Merken

Riesaer CDU enttäuscht von Mackenroth

Der Schwarzarbeit-Skandal des Justizministers schockiert die Partei. Trotzdem hält sie anseiner Nominierung als Landtagskandidat fest.

Teilen
Folgen

Ulrike Körber

Die Debatte um Schwarzarbeit bei Justizminister Geert Mackenroth bringt jetzt auch die Riesaer CDU ins Schleudern. Die hob sich Mackenroth als Direktkandidat für die Landtagswahl im August aufs Schild und sieht wegen des Debakels jetzt ihre Felle wegschwimmen. Zum Hintergrund: Der Justizminister soll eine Gärtnerin für sein Haus im schleswig-holsteinischen Münsterdorf beschäftigt, aber nicht angemeldet haben.

Selbst Mackenroth-Freundin und Riesas CDU-Stadtverbandschefin Ingeborg Reinacher hat inzwischen Sorge, dass der Wähler die CDU wegen Mackenroths Verhalten abstrafen wird. „Auch wenn die Sache den Minister vielleicht selbst nicht beschädigen sollte, schlimm sind solche Vorkommnisse immer für die politische Basis. Wir laufen hier rum wie die Hasen und sammeln Stimmen für ihn, kämpfen und dann so etwas“, so Ingeborg Reinacher. Während sie die Schwarzarbeiter-Geschichte eher nachsichtig sieht und hinter dem Skandal eine Kampagne gegen den CDU-Kandidaten wittert, hört man aus anderer Richtung schärfere Töne. Dass die Vorwürfe umfassend untersucht werden, fordert beispielsweise der Käbschütztaler CDU-Bürgermeister Uwe Klingor: „Wenn sich herausstellt, dass die Vorwürfe stimmen, muss Mackenroth zurücktreten.“ Solche Dinge könne sich ein Minister einfach nicht leisten.

Heftig grummelt es ebenfalls in der Gröditzer CDU, die als einzige gegen Mackenroths Nominierung eine Konkurrentin (Kerstin Pollmer) aufgeboten hatte. In den Gröditzer Reihen will man sich jedoch nicht öffentlich äußern. Linientreue ist angesagt. Man halte an Mackenroth fest. „Es wäre eine Bankrotterklärung, wenn wir jetzt neu nominieren würden“, so Ingeborg Reinacher. Das komme für sie nicht in Frage. Zeit jedoch wäre noch. Laut Kreis-Geschäftsführer der CDU Johannes Kletzka ende die Frist, um Kandidaten zu melden erst im Juni. Würde Mackenroth auf seine Bewerbung um das Mandat verzichten, müsste das ganze Verfahren neu ausgeschrieben werden. Nicht nur das und die Blamage will man sich in Riesa jedoch ersparen – dort hat man schlicht kein Personal, um Mackenroth als Kandidaten zu ersetzen.

Für den Politologen Professor Werner Patzelt ist das symptomatisch. „Die CDU hat Probleme, Führungspositionen zu besetzen. Ihre Rekrutierungsbasis ist relativ dünn.“ Patzelt sieht den Schwarzarbeit-Debatte um Mackenroth doppelt riskant für die CDU. Zum einen senke sie das Ansehen der Partei, zum anderen untergräbt sie die Loyalität innerhalb der Christdemokraten. Wenn Kandidaten wie bei der CDU inzwischen üblich nicht unter ortsansässigen Gewächsen gesucht werden, sondern sonst woher jemand geholt wird, fehle es gerade in Krisenzeiten an Unterstützung, so Patzelt.

Mackenroth auf SZ-Anfrage: „Ich bleibe Kandidat der CDU im Wahlkreis 37. Die Riesaer CDU steht hinter mir, und zwar, soweit ich erkenne, geschlossen. Die juristischen Fragen werden sich hoffentlich schnell klären.“