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Rinah bekommt einen Fahrstuhl

Die Eltern der kranken Rinah aus Zittau sagen, wie viel gespendet wurde, dass gebaut wird und sie überwältigt sind.

Von Thomas Mielke

Die Welle der Hilfsbereitschaft ist riesig gewesen und wird voraussichtlich reichen: Bei Familie Thiem aus Zittau sind so viele Spenden eingegangen, dass sie einen Fahrstuhl an ihr Haus bauen und Tochter Rinah-Hadassah transportieren kann. Die Achtjährige ist an der extrem seltenen Krankheit NCL – auch Kinderdemenz genannt – erkrankt. Dabei verlieren die Kinder alle Fähigkeiten, die vom Hirn gesteuert werden. Rinah hat sich von einem Wirbelwind zu einem Pflegefall entwickelt. Sie ist erblindet, kann nicht mehr laufen und sprechen, muss künstlich ernährt werden. Damit sie in ihr Zimmer kommen kann, braucht die Familie einen Lift, hat aber das Geld nicht dafür. Mama Kerstin pflegt Rinah, Vater Detlef verliert gerade den Job. Die SZ sprach mit ihnen:

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Frau und Herr Thiem, wie viel Geld ist inzwischen eingegangen?

Kerstin Thiem: 13 800 Euro auf dem Spendenkonto und 600 Euro, die uns quasi in die Hand gegeben wurden. Außerdem habe ich gestern auf dem Spendenkonto gesehen, dass die SZ-Stiftung Lichtblick 1000 Euro überwiesen hat.

Menschen sind zu Ihnen gekommen, haben geklingelt und Geld gegeben?

Kerstin Thiem: Dieses Geld stammt von Freunden, Bekannten, Nachbarn ...

Detlef Thiem:Da waren auch Leute, die uns Geld in den Briefkasten getan haben. Einige hat meine Frau zufällig dabei getroffen.

Kerstin Thiem: Außerdem laufen noch weitere Aktionen von Rinahs altem und neuem Kindergarten und bei der Bäckerei Paul.

Reicht das Geld für den Fahrstuhl?

Beide: Ja, wir denken, es reicht.

Detlef Thiem: Zumal wir noch zuversichtlich sind, dass die Krankenkasse einen Teil übernimmt.

Kerstin Thiem: Nächste Woche kommt der Medizinische Dienst, der für die Krankenkasse ein Gutachten erstellt.

Wenn er zu dem Schluss kommt, dass die Krankenkasse zahlen sollte: Wie lange dauert es noch, bis der Fahrstuhl gebaut werden kann?

Kerstin Thiem: Wir hoffen, dass es nicht allzu lange dauert, bis wir den positiven Bescheid von der Krankenkasse bekommen und anfangen können.

Sie sagten, dass man bei einem alten Haus nie weiß, was bei Bauarbeiten auf einen zukommt. Was machen Sie, wenn sich der Bau deutlich verteuert und das Geld doch nicht reicht?

Detlef Thiem: Wir sind zuversichtlich. Die Fahrstuhl-Firma BeMobil und das Sanitätshaus Scheinpflug wollen ja auch einen Beitrag leisten und die Sparkasse, bei der wir das Spendenkonto eingerichtet haben, hat angeboten, zu helfen, wenn das Geld wirklich nicht reicht.

Was machen Sie, wenn gespendetes Geld übrigbleibt?

Kerstin Thiem: Wir haben uns noch keine endgültige Meinung gebildet. Die meisten Menschen haben ausdrücklich für Rinah gespendet und für sie soll es auch verwendet werden. Mir schwebt eine Musiktherapie vor. Die wird von der Krankenkasse nicht bezahlt. Rinah nimmt sie aber im Kinderhospiz Bärenherz in Leipzig, wo wir zweimal im Jahr Urlaub machen, gut an.

Detlef Thiem: Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: Ein Hospiz hat nicht nur mit Sterben zu tun. In Leipzig kann sich meine Frau mal zurücklehnen, weil 24 Stunden am Tag für Rinahs Betreuung gesorgt ist. Der Aufenthalt im Bärenherz ist eine Auszeit für sie. Zu Hause ist sie rund um die Uhr für Rinah da. Ich bin zum Beispiel nicht jede Nacht aufgestanden, weil ich auf Arbeit fit sein musste. Das Bärenherz ist ein gutes Haus. Vielleicht geben wir dorthin Geld, wenn etwas übrig bleibt.

Seit wann bräuchten Sie den Fahrstuhl?

Kerstin Thiem: Rinah sitzt seit 2012 im Rollstuhl, aber akut geworden ist es jetzt, weil sie größer und schwerer wird. Vor einem Jahr hat sie 20 Kilogramm gewogen, jetzt sind es 25. Ich trage sie immer in ihr Zimmer ins Obergeschoss unseres Hauses.

Sie tragen Rinah jeden Tag eine Treppe hoch und runter?

Kerstin Thiem: Ja, mein Mann kann mir nur am Wochenende helfen, weil er auf Arbeit ist. Inzwischen bin ich wegen der Belastung in physiotherapeutischer Behandlung.

Detlef Thiem: Erst wollten wir einen Treppenlift einbauen, aber das geht in unserem alten Haus nicht. Das geben die Maße einfach nicht her.

Wie haben Sie auf die Welle der Hilfsbereitschaft reagiert?

Kerstin Thiem: Für uns ist das ein Wunder. Wir freuen uns sehr, dass die Menschen noch füreinander da sind.

Detlef Thiem: Es ist ein Wunder. Wir sind sehr, sehr dankbar dafür.

Kerstin Thiem: Die große Hilfsbereitschaft hat uns wirklich überrascht. Vielen, vielen Dank an alle Spender. Und nicht nur an sie. Es sind auch viele, die Anteil nehmen und für uns beten. Das trägt uns. Manche haben sogar Sachen gesagt und geschrieben wie „Knuddelt Rinah von uns“. Das war sehr rührend und ist uns zu Herzen gegangen.

Detlef Thiem:Das ist ein Segen. Nach dieser Erfahrung ist unsere Meinung, dass sich auch andere in Not Geratene an die Öffentlichkeit wenden und sagen sollten: Wir brauchen Hilfe.

Kerstin Thiem: Damit die Menschen wissen, da ist jemand in Not geraten und braucht Hilfe. Auch wenn es manchmal schwerer ist, Hilfe anzunehmen, als zu geben. Auch für uns ist das nicht leicht gewesen.

Detlef Thiem: Ja, es war eine Überwindung. Aber es gibt nicht nur die finanzielle Seite. Es hat uns auch sehr berührt, dass die Spenden von Herzen kamen. Wir selber beten, dass Rinah wieder gesund wird.

Kerstin Thiem: ... auch wenn das medizinisch derzeit unmöglich erscheint. Unser Glaubensmotto ist, was bei Menschen unmöglich ist, ist bei Gott möglich.