merken

Riesaer Traditionsunternehmen meldet Insolvenz an

Bei der Mittelsächsischen Textilreinigung MTR sind zwei Großaufträge ausgelaufen. Das trifft mehr als 200 Mitarbeiter.

© Sebastian Schultz

Riesa. Krankenhäuser in Riesa, Meißen, Oschatz und Torgau stehen auf der Referenzliste. Auch Potsdam, Kamenz und Dresden sind dort vertreten. Nun hat die Mittelsächsische Textilreinigungs- und handels AG (MTR) aus Riesa Insolvenzantrag beim Amtsgericht Dresden gestellt. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Dr. Rainer M. Bähr. Der Rechtsanwalt führt den Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fort.

Begeistere deinen Verstand!

Wissensdurst? Wir stillen ihn - im deutschen Hygienemuseum.

Bähr macht sich derzeit am Hauptsitz in Riesa ein Bild über die Lage des Unternehmens mit mehr als 200 Mitarbeitern, um die Sanierungsmöglichkeiten prüfen zu können. Dazu hat er Gespräche mit Gläubigern, Kunden und Lieferanten aufgenommen. Ein mögliches Sanierungsszenario ist die Durchführung eines Insolvenzplanverfahrens, also eine Art Vergleich mit den Gläubigern, unter Einwerbung eines Investors. In Betracht kommt auch der Verkauf der Unternehmen an einen Investor.

„Die Insolvenzanmeldung bleibt ohne Einfluss auf das Tagesgeschäft, der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter“, erklärt der Dresdner Rechtsanwalt von der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm. Alle Aufträge würden mit der bekannten Qualität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit ausgeführt.

Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter seien bis Februar über das Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Bähr hat bereits die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes über eine Bank initiiert, damit die Gehälter ohne Verzögerungen ausgezahlt werden können. „Sicherlich ist es derzeit noch zu früh, eine abschließende und umfassende Stellungnahme abzugeben. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass das Unternehmen erhalten werden kann.“ Die Mitarbeiter seien bereits bei Betriebsversammlungen an den zwei Standorten in Riesa und Niesky über die Situation informiert worden – von Insolvenzverwalter und Geschäftsführung. – Der Insolvenzantrag sei notwendig geworden, weil dem Unternehmen durch einen erheblichen Umsatzrückgang die Zahlungsunfähigkeit drohte. Das Problem sei aus dem Auslaufen von zwei wichtigen Großkundenaufträgen 2016 resultiert. „Die Umsatzeinbußen konnten nicht ausreichend durch Neuaufträge kompensiert und die Kostenstrukturen nicht rechtzeitig entsprechend angepasst werden“, teilt der vorläufige Insolvenzverwalter mit.

Die MTR bearbeitet an ihren Standorten Riesa und Niesky täglich mehr als 30 Tonnen Wäsche. Rund 20 Krankenhäuser mit fast 7 000 Betten, mehr als 40 Hotels und über zehn Pflegeheime gehören zu den Kunden. So beliefert MTR im Rahmen der Stationsversorgung Krankenhäuser und Pflegeheime mit frischer Wäsche. Dabei bestellen Kunden dank des elektronischen Bestandsmanagementsystems nur so viel Wäsche, wie sie tatsächlich brauchen. Das Unternehmen stattet Patienten und Personal auch mit Berufs- oder Funktionskleidung aus. Die Operationsversorgung ist die dritte Dienstleistungssäule.

MTR blickt auf eine 60-jährige Geschichte zurück: 1956 wurde der VEB Textilreinigung Riesa auf der Bahnhofstraße gegründet, 1976 zog man auf den Wasserweg um – wo man noch heute sitzt. Als Bestandteil des VEB Textilreinigungskombinates Dresden war der Betrieb zuständig für die Versorgung der damaligen Kreise Riesa, Meißen, Großenhain und Freital. In den 1980ern wurden die Wäschereien Großenhain und Nossen in den VEB eingegliedert, der sich auf die textile Vollversorgung von Krankenhäusern spezialisierte. Damals hatte der Betrieb nach eigenen Angaben rund 650 Mitarbeiter und eine Tagesleistung von 20 Tonnen Wäsche im Dreischichtsystem. (SZ)