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Rime erweitert sich erneut

Zum fünften Mal rollen an der Lauchhammerstraße die Bagger an. Danach ist kein Platz mehr auf dem Grundstück.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Riesa. Es läuft bei Rime: Die Auftragslage bei dem Metallspezialisten ist so gut, dass jetzt nach dem Bau der ersten Halle 1992 schon die vierte Erweiterung angegangen wird. Am Donnerstag war der erste Spatenstich für ein Projekt, das insgesamt eine Investition von mehr als fünf Millionen Euro ausmacht. „Für 1,2 Millionen Euro bauen wir eine neue Halle. Den Rest machen neue Maschinen aus“, sagt Betriebsleiter Steffen Wätzig. Und die brauchen Platz: Geplant sind unter anderem eine große Schrankbiegemaschine, ein Großlaser, ein Festkörperlaser. „Wir wollen unseren Kunden die neueste Technik bieten!“

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Die Visualisierung zeigt die geplante Erweiterung der Rime-Halle. Grau ist der vorhandene Bestand, rot der Neubau dargestellt. Die obere Ansicht zeigt das Gebäude von der Seite Schönbergstraße, die untere die Ansicht von der Lauchhammerstraße.
Die Visualisierung zeigt die geplante Erweiterung der Rime-Halle. Grau ist der vorhandene Bestand, rot der Neubau dargestellt. Die obere Ansicht zeigt das Gebäude von der Seite Schönbergstraße, die untere die Ansicht von der Lauchhammerstraße. © AmP Ingenieurgesellschaft Riesa/Rime GmbH

Damit fertigt Rime Spezialteile aus Stahl, die in ganz Europa benötigt werden. „Wir exportieren auch nach Dänemark, Schweden, Österreich, Tschechien und Slowenien“, sagt Wätzig. Selbst in die USA gingen schon Stahlteile aus Riesa – für die Verkleidung eines Museums in New York. Der Laie erkennt die Produkte aus Riesa allerdings im Alltag nicht wieder. Sie finden sich vor allem in Industriebetrieben wie bei Trumpf in Neukirch/Lausitz, in der Zementindustrie, dem Chemieanlagenbau. „Nur mit der Kfz-Branche haben wir nichts zu tun“, sagt Steffen Wätzig.

Voll seien die Auftragsbücher trotzdem. Die geplante Erweiterung hat aber noch einen Grund: den anstehenden Verkauf der Freyler-Halle gleich nebenan. Bislang habe Rime die Fläche nutzen können, um dort große Produkte für seine Kunden montieren zu können. Da noch offen sei, wer die Halle künftig nützen könne, baue man vor. Gleichwohl hat man bei Rime weiterhin Interesse am Kauf der Freyler-Halle. Allerdings sei noch nicht entschieden, wer von den Bewerbern den Zuschlag erhält.

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us zehn Leuten wurden 100

So oder so: Mit dem jetzt gestarteten Erweiterungsbau wird das Areal zwischen Lauchhammer- und Schönbergstraße voll sein. 1992 hatte Rime dort mit zehn Leuten und der ersten Halle angefangen. 1997 kam die zweite Halle dazu, 1999 eine Erweiterung nach hinten, 2014 der nächste Anbau. Dabei hat man immer wieder gemerkt, dass man auf dem einstigen Stahlwerksareal immer wieder mit unerwünschten Bodenfunden rechnen muss: etwa mit den Resten von alten Öfen und Schornsteinen. Das sorgte immer wieder für Zusatzkosten.

Auf der nächsten Brache hofft man, dass die Überraschungen etwas geringer ausfallen. „Das war früher ein Blockplatz“, sagt Steffen Wätzig. Dort wurden im Stahlwerk hergestellte Blöcke gelagert. Allerdings gab es dort eine markante Kranbahn – und die stand auf Betonfundamenten. „Auf das Erste sind wir bei Probegrabungen schon gestoßen.“ Und deshalb hat man sich auch ganz genau überlegt, wo man die fünf Herren beim ersten Spatenstich zum Werkzeug greifen ließ: Neben dem Betriebsleiter waren das Rime-Geschäftsführer Frans Tollenaar, Riesas OB Marco Müller (CDU) und zwei Vertreter der Baufirmen. Tatsächlich gelang es ihnen dann mühelos, mit den Spaten die Erde fliegen zu lassen. – Dutzende Rime-Mitarbeiter schauten der Prozedur zu: Aus anfangs zehn Beschäftigten am Standort sind mittlerweile mehr als 100 geworden. Auf seiner Homepage sucht das Unternehmen nach weiteren elf Mitarbeitern. „Vor allem Schweißer und Abkanter sind gefragt.“ Und Rime brauche keine Leute zum „Knöpfchendrücken“, sondern „Selbstdenker“ – so hatte es Geschäftsführer Frans Tollenaar beim Rundgang mit Riesas OB durch die Hallen formuliert. Der Erfolg von Rime sei der Erfolg der hoch qualifizierten Mitarbeiter, so der Geschäftsführer.

Das soll auch in Zukunft so bleiben: Deshalb bildet das Unternehmen jetzt drei angehende Maschinenbauingenieure aus – gemeinsam mit der wenige Hundert Meter entfernt liegenden Berufsakademie. Damit will man sich auf ein neues Geschäftsfeld in Riesa vorbereiten: Ein Schwesterunternehmen der insgesamt mehr als 350 Mitarbeiter zählenden niederländischen Firmengruppe stellen optisch gesteuerte Roboter her: Einen Teil des Spektrums wolle man in den nächsten Jahren nach Riesa verlagern. Das hatte Tollenaar bereits im Frühjahr angekündigt.

Der jetzt gestartete Hallenbau soll im Dezember fertig werden – eine Herausforderung, sagt Steffen Wätzig. Am Montag werden die ersten Bagger anrollen. Für den Betriebsleiter selbst wird es das letzte große Erweiterungsprojekt bei Rime: Er wird danach in Rente gehen.