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Rietschen feiert die Ostsachsen-Königinnen

Die Handballerinnen von Stahl Rietschen machen mit einem Heimsieg den Titel klar. Die Aufstiegsfrage ist noch offen.

© Verein

Von Rayko Schröder und Frank Thümmler

Rietschen. Es ist geschafft! Die Stahl-Mädels sind Ostsachsenmeister. Am Sonnabendnachmittag krönten sich die Ladys des SSV Stahl Rietschen selbst für ihre überragende Saison und sind nach einem Heimsieg vorzeitig Ostsachsenmeister. Der HSV 1923 Pulsnitz war zu Gast. Da man den Gegner aufgrund eines verlegten Hinspiels (auf den 24. März) in der laufenden Saison nur aus der Tabelle kannte, war ungewiss, welche Mannschaft den Mädels gegenüberstehen würde. Sicherlich gingen die Rietschener Damen als klarer Favorit gegen den Vorletzten der Liga an den Start, wenn da nicht die Aufregung gewesen wäre …

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Das entscheidende Spiel begann, und die Gäste legten sofort mit Tempohandball los. Die Abwehr stand noch nicht solide, und man sah sich schnell mit 1:3 im Hintertreffen. Eine Auszeit und personelle Veränderungen sollten die Wende bringen. Es wurde fortan im Angriff konzentrierter agiert, und auch die Abwehr schien sich zu finden. Bis zum Ausgleich (4:4) setzten die Gastgeberinnen die Anweisungen der Trainer Hänchen und Gröscho um, aber irgendwie war in der ersten Halbzeit der Wurm drin. Zu sehr ließen sie sich vom harten Spielstil der Gäste beeindrucken. Über die Stationen 5:6, 9:11 und 11:13 war Pulsnitz stets einen Schritt voraus und forderte besonders die Abwehr der Stahl-Wölfinnen. Beim 14:15 zum Pausenpfiff war allen klar: Wenn sie heute die Meisterschaft feiern wollen, müssen sie noch eine Schippe drauflegen.

In der Ansprache zur Halbzeit standen hauptsächlich die technischen Fehler und die noch zu instabile Abwehr auf dem Plan der Trainer. In der Kabine aber, war keine gedrückte Stimmung! Alle Spielerinnen waren hoch motiviert, dass dieses Spiel ihr Spiel werden sollte. Deutlich konzentrierter präsentierten sie sich im zweiten Durchgang. Direkt in den ersten fünf Minuten gelang den Hausherrinnen der Ausgleich und nur einen kurzen Augenblick später der Führungstreffer. Doch gleich darauf folgte der Schockmoment des Spiels: ein Gesichtstreffer gegen Rebecca Naß, nach dem ihr der Kiefer wieder eingerenkt werden musste – und damit die berechtigte Disqualifikation gegen die Pulsnitzer Spielerin. Danach zeigten unsere Mädels, wer der Meister in der Halle ist, und präsentierten sich in den letzten 15 Minuten gewohnt stark. Mit dem 17:16-Führungstreffer ging es mit einem schnellen Angriffsspiel und einer soliden Abwehr weiter. Fünf Minuten vor Schluss und mit einer 24:20-Führung war die Vorentscheidung gefallen, und die Fans sangen ihre Mädels über die Ziellinie. Die Dämme brachen und Freudentränen kullerten über die erleichterten Gesichter der Spielerinnen. Mit diesem 26:22 Sieg ist Rietschen Ostsachsenmeister! Die Stahl-Frauen haben nach 13 Siegen und zwei Unentschieden 28:2 Punkte auf dem Konto und könnten vom Radeberger SV II theoretisch (wenn Rietschen die drei noch ausstehenden Spiele verlieren würde) noch eingeholt werden. Aber bei Punktgleichheit zählt der direkte Vergleich, und die Rietschenerinnen haben beide Spiele gegen Radeberg gewonnen. Dieser Titel ist eine Sensation, wenn man bedenkt, dass die Rietschener Mannschaft in der Saison zuvor mit 8:28 Punkten Neunter der Zehnerliga geworden waren und die personellen Veränderungen so groß nicht waren.

Trainer Markus Hähnchen sagt: „Unser Aufschwung hat eigentlich schon in der vergangenen Saison begonnen, mit dem neuen Trainer Ronald Meier. Sein athletisch viel anspruchsvolleres Training zahlt sich aus. Und dann spielen wir mehr und mehr ein modernes, schnelles Spielsystem, mit dem wir in der Ostsachsenliga sehr erfolgreich sind.“ Dazu dürfe man die Rückkehr der höherklassig erfahrenen Sarah Hilke nicht vergessen, die die Mannschaft auf dem Feld führt. Wie es jetzt weitergeht – Aufstieg in die Verbandsliga oder lieber nicht – will die Mannschaft in dieser Woche gemeinsam beraten. Auf der einen Seite lockt das Abenteuer, die neue Erfahrung, auf der anderen Seite wissen alle, dass es superschwer werden würde, in dieser Spielklasse zu bestehen.

Aber erst einmal wurde gebührend gefeiert – mit Sekt und Bowle. Und dann soll die Saison gebührend zu Ende gebracht werden, möglichst ungeschlagen.

Rietschen: Lara Wenzel und Carola Hilke – Antonia Tschirch (1), Rebecca Naß (6/2), Maria Meier (2), Tabea Dörwald (2), Grit Schuster (4), Sandra Adolph, Josefine Kubitza, Laura Hentschel, Kim Weiß (1), Sarah Hilke (5/3), Anne Klippel (1), Susi Uchlier (4)

In der Saison kämpften außerdem Fränze Schönbrodt, Nadine Walter und Andrea Hilsberg. Die Meistertrainer sind Robert Meier, Markus Hänchen und Stephan Gröscho.