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Riesen-Iglu wird zum Treffpunkt

In Kittlitz haben Familien gemeinsam ein Schneehaus gebaut. Auch sonst wird Nachbarschaftshilfe groß geschrieben.

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© Rafael Sampedro

Von Constanze Junghanß

Kittlitz. Wie baut man denn ein Iglu? Peter Schulz lacht und lädt erst einmal in sein selbst gebautes Schneehaus zur Sitzprobe ein. Die Tür steht immer offen, denn sie ist eher ein Loch. Statt auf einem Sofa nimmt man auf Schlitten Platz. Mit sechs Stück ist Schulz‘ „gute Stube“ ausgestattet. In der Mitte steht ein kleiner Holztisch, an der Wand eine große Bretterkiste. „Für den Glühwein“, sagt der 56-Jährige und zeigt auf den roten Fleck im Schnee darunter. Am Abend wird der Kessel aufgeheizt. Dann findet sich die Nachbarschaft vom Skalablick – einer Siedlung in Kittlitz – ein, um im Schein von Kerzen bei ein oder zwei Gläsern Punsch zu plaudern. Probiert haben das die Kittlitzer schon in Varianten mit Orange, aus Heidelbeeren und selbst aufgesetztem Rotwein mit Gewürzen. Die Nachbarn waren es auch, die Peter Schulz den Anstoß gaben, ein Iglu vor seinem Haus zu bauen.

Vor vielen Jahren gab es so eine Eisbude schon einmal. „Da waren unsere Kinder noch klein“, erzählt der gebürtige Löbauer. An das Iglu erinnerten sich die Anwohner gern. Und so kam die Frage auf, ob man ein solches Bauwerk nicht wieder zusammenschippen könnte. In Ermangelung von genügend Schnee war das in den letzten Jahren nicht umsetzbar. Beim derzeitigen Winterwetter wurde der Plan nun vor einigen Tagen zum „Welttag des Schneemanns“ in die Tat umgesetzt. Den rief eine Initiative 2010 ins Leben. Er findet immer am 18. Januar statt. Einerseits, weil da kein anderer besonderer Tag im Kalender zu finden ist. Andererseits soll die Zahl Eins den Besen, die Acht den Schneemannkörper symbolisieren, heißt es von der Initiative.

Einen Schneemann wollten die Kittlitzer nicht bauen. Sondern eben das Iglu in Erinnerung an den Bau von früher. Um so ein großes Schneehaus zu errichten, braucht es Kraft und Zeit. Fünf Kittlitzer Familien mit ihren Kindern schaufelten zuerst einen Riesenschneeberg neben Schulzes Einfahrt zusammen. „Dann haben wir den Berg ausgehöhlt“, erzählt der Konstrukteur der weißen Hütte. Das Innere vom Schneehaufen kam dann oben wieder drauf und an die Seiten. Kräftig klopften behandschuhte Hände und Schneeschieber die Wände fest. Und nach immerhin zwei durchgängigen Tagen mit vollem Arbeitseinsatz stand das Iglu schließlich.

Der Rundbau prangt nun sichtbar mit einer stolzen Kuppelhöhe von 2,90 Meter nicht weit vom Ortseingang von Kittlitz entfernt. Der Durchmesser beträgt mehr als 2,50 Meter. Ausschmückung gehört dazu. Tannengrün, Kerzen und im Eingangsbereich ein kleiner Elch aus Zweigen sorgen für Gemütlichkeit. Wie lange die nun anhält, ist vom Wetter abhängig. So lange der Winter sich noch von seiner besten Seite zeigt, bleibt das vergängliche Bauwerk stehen, sagt Schulz. Im Dunkeln glitzern die Eiskristalle an den Innenwänden, die die Atemluft der Besucher zaubert. Dass das Iglu zum Treffpunkt der Nachbarschaft wurde, freut den Besitzer, der Inhaber des Löbauer Schlafstudios ist, sehr. Nachbarschaft und gegenseitige Unterstützung würden im Skalablick eine wichtige Rolle spielen. Wenn jemand mal vergessen habe, Eier oder Milch zu kaufen, dann ginge man zum Nachbarn klingeln. Gartengeräte werden ausgetauscht, man grüße sich immer freundlich und nicht selten nehmen sich die Bewohner Zeit für einen Plausch.

„Die Siedlung selbst ist noch gar nicht so alt“, erzählt Schulz. In diesem Jahr werden es 20 Jahre. In der Anfangszeit, erinnert er sich, gab es gemeinsame Wohngebietsfeste. Diese Tradition soll in diesem Jahr anlässlich des runden Jubiläums wieder ins Leben gerufen werden. Vielleicht greift Peter Schulz dann auch zum Zauberstab. Er ist Mitglied im „Magischen Zirkel Zittau“ und im „Magischen Zirkel Deutschland“ und hat sich mit Bühnenzaubereien und anderen Veranstaltungen über Löbaus Grenzen hinweg einen Namen gemacht.