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Zweiter Wahlgang nur noch Formsache?

Bei der Bürgermeisterwahl in Stauchitz will Michaela Steuer das Steuer noch herumreißen. Unmöglich scheint das nicht, wäre aber eine Riesenüberraschung.

Herr Im Herrenhaus gesucht. Am Sonntag entscheidet sich, wer in Stauchitz Bürgermeister wird.
Herr Im Herrenhaus gesucht. Am Sonntag entscheidet sich, wer in Stauchitz Bürgermeister wird. © Sebastian Schultz

Stauchitz. Am Sonnabend ist Feiertag, doch für den einen oder die andere wird es erst am Sonntag so richtig Grund zum Feiern geben. Dann müssen die Stauchitzer Wählerinnen und Wähler nochmal ran an die Wahlurne und bestimmen, wer für die nächsten sieben Jahre im Herrenhaus das Zepter in der Hand hält,  zum Nachfolger von Bürgermeister Frank Seifert (parteilos) gewählt wird. Nachdem es im ersten Wahlgang am 20. September keinem der sieben Kandidaten gelang, eine absolute Mehrheit zu erreichen, genügt nun die einfache Mehrheit. 

Nimmt man das Ergebnis des ersten Wahlganges zum Maßstab, ist die Sache klar. Dirk Zschoke holte 42,7 Prozent der Stimmen, Michaela Steuer wurde mit 27,2 Prozent und damit 15 Prozent Rückstand auf Platz zwei verwiesen. Britt Kniesel erreichte 10,7 Prozent, alle anderen blieben im einstelligen Bereich.   

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Die Karten werden neu gemischt

Alles klar also, ist der zweite Wahlgang nur noch Formsache? Auf den ersten Blick ja. Auf den zweiten aber nicht. Denn  die Voraussetzungen sind jetzt andere, die Karten werden völlig neu gemischt. Kann Michaela Steuer das Steuer noch herumreißen? Sind 15 Prozent Rückstand nicht ein zu dickes Brett? Sicher, aber unmöglich scheint es nicht. Ein Grund könnte die "Frauen-Connection" sein. Die beiden anderen Frauen, neben Britt Kniesel ist das Iris Osladil,  zogen nämlich ihre Kandidatur zurück. Unterstellt man nun -  rein theoretisch -  ein gleiches Wahlverhalten wie am 20. September und dass die Stimmen der beiden nun der einzigen noch verbliebenen Frau zufließen, käme diese auf 42,2 Prozent. Und dann sind ja noch die Wähler von Andreas Seidlitz, Dirk Erler und Enrico Barth. Bekommen diese Kandidaten wieder Stimmen, obwohl sie aussichtslos sind, oder geben  deren  Wähler ihre Stimme dann im zweiten Wahlgang lieber an die beiden Favoriten? Und wenn ja, an wen?

Obwohl er nur 4,4 Prozent der Stimmen erhielt, tritt Andreas Seidlitz erneut zur Wahl an, wohl wissend, dass er chancenlos ist. Er hatte immer betont, dass ein Neuanfang unmöglich sei mit Leuten, die jahrelang in der Verantwortung in der Gemeinde standen. Dies träfe sowohl auf Steuer als auch auf Zschoke zu.  Im ersten Wahlgang hätte er mit seiner Kandidatur den beiden Stimmen wegnehmen und damit die absolute Mehrheit verhindern können. Im  zweiten Wahlgang ergibt das aber keinen Sinn. Hier genügt die einfache Mehrheit.   

Enrico Barth von der AfD tritt aus Prinzip nochmal an. Er habe das seinen Wählern versprochen, sagt er. An die guten Ergebnisse seiner Partei bei vorherigen Wahlen konnte er nicht anknüpfen. Die hatte bei der Landtagswahl 2019  immerhin 38,8 Prozent der Stimmen in Stauchitz geholt, war damit klarer Sieger vor der CDU mit 29,7 Prozent. Ein großer Zuwachs im Vergleich zur Gemeinderatswahl im Mai des gleichen Jahres. Hier holte die AfD 12,6 Prozent der Stimmen, wurde drittstärkste Kraft. Ihr stehen zwei Sitze im Rat zu, doch sie konnte nur einen besetzen, weil sie nur einen Kandidaten aufgestellt hatte. Nun der Absturz. Barth kam gerade mal auf 7,4 Prozent. Die Frage ist,  ob ihm seine Wähler treu bleiben, andere Kandidaten wählen oder gar nicht zur Wahl gehen. 

Wer kann die Nichtwähler mobilisieren?

Fast tragisch ist die Sache von Dirk Erler, der für die SPD antritt. Der Stauchaer wollte seine Kandidatur schon für den ersten Wahlgang zurückziehen, weil er inzwischen einen neuen Job gefunden hat. Das ging aber nicht. Entsprechend fiel das Ergebnis aus. Mit 3,8 Prozent landete er auf dem letzten Platz. Zum zweiten Wahlgang wollte er nicht mehr antreten, verpasste aber die Meldefrist.

Eine große Unbekannte ist auch die Wahlbeteiligung. Die lag zwar mit 70,6 Prozent schon sehr hoch. Im Umkehrschluss heißt das aber, dass es rund 30 Prozent Nichtwähler gab. Kann zumindest ein Teil von ihnen für den zweiten Wahlgang mobilisiert werden? Und wenn ja, von wem?

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Dennoch: Alles andere als ein Sieg von Dirk Zschoke wäre angesichts der Ergebnisse vom ersten Wahlgang eine Riesenüberraschung. Nun hat der Wähler, das unbekannte Wesen, erneut das Wort. Am Sonntag gegen 19 Uhr wird das Ergebnis feststehen. Und dann zeigt sich, wer einen Tag nach dem Feiertag Grund zum Feiern hat. 

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