merken
PLUS Riesa

Neues Futter für Zirkus Aeros

Es wird immer schwieriger für das Familienunternehmen zu überleben. Ein Lkw musste schon verkauft werden. Auch ein Unfall bereitete Sorgen.

Zirkusdirektor Bernhard Schmidt schiebt die Lkw-Plane zur Seite. Gerade ist eine Ladung Heu eingetroffen.
Zirkusdirektor Bernhard Schmidt schiebt die Lkw-Plane zur Seite. Gerade ist eine Ladung Heu eingetroffen. © Sebastian Schultz

Röderau. Aus dem ursprünglichen Winteraufenthalt des Zirkus Aeros in Röderau ist ein einjähriges "Gastspiel" geworden. Eines ohne Vorstellungen, ohne Manege, ohne Zuschauer, ohne strahlende Kinderaugen. - Und ohne Einkommen.

Zirkusdirektor Bernhard Schmidt macht sich Sorgen um sein Familienunternehmen, zu dem mehr als 20 Leute gehören. Sie harren weiter auf dem Gelände eines ehemaligen Fuhrunternehmens aus und hoffen, dass die Corona-Pandemie bald vorbei ist und auch Zirkusse und Schausteller wieder Geld verdienen dürfen.

Augusto
Leben und Genuss
Leben und Genuss

Für Genießer genau das Richtige! Leckere Ideen, Lebensart, Tradition und Trends gibt es in der Themenwelt Augusto.

Trotz allem, klagen will Bernhard Schmidt nicht. Noch hat er den Mut nicht verloren, auch wenn mal wieder zahlreiche Rechnungen ins Haus bzw. in den Wohnwagen flattern. Die laufenden Kosten für Öl, Gas, Kraftstoff, Futter und nicht zuletzt Lebensmittel müssen bezahlt werden. Zwar gibt es Unterstützung vom Jobcenter, aber die ist auf Hartz-IV-Niveau. Und auch die vom Staat versprochene November- und Dezemberhilfe ist noch immer nicht auf dem Konto. Dabei wurde sie schon lange bewilligt.

Die Gemüsespenden von hiesigen Discountern nimmt die Zirkusfamilie dankend entgegen.
Die Gemüsespenden von hiesigen Discountern nimmt die Zirkusfamilie dankend entgegen. © Sebastian Schultz

Zum Glück hat der Zirkus Aeros viele Freunde und einen guten Namen. Auch wenn es sich dabei nicht mehr um den ehemaligen Staatszirkus der DDR handelt, sind die Erinnerungen an die großartigen Vorstellungen vor der Wende offenbar noch sehr lebendig. Die Artistenfamilie Schmidt hat zwischen Riesa und Großenhain mehrere Unterstützer.

"Wir kriegen Futter für unsere Tiere nicht nur geschenkt, aber günstig", sagt Bernhard Schmidt. In dieser Woche war er sogar bis nach Dippoldiswalde gefahren, um Heuballen abzuholen. Ein dortiges Agrarunternehmen hat es extra für den Zirkus sehr preiswert abgegeben. Da lohnt es sich, den weiten Weg mit dem Sattelauflieger in Kauf zu nehmen.

Mit dem Reiterhof Kurze im benachbarten Bobersen haben die Zirkusleute ebenfalls einen hilfreichen Partner gefunden. Er entsorgt den Mist und bringt Stroh und Heu kostengünstig vorbei. Das hilft. Aber ganz ohne Einnahmen wird es von Tag zu Tag schwieriger, den Zirkus zu halten.

Trennung von Tieren würde schwer fallen

"Wir sind schon am Überlegen, Fahrzeuge, Utensilien und Tiere zu verkaufen, wenn wir demnächst unseren Beruf nicht ausüben können", so Schmidt. Gerade die Trennung von den Tieren würde ihm besonders schwer fallen. "Wir haben sie ja von klein auf großgezogen, das verbindet doch sehr", sagt er.

Einen Lkw hat der Zirkusdirektor bereits verkaufen müssen, um die anderen Fahrzeuge halten zu können. "Wir brauchen sie, um mobil zu bleiben." Mit ihnen wird nicht nur Futter herangeholt. Auch das große Zirkuszelt muss einmal im Jahr zum Tüv nach Dresden transportiert werden.

Der Zirkus hat mittlerweile auch einen Transporter weniger. Aber nicht weil er verkauft wurde und sondern weil er nach einem Unfall nur noch Schrott war. Das war am 27. August letzten Jahres. Ein schlimmer Tag für die Familie Schmidt. Nicht wegen des Transporters. "Der ist ersetzbar", sagt Bernhard Schmidt. Aber zwei seiner Töchter (damals 23 und 16 Jahre) saßen in dem Wagen.

Sieh mal an! Nicht nur Affen lieben Bananen, sondern auch Kamele.
Sieh mal an! Nicht nur Affen lieben Bananen, sondern auch Kamele. © Sebastian Schultz

Sie waren an diesem Tag auf der B 101 unterwegs, als ihnen ein 32-jähriger Audi-Fahrer bei Friedrichsluga, ohne zu bremsen, die Vorfahrt nahm. Es kam zum Zusammenstoß. Der weiße Transporter überschlug sich. Der Beifahrer im Audi starb. Der Unfallverursacher und die beiden Töchter kamen schwerverletzt ins Krankenhaus. Eine brach sich beide Beine, die andere lag im Koma.

Das war der schlimmste Tag des letzten Jahres für Bernhard Schmidt und seine Frau. Viel schlimmer als Corona. Jetzt ist fast wieder alles gut. Die Verletzungen der Mädchen sind verheilt, doch auf den Unfall möchten sie nicht angesprochen werden. Sie hatten beide zehn Schutzengel.

Weiterführende Artikel

Viel Beistand für Zirkusse in der Corona-Zeit

Viel Beistand für Zirkusse in der Corona-Zeit

Für viele Zirkusse beginnt jetzt eigentlich die Saison. Doch kaum einer kann wegen Corona die Sommersaison planen. Durch Spenden hält man sich über Wasser.

Nach dem langen, zum Teil sehr kalten Winter lädt der Zirkus Aeros ab dem 13. März wieder jeden Sonnabend und Sonntag, jeweils von 14 Uhr bis 16 Uhr, zu öffentlichen Proben und Tierschauen ein. Das soll nicht nur der Seele der Artisten gut tun, sondern auch den rund 30 Zirkustieren, die beschäftigt werden. Für Artisten ist der Applaus so wichtig wie Atmen. Und wenn es nur eine Probe unter freiem Himmel ist. Der Eintritt ist frei. Spenden werden gern entgegengenommen.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Riesa