merken
PLUS Familienkompass 2020 Riesa Familienkompass

Gibt es zu wenig Freizeitangebote in Riesa?

Im SZ-Familienkompass wird Kritik daran deutlich. Nicht jeder hat dafür Verständnis.

Blick auf den Indoorspielplatz in Riesa.
Blick auf den Indoorspielplatz in Riesa. © Sebastian Schultz

Riesa. Das Wetter könnte es schon etwas besser meinen mit den Besuchern auf dem Riesaer Minigolfplatz. Die Sonne versteckt sich, stattdessen fällt leichter Nieselregen. Trotzdem ist die Anlage hinter dem Olympia gut gefüllt. Er sei da selbst überrascht, gesteht Miteigentümer Harald Czudaj. Vermutlich nutzten die Besucher die letzten Tage der Ferien und vor dem Teil-Lockdown. 

Czudaj und sein Geschäftspartner Gerd Leopold haben in den vergangenen Jahren viel ins Olympia investiert. Squash, Klettern, einen Indoorspielplatz, Bowlingbahn, Fitnessstudio und Wellnessbereich, zuletzt eben die Minigolf-Anlage: Darauf ist Harald Czudaj hörbar stolz. "So etwas finden Sie weder in Oschatz, noch in Großenhain und Meißen." Umso erstaunlicher findet es der Olympia-Chef, dass die Riesaer offensichtlich nicht so richtig zufrieden sind mit den Freizeitangeboten in ihrer Stadt. 

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Das jedenfalls ist eins der auffälligsten Ergebnisse aus dem SZ-Familienkompass. Die Befragten aus Riesa vergaben für die Zahl der Freizeitmöglichkeiten im Durchschnitt die Note 3,3. Damit schneidet die Sportstadt fast eine halbe Note schlechter ab, als der sächsische Durchschnitt. 

Melissa (7) und Helena (9) sind mit ihrer Oma Christine Kaiser zu Besuch auf der Minigolf-Anlage. "Die Kinder wollten eigentlich ins Tobeland, aber wir wollten ins Freie", verrät die Zeithainerin.
Melissa (7) und Helena (9) sind mit ihrer Oma Christine Kaiser zu Besuch auf der Minigolf-Anlage. "Die Kinder wollten eigentlich ins Tobeland, aber wir wollten ins Freie", verrät die Zeithainerin. © Sebastian Schultz

Weniger als ein Fünftel der Befragten beurteilt das Riesaer Freizeitangebot dabei als gut oder sehr gut, fast doppelt so viele sehen es als eher schlecht oder sehr schlecht an. So viel Kritik kann unter den Besuchern im Olympia allerdings keiner so richtig verstehen. Christine Kaiser ist mit ihren Enkelinnen Melissa und Helena auf der Anlage unterwegs. "Die Kinder wollten eigentlich ins Tobeland", erzählt sie. "Aber wir wollten noch mal das Wetter nutzen und ins Freie." Das Riesaer Angebot für Familien bezeichnet die Zeithainerin als völlig in Ordnung. 

Tobias Schaffner aus Frauenhain sieht das ganz ähnlich. Er hat mit der Lebensgefährtin und den Kindern Tim und Nathalie den Indoor-Spielplatz neben der Minigolf-Anlage unsicher gemacht. "Wir sind zum ersten Mal hier drinnen, und ich bin positiv überrascht." Davor waren die vier schon im Riesaer Tierpark. "Der ist klein, aber auch okay." Auch sonst gebe es doch mehr als genug zu erleben für Familien, vom Kino bis zu den Flohmärkten. Einziger Wermutstropfen sei das Bade-Angebot. "Es gibt zwar eine Schwimmhalle, aber mit den Kindern fahren wir eher ins Wonnemar." 

Ein Kommunikationsproblem?

Womöglich ist es bezeichnend, dass die Besucher von außerhalb das Riesaer Angebot deutlich besser beurteilen als die Anwohner, die im Familienkompass die Noten vergeben haben. Heike Kandel, die Chefin der Riesa-Information, kennt das Problem nur zu gut. "Wir haben in Riesa einen relativ vollen Veranstaltungskalender; selbst jetzt in Corona-Zeiten haben viele Anbieter ihre Konzepte umgestellt, damit Besucher kommen können ." Trotzdem erleben auch sie und ihre Kolleginnen ab und an Fälle, in denen Besucher fragen, was denn in Riesa los sei - und mit keinem der Angebote zufrieden sind. Das sei schon manchmal unverständlich. 

Dann zählt Kandel minutenlang ununterbrochen auf, was Riesa eigentlich zu bieten hat: Tierpark, Museum, Bibliotheken, Minigolf, Discgolf, Kinderuni, Sportvereine, dazu die Kinder- und Jugendeinrichtungen von Sprungbrett, Outlaw und die Freizeitinsel; das alles noch flankiert von Angeboten, die zum Beispiel die Großvermieter machen. Derzeit sehe das wegen der Corona-Schutzverordnung natürlich etwas anders aus. "Aber die Bibliotheken sind immer noch offen, die Spielplätze gehen auch." Außerdem sind etwa Riemix und Aufladen weiterhin geöffnet - wenn auch teils mit Einschränkungen. 

Der anderthalbjährige Tim ist mit Nathalie (15) und Tobias Schaffner aus Frauenhain im Olympia unterwegs. Eigentlich gebe es in Riesa doch fast alles, finden sie. Nur zum Baden geht's für sie ins Wonnemar.
Der anderthalbjährige Tim ist mit Nathalie (15) und Tobias Schaffner aus Frauenhain im Olympia unterwegs. Eigentlich gebe es in Riesa doch fast alles, finden sie. Nur zum Baden geht's für sie ins Wonnemar. © Sebastian Schultz

Ähnlich sieht man das auch im Riesaer Rathaus.  Die Freizeitangebote halte man in der Stadtverwaltung "durch die Vielzahl der Vereine in der Stadt, die Ganztagsangebote der Schulen und auch durch kommerzielle Anbieter eigentlich für gut bis sehr gut", teilt Sprecher Uwe Päsler mit. "Das Projekt Rumpelkammer und die Sanierung des Offenen Jugendhauses sind Beispiele, dass wir uns dabei nicht ausruhen."

Heike Kandel glaubt, dass es weniger das Angebot als solches ist, als die Art und Weise, wie es an die Öffentlichkeit gebracht wird. "Entweder, man müsste teils mehr Werbung machen, oder zentraler kommunizieren." Die App der Riesa-Information werde beispielsweise nicht von allen mit Terminen befüllt. Ein bisschen sieht Kandel aber auch die Familien selbst in der Pflicht. "Es ist schon auch Eigeninitiative gefragt." Man müsse eben auch mal suchen - und bereit sein, einen kleinen Weg durch die Stadt auf sich zu nehmen. 

1,8 Millionen Euro flossen in Spielplatz und Minigolf-Anlage

Eine Stimme aus dem Familienkompass legt nahe, dass die Unzufriedenheit mit Angeboten auch gar nicht dem Angebot gelten könnte. "In unserer Region gibt es viele Freizeitangebote für Familien und Kinder", schreibt ein Mann Mitte 60. "Es wäre wichtig, dass alle diese Möglichkeiten nutzen könnten, nicht nur die mit dem entsprechenden Geldbeutel." 

Weiterführende Artikel

Auf halbem Weg zwischen zwei Großstädten

Auf halbem Weg zwischen zwei Großstädten

Von Glaubitz und Nünchritz kommt man schnell nach Dresden wie nach Leipzig – wenn der Zug fährt.

Harald Czudaj legt nach den Preisen gefragt direkt die Flyer aus dem Olympia vor. Im Kinderland zahlen Kinder von einem bis drei Jahren 3,90 Euro, danach 8,50 Euro. Das Golfen kostet sechs Euro pro Kind. Für Gruppen und Familien gibt es Sondertarife. Für überzogen hält Czudaj das nicht. "Man muss auch bedenken, dass wir hier 1,4 Millionen Euro investiert haben, plus noch einmal 400.000 Euro für den Golfplatz - und das alles ohne Förderung. " Und nicht zuletzt soll dieses Geld auch dafür sorgen, dass womöglich in Zukunft noch mehr investiert werden kann - um die Zweifler vom Angebot für Familien in Riesa zu überzeugen. 

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Familienkompass 2020 Riesa