Und man braucht auch kein besonderes handwerkliches Geschick, um sie an der Decke anzubringen", so Nestler. Es gibt Rauchmelder mit Magnetverbindung. "Da muss man nicht schrauben oder bohren."

Dass Rauchmelder nachweislich Menschenleben gerettet haben, belegt eine Auswertung von bundesweiten Medienberichten von Dezember 2019 bis Februar 2020 durch die Initiative "Rauchmelder retten Leben". Danach haben Rauchmelder in Deutschland durchschnittlich 4,1 Menschen pro Tag vor gesundheitlichen Schäden oder sogar dem Tod bewahrt. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 waren es durchschnittlich nur 1,2 Personen pro Tag.

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