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Rietschen macht mobil

Uwe Bürger baut einen Wohnmobilparkplatz auf dem Erlichthof auf. In der Region sieht der Leipziger viel Potential.

© privat

Von Alexander Kempf

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Rietschen. Es gibt viele Stellplätze für Wohnmobile, erzählt Uwe Bürger, die mittlerweile voll automatisiert sind. Seine Philosophie ist das nicht. „Ich halte es für wichtig, dass es vor Ort einen persönlichen Ansprechpartner gibt“, sagt er. Darum will der Leipziger im kommenden Jahr zeitweise nach Rietschen ziehen, um dort auf dem Erlichthof seinen zweiten Wohnmobilstellplatz aufzubauen. Erst am Montagabend haben die Rietschener Gemeinderäte sich einstimmig darauf geeinigt, mit ihm einen Pachtvertrag abzuschließen. Uwe Bürger freut sich auf die Aufgabe im nächsten Jahr. Ab März soll bei ihm dann die erste Saison beginnen.

Schon beim Bau des Platzes berät der Unternehmer Rietschen, berichtet Bürgermeister Ralf Brehmer. Uwe Bürger hat sich beispielsweise dafür stark gemacht, dass der Stromverbrauch für jeden Nutzer des Platzes individuell abgerechnet werden kann. Die Camper müssen einfach mit Münzen ein Guthaben aufladen. Denn auf seinem Platz in Leipzig hat Uwe Bürger die Erfahrung gemacht, dass eine pauschale Stromversorgung für die Nutzer zwar einfacher ist, zuweilen aber auch missbraucht wird. Dann nämlich wenn die Klimaanlagen oder die Heizungen der Wohnmobile ohne Not elektrisch betrieben werden. Das treibt den Stromverbrauch in die Höhe und führt zu höheren Pauschalen. Daher will er das abrechnen, was auch tatsächlich verbraucht wird. „Das ist eine faire Geschichte für alle“, sagt Uwe Bürger.

Doch nicht nur Strom soll es auf dem neuen Rietschener Wohnmobilstellplatz geben. Uwe Bürger plant auch kabelloses Internet und einen Brötchenservice. Letzteres sei für viele Gäste in Leipzig ein Komfortmerkmal. Darum hat er in Rietschen schon Kontakt zu einem Bäcker aufgenommen. Überhaupt zeigt sich der Leipziger von der guten Infrastruktur in Rietschen beeindruckt. Für die Größe des Ortes sei diese sehr gut. Und es gibt ringsum für Touristen viel zu sehen und zu erleben. Der Wolf fasziniert viele Menschen, genau wie die historische Altstadt von Görlitz. Aber auch das Thema Fischzucht sei spannend, so Uwe Bürger.

Er sucht schon nach Themen, die er seinen Gästen in Leipzig empfehlen kann. Denn in der Branche läuft sehr viel über Tipps. Da viele, die in Leipzig halt machen, später weiter in Richtung Berlin oder Sächsische Schweiz fahren, erscheint ihm ein Stellplatz in der Lausitz als lohnende Investition. „Rietschen macht Sinn, um die Distanzen zu verringern und die Region zu erschließen“, sagt Uwe Brückner. Er ist zuversichtlich, dass die 19 Stellplätze auf dem Erlichthof auch nachgefragt werden. Darum will er den Platz zunächst auch persönlich betreuen. „Man muss von Anfang an schauen, dass das in eine positive Richtung läuft“, sagt der Unternehmer. Gerade weil die Szene überschaubar ist, sprechen sich Lob wie Tadel schnell herum.

Den Platz in Leipzig wird während seiner Abwesenheit ein Mitarbeiter weiterführen. Hat sich alles erst einmal eingespielt, dann ist der Betreuungsaufwand überschaubar, erzählt Uwe Bürger. Der Platz in Leipzig hat sich in den vergangenen vier Jahren sehr gut entwickelt. Was vermutlich auch der Lage geschuldet ist. Die Stadt prosperiert und lockt nicht nur Jahr für Jahr Tausende Neubürger, sondern auch unzählige Touristen an. Uwe Bürgers Stellplatz liegt zudem außerhalb der Umweltzone und kann so auch von älteren Wohnmobilen angesteuert werden. Mit dem Nahverkehr können die Gäste dann entweder die große Stadt oder die gefluteten Tagebauseen um Leipzig, das sogenannte Neuseenland“, erkunden.

Mit urbanem Flair kann Rietschen nicht punkten. Doch dass ihm in der Oberlausitz langweilig werden könnte, das befürchtet Uwe Bürger nicht. „Meine Frau und ich sind immer sehr angetan, wenn wir in Rietschen sind. Es ist vielleicht gar nicht schlecht, dass wir mal dem Großstadttrubel entfliehen“, sagt er. Die Leipziger Geschäftigkeit sorgt aber natürlich auch für gute Umsätze. Zumal Uwe Bürger in der Großstadt auch gute Parkeinnahmen erzielt, da sein Wohnmobilstellplatz an einem Parkschloss liegt, in dem am Wochenende gerne geheiratet wird. Die Plätze in Rietschen und Leipzig sind also nur bedingt miteinander zu vergleichen.

In den kommenden Wochen und Monaten will Uwe Bürger nun die Präsenz des Rietschener Reisemobilhafens in den einschlägigen Führern und Foren erhöhen. „Mein Ziel ist es, den Stellplatz einer breiten Masse bekannt zu machen“, sagt er. Dabei muss er nicht nur die Gäste, sondern auch die Gemeinderäte überzeugen. Denn die haben im Pachtvertrag auf eine zweijährige Probezeit Wert gelegt. „Damit wir reagieren können, wenn es nicht funktioniert“, so Gemeinderat Helmut Perk. Fertig werden soll der Platz laut der Gemeindeverwaltung „in Bälde“. Das geplante Servicegebäude mit Toiletten lässt aber länger auf sich warten. Erst im Herbst 2017 sollen die Aufträge dafür vergeben werden.

Auf Dauer braucht es stationäre Sanitäranlagen, wenngleich die Wohnmobile diese eigentlich an Bord haben. „Wenn es eine normale Toilette vor Ort gibt, zieht man das immer vor“, so Uwe Bürger. Der Unternehmer ist selbst begeisterter Camper und stammt aus Meißen. Erst seit 2008 lebt er in Leipzig. Seinen Wohnmobilstellplatz dort hat er zuerst nur nebenberuflich betrieben. Mittlerweile aber lebt er davon. Dabei helfen ihm seine Kontakte von früher. Er hat selbst einige Zeit bei einem Händler für Wohnmobile gearbeitet, erzählt Uwe Bürger: „Ich bin aus der Branche.“ Da verwundert es nicht, dass er selbst ein Wohnmobil besitzt. Der Umzug nach Rietschen dürfte also nicht so schwierig sein.

Rietschens Bürgermeister lobt den designierten Pächter des neuen Wohnmobilstellplatzes. „Er macht einen kompetenten Eindruck“, sagt Ralf Brehmer. Schon am Donnerstag können beide Seiten den Vertrag unterschreiben.