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Deutschland & Welt

Corona-Antikörpertest ab Mai

Durch die Tests kann man sehen, wer bereits eine Infektion durchgemacht hat. Sie sollen auf dem freien Markt verfügbar sein.

Ein Labormitarbeiter zeigt im Roche-Entwicklungslabor einen Rackpack für den neuen serologischen Antikörpertest.
Ein Labormitarbeiter zeigt im Roche-Entwicklungslabor einen Rackpack für den neuen serologischen Antikörpertest. © Peter Kneffel/dpa

Penzberg. Rund drei Millionen Antikörpertests gegen das neuartige Coronavirus sollen noch im Mai vom Schweizer Pharmariesen Roche an Gesundheitseinrichtungen in Deutschland ausgeliefert werden. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sind für die Folgemonate fortlaufend Auslieferungen von jeweils fünf Millionen Tests vereinbart. "Der neue Test ist eine wichtige neue Wegmarke im Kampf gegen das Virus", sagte er am Montag im Roche-Werk im oberbayerischen Penzberg. 

Der Test zeige, wer eine Corona-Infektion schon durchgemacht habe. "So gewinnen wir Erkenntnisse über das tatsächliche Ausbruchsgeschehen", sagte Spahn. Deutschland arbeite dazu aber auch mit anderen Testherstellern wie Euroimmun zusammen.

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In Deutschland könnten sich laut der sogenannten Heinsberg-Studie inzwischen möglicherweise 1,8 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert haben. Dies ergebe eine Schätzung auf der Grundlage einer Modellrechnung, teilte die Universität Bonn am Montag mit.

Der neuartige Bluttest soll aufgrund seiner hohen Zuverlässigkeit auch helfen, Unklarheiten zur Dunkelziffer beseitigen. Christoph Franz, Verwaltungsratspräsident von Roche, sprach von einem völlig "neuen Qualitätsniveau". Seinen Angaben zufolge verfügt der Test über eine Sensitivität von 100 Prozent und eine Spezifität von 99,8 Prozent. Erstere gibt den Prozentsatz der Betroffenen an, bei denen die Infektion tatsächlich erkannt wird. Letztere sagt aus, wie viele Gesunde von dem Test auch tatsächlich als gesund erkannt werden.

Wer soll getestet werden?

Unklar ist noch, ob der Nachweis von Antikörpern auch mit einer Immunisierung der Betroffenen einhergeht. Franz sagte, es gebe eine "sehr hohe Wahrscheinlichkeit", dass nachgewiesene Antikörper auch eine immunisierende Wirkung hätten. Der Nachweis als auch diese Erkenntnis seien wichtige Faktoren zur Wiederöffnung der Gesellschaft in der laufenden Pandemie solange es keinen Impfstoff gebe.

"Sobald gesicherte Erkenntnisse über eine mögliche Immunität nach durchgemachter Infektion vorliegen, werden die Tests noch größere Bedeutung gewinnen", betonte Spahn. Derzeit erarbeitet sein Haus noch die Grundlagen, für welche Bevölkerungsgruppen - etwa Mitarbeiter in Medizin und Pflege sowie Risikogruppen - der Test zunächst primär zur Verfügung stehen solle. Geklärt würde auch noch, in welchen Fällen die Gesetzlichen Krankenkassen die Kosten übernehmen. Generell könne sich aber sofort jeder auf eigene Kosten testen lassen. Laut Franz würden die Tests weniger als "mehrere Hundert Euro" kosten.

Markus Söder (l) und Jens Spahn (r) am Montag im Roche-Entwicklungslabor für den neuen serologischen Antikörpertest.
Markus Söder (l) und Jens Spahn (r) am Montag im Roche-Entwicklungslabor für den neuen serologischen Antikörpertest. © dpa

Um die Produktionskapazitäten für den neuen serologischen Test Elecsys Anti-Sars-CoV-2 auszubauen, will Roche seine biochemischen Anlagen in Penzberg für rund 170 Millionen Euro erweitern. Zusätzlich verkündete der Konzern, weitere 250 Millionen Euro in Penzberg zu investieren, damit Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten für diagnostische Tests zusammengeführt und gebündelt werden können.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einem "Meilenstein" im internationalen Kampf gegen das Virus. Er lobte zugleich die Investitionen in das Werk, welches so zu einem der größten biotechnischen Forschungszentren in Deutschland werde. Bayern beteilige sich mit 40 Millionen Euro daran. Söder und Spahn betonten, wie wichtig es für Deutschland nach den jüngsten Erfahrungen in der Krise sei, dass die Pharmaindustrie in Deutschland und Europa forsche und produziere. Zu große Abhängigkeit "von einer Region oder einem Land kann uns in Schwierigkeiten bringen", sagte Spahn.

Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben eine Notfallgenehmigung der US-Gesundheitsbehörde FDA für den Test bekommen. Diese ist einem Sprecher zufolge für alle Länder gültig, die die CE-Kennzeichnung für Produkte akzeptieren, dazu zählt auch die Europäische Union.

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Laut Franz werde Roche Millionen Tests "im hohen zweistelligen Bereich herstellen und diese weltweit überall dort zur Verfügung stellen, wo Bedarf bestehe. Es gebe aber "strategische Kooperationen mit den Ländern, "in denen wir unser Wertschöpfung betreiben". Spahn unterstrich in dem Zusammenhang, dass Deutschland bereit sei, andere Länder bei den Tests zu unterstützen. Neben den Tests sind für die Auswertung spezielle Geräte des Unternehmens erforderlich. (dpa)

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