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Riesen-Welse aus Riesa

Der Angelverein Riesa-West hat Wasser abgelassen, um die größten Exemplare rauszuholen. Bei einem Tier mussten vier Mann anpacken.

© privat

Von Britta Veltzke

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Am Ende... gut

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Riesa. Geradezu monströs wirken die Welse, die der Anglerverein Riesa-West am Wochenende aus seinem „Hausgewässer“, dem Merzdorfer Teich, gezogen hat. Der größte der sieben Fische bringt es auf mehr als zwei Meter. „Da mussten wir schon zu viert anpacken“, sagt Steffen Otto, Gewässerwart des Merzdorfer Teichs. Erstmals seien sie dort jetzt zur sogenannten „Hege“ angetreten. Übrig sind jetzt noch Zander, Karpfen, Hecht und Weißfische. „Wir haben etwa eine Woche vorher Wasser abgelassen. Jetzt läuft der Teich gerade wieder voll“, erklärt Otto. Der Wasserspiegel wurde so weit abgesenkt, dass die „dicksten Brocken“ herausgeholt werden konnten.

Das waren in diesem Fall eben die sieben Welse – alle 1,50 Meter und größer. Anfang der 90er Jahre hatten die Angler sie als junge Fische in den Teich gesetzt. Der Gewässerwart geht daher davon aus, dass sie rund 25 Jahre alt sind. So alt? „Das ist noch gar nichts. Welse können bis zu 80 Jahre alt werden.“ Auch in Sachen Größe ist das Maximum noch nicht erreicht. Bis zu drei Meter lang kann der Europäische Wels werden. Und solche „Oschis“ fressen viel – leider auch die jungen Fischchen, die der Angelverein jährlich in den Merzdorfer Teich nachsetzt. Das soll nun ein Ende haben.

In der Pfanne oder im Kochtopf sind die Riesen-Welse jedoch nicht gelandet. „Der Bauch besteht im Grunde nur aus Fett. Die machen hier ja nichts anderes als den ganzen Tag nur zu fressen“, erklärt Steffen Otto. Theoretisch könne man Teile des Filets gebrauchen. „Aber das macht man dann bei so großen Exemplaren nicht mehr.“

Stattdessen sind die sieben großen Welse in Wasserbehältern an die Teichwirtschaft Zschorna (Gemeinde Thiendorf) gegangen. Dort werden sie für die Zucht genutzt, bestätigt Erik Angermann. Denn der Wels sei ein beliebter Speisefisch – allerdings nicht in dieser Größe. „Der typische Küchenwels, wie er in der Gastronomie zum Einsatz kommt, ist etwa 60 Zentimeter lang und wiegt ein bis zwei Kilo“, erklärt der Mitarbeiter der Teichwirtschaft. Er selbst war beim Abfischen in Merzdorf dabei. Ein solcher Einsatz sei nicht ungefährlich. „Da kann man zum Beispiel im Schlamm stecken bleiben und ertrinken.“ Auch der Umgang mit den glitschigen Riesen ist sicher nicht ganz einfach. „Aus der Elbe werden häufiger so große Welse gezogen. Aber für so ein kleines Gewässer wie der Merzdorfer Teich ist das schon etwas Besonderes“, so Erik Angermann.

Der Angelverein war am Wochenende unterdessen nicht nur damit beschäftigt, sich von seinen größten Fischen zu trennen. „Wir haben außerdem das Ufer gereinigt“, erklärt der Gewässerwart. Dabei sind die Vereinsmitglieder auch immer noch auf Öl-Spuren gestoßen. Im Herbst 2016 war auf dem nahegelegenen Gelände der AGV ein Tanklaster ausgelaufen. Angst vor nachhaltigen Schäden des Teichs haben die Angler aber nicht. Aus Sicht von Gewässerwart Steffen Otto ist das Thema erledigt. „Wir hatten keine toten Fische, und die Angler, die Fische aus dem Merzdorfer Teich gegessen haben, leben auch noch.“