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Zufluchtsort Gröbaer Hafen

Extreme Kälte oder Trockenheit machten der Elbe-Schifffahrt schon vor mehr als 100 Jahren zu schaffen - wie ein Blick in die Riesaer Geschichte zeigt.

Der winterliche Hafen im Jahr 1929. Das Becken in Gröba wurde 1889 eingeweiht. Nur zehn Jahre später folgte die erste Erweiterung.
Der winterliche Hafen im Jahr 1929. Das Becken in Gröba wurde 1889 eingeweiht. Nur zehn Jahre später folgte die erste Erweiterung. © Repro/ Stadtmuseum Riesa

Von Frank Ringleb

Riesa. Wenn das Wetter die natürlichen Voraussetzungen nicht mehr bot, ob im Sommer mit Niedrig- oder Hochwasser oder im Winter mit verstärktem Eisgang, dann war der Schiffsverkehr auf der Elbe erheblich gestört. Und solche Ereignisse kamen reichlich oft vor. Alle Anlieger hatten darunter zu leiden. Der Bau eines Hafens war dringend geboten, weil im Winter Eisgang und Hochwasser einen normalen Wirtschaftsbetrieb an der 2,6 Kilometer langen Elb-Kaimauer sehr erschwerten.

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Nach zweijähriger Bauzeit wurde am 3. September 1889 in Gröba der Winterhafen eingeweiht. Das Hafenbecken hatte noch nicht die heutige Ausdehnung. Es endete dort, wo sich die Hafenbrücke befindet. Da das Umschlagsvolumen sehr schnell stieg, machte sich bald eine Erweiterung des Hafenbeckens und der Lagerkapazitäten notwendig. Diese Erweiterung erfolgte in den Jahren 1899 bis 1901. Das gesamte Hafenbecken war nun im Jahr 1914 nach Abschluss der Bauarbeiten 60 Meter breit und 1.340 Meter lang.

Zu DDR-Zeiten war der Hafen der zweitwichtigste Umschlagplatz an der Elbe, vor allem für Massengüter. Die Regelung des Schiffsverkehrs und die Aufsicht der ‚Einwinterung‘ der Schiffe in den Hafen waren der sächsischen Wasserbauverwaltung vorbehalten.

Wenn im Winter auf der Elbe schwerer Eisgang einsetzte oder der Fluss für mehrere Wochen zufror, legten viele Schiffe im Gröbaer Hafen an. Gleiches galt auch, wenn im Sommer Niedrigwasser herrschte. Es war zum Beispiel 1904 ein ausgesprochen trockenes Jahr. Die Elbe hatte sich in ein durchschreitbares Bächlein verwandelt und 1911 gab es eine ähnliche Situation, so dass der Schiffsverkehr eingestellt werden musste.

Blick in Richtung Reifenwerk: Hier fehlt noch die erst 1912 fertiggestellte Aufmauerung der nördlichen Kaimauer.
Blick in Richtung Reifenwerk: Hier fehlt noch die erst 1912 fertiggestellte Aufmauerung der nördlichen Kaimauer. © Repro/ Stadtmuseum Riesa
Im Februar 1929 war die Elbe zugefroren. Der Fährmeister steckte kurzerhand einen Weg über den Fluss ab – und verlangte „Wegegeld“.
Im Februar 1929 war die Elbe zugefroren. Der Fährmeister steckte kurzerhand einen Weg über den Fluss ab – und verlangte „Wegegeld“. © Repro/ Stadtmuseum Riesa
Der Bugsierdampfer ‚Gunther‘ im Wintereinsatz. Das Schiff kam von 1940 bis 1965 zum Einsatz, um das Eis im Hafenbecken zu brechen.
Der Bugsierdampfer ‚Gunther‘ im Wintereinsatz. Das Schiff kam von 1940 bis 1965 zum Einsatz, um das Eis im Hafenbecken zu brechen. © Repro/ Stadtmuseum Riesa

1929 fror der Hafen völlig ein

Im Hafen drohte Mitte Januar 1929 ein eiserner Kahn von 600 Tonnen Inhalt infolge von Eisunterkeilung unter der Mitte des Fahrzeuges zu brechen und nur mit großer Mühe gelang es, einen größeren Schaden zu verhindern. Temperaturen von 20 Grad unter Null führten im Februar 1929 zur endgültigen Einstellung des gesamten Elbfrachtdampferverkehrs infolge gewaltigen Eisgangs. Das Elbeeis kam vor Riesa zum Stillstand und der Hafen war völlig zugefroren. Es kam deshalb zu Eisquetschungen an den Schiffskörpern. Bei inzwischen 30 Grad unter Null stand das Eis von Dresden bis Hamburg. Das gab es seit 1880 nicht mehr. Damit war der Fährbetrieb zwischen Riesa und Promnitz unmöglich geworden. Der Fährmeister Börner fand einen Ausweg: Er steckte über das Eis einen passierbaren Übergang ab und kassierte „Wegegeld“.

Riesas kleiner Eisbrecher

Von 1940 bis 1965 gab es im Hafen den Bugsierdampfer ‚Gunther‘. Er wurde im Winter zum Eisaufbruch eingesetzt. Er war in der Lage, Eis bis zu einer Stärke von 69 Zentimeter zu brechen. Er war 1908 als Schraubendampferbarkasse in Hamburg gebaut worden. Im Januar 1963 lagen mit Kohle beladene Kähne im Eis des Hafenbeckens fest. Die Fracht konnte nur unter erschwerten Bedingungen gelöscht werden, denn sie wurde dringend benötigt.

Auch bei Hochwasser suchten die Schiffe Schutz im Hafen. Hochwasser gab es zur Genüge. Das letzte mussten wir mit seinen verheerenden Folgen entlang der Elbe 2013 erleben.

Heute hat die gesamte Elbeschifffahrt mehr mit Niedrigwasser zu kämpfen. Diese Einschränkungen werden aber zumeist durch den Containerumschlag über die Schiene ausgeglichen.

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Dieser Text stammt von der Seite "Riesaer Geschichte(n)". Sie erscheint einmal im Monat in der Riesaer Lokalausgabe der gedruckten SZ.

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