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Riesaer proben für Semperopernball

Zehn Debütanten-Paare schickt die Tanzschule Graf nach Dresden. Die mussten aber zunächst zum Casting.

© Sebastian Schultz

Von Antje Steglich

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Riesa. Zum Warmwerden wird der Wiener Walzer angestimmt. Denn den müssen die Paare auch noch im Schlaf können. „Nicht so schnell“, ruft Tanzlehrerin Dorit Graf einem Pärchen zu, während sich die jungen Tänzer mal rechts herum, mal links herum drehen. Es ist Mittwochabend. Zeit für den sogenannten Jugendklub – einer freiwilligen Übungsstunde für alle Tanzpaare. Zehn Jugendliche wirbeln über das Parkett, manche in Jeans und Bluse, manche im Kleid. Abgesehen von den Tanzschuhen gibt es keine Kleiderordnung. Die Stimmung ist locker – auch wenn das eine oder andere Paar schon mal aus dem Takt kommt.

Andreas Gabalier präsentiert mit Debütantin Franziska das Ballkleid 2019: Das eisblaue Spitzenkleid wurde von Designer Detlef Mandel entworfen.
Andreas Gabalier präsentiert mit Debütantin Franziska das Ballkleid 2019: Das eisblaue Spitzenkleid wurde von Designer Detlef Mandel entworfen. © Sven Ellger

„Am Anfang tanzen die Schüler den Wiener Walzer eigentlich gar nicht gern. Er ist zu anstrengend, zu schnell. Der Cha-Cha-Cha ist dagegen mit Abstand der beliebteste Tanz“, weiß Dorit Graf, während sie vom Musikpult aus die Tänzer beobachtet. Seit 23 Jahren betreibt sie die ADTV-Tanzschule am Riesaer Puschkinplatz. Doch noch immer fiebert sie sehr mit ihren Schützlingen mit. Der September sei auch in diesem Jahr wieder besonders aufregend gewesen, erzählt sie lachend. Da fanden nämlich die alljährlichen Castings für den Semperopernball in Dresden und Leipzig statt.

Zehn Paare schickte die Riesaer Tanzschule an den Start. „Man hat drei Chancen. Für einige war es sehr knapp“, erinnert sich Dominik Godau. Per WhatsApp standen der 18-Jährige und die anderen Tanzschüler während des gesamten Castings in Kontakt mit Dorit Graf, die von Riesa aus die Daumen drückte. Am Ende wurde so manche Freudenträne vergossen. Denn alle zehn Paare wurden ausgewählt.

Ballkleider wie von der Eisprinzessin

Der 14. Semperopernball findet am 1. Februar 2019 unter dem Motto „Faszination Dresden – Träume werden wahr“ statt. 2500 Gäste werden in dem Opernhaus erwartet, bis zu 15000 davor. Der Ball wird live im Fernsehen übertragen, drei Millionen Menschen sahen zuletzt zu.

Prominente Gäste sind unter anderem Tenor José Carreras und Sänger Andreas Gabalier. Moderator ist Roland Kaiser.

Hundert Debütantenpaare werden den Ball eröffnen. Die Tänzer müssen zwischen 16 und 29Jahre alt sein und mindestens das Tanzabzeichen in Gold abgelegt haben.

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Sie gehören damit zu den hundert Debütanten-Paaren, die am 1. Februar den 14. Semperopernball in Dresden eröffnen und Wiener Walzer tanzen werden. Bis zu zehn Minuten lang. Nach einer schwierigen Choreografie. „Die kenne ich auch noch nicht“, sagt Dorit Graf, „doch in der Regel müssen sich die Debütanten ganz schön viel merken.“ Erst in der Woche vor dem Ball werde die Choreografie gegeben. Drei Tage lang werden die Jugendlichen dann bis in die Nacht in der Börse Coswig von der Dresdner Tanzschule Lax unterrichtet, bevor es zur Generalprobe in die Semperoper geht. Am Freitag folgt der große Auftritt. „Und danach wird bis zum Morgengrauen durchgetanzt“, so die Jugendlichen. „Das wird zwar sicher eine harte Woche“, sagt Debütantin Maria Nimetschek. Die meisten Tänzer wollen sich deshalb frei nehmen und haben auch schon Hotelzimmer in Dresden gebucht. Die Vorfreude überwiege auf jeden Fall. Auch weil die Kleider in diesem Jahr so schön sind, sagen die Tänzerinnen. Die Anforderungen sind allerdings hoch, weiß auch Dorit Graf. Denn die Debütanten bräuchten nicht nur tänzerische Qualität und Ausstrahlung, sondern auch das nötige Kleingeld. Um die 500 Euro müsse man für die Teilnahme inklusive Proben, Kleidung und Hotel rechnen. „Aber bisher haben alle gesagt: Wir würden es wieder machen“, so Dorit Graf.

Seit der Wiederbelebung des Semperopernballs im Jahr 2006 stellt die Tanzschule Graf bereits Debütantenpaare. Die meisten davon hätten mit dem Tanzen während der klassischen Tanzstunde in der neunten Klasse begonnen. Im Durchschnitt machen 90 Prozent der Riesaer Gymnasialschüler den achtwöchigen Kurs mit, bei den Oberschülern sind es 40 bis 50 Prozent. „Es wird auch wieder mehr“, so Dorit Graf. Wer weitertanzen will, kann danach Fortgeschrittenen-Kurse belegen, Tanzprüfungen ablegen – und sich vielleicht irgendwann als Debütant bewerben. „Ich wollte eigentlich auch nur den Anfängerkurs belegen“, erinnert sich Laurin Heßlich lachend. „Doch dann habe ich beim Abschlussball mit meiner Tanzpartnerin Lilly den Tanzwettbewerb gewonnen und habe doch weitergemacht.“ Jetzt ist der Jugendliche einer von den Tänzern beim Jugendklub und sieht die Übungsstunden für den Semperopernball eher als Hobby denn als Pflicht an. Schließlich seien die meisten Tänzer mittlerweile auch gut befreundet, erzählt er: „Tanzen verbindet eben.“