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30 Jahre Wir

Bürger sind für Gesellschaft verantwortlich

Ulrich Wickert, einst "Mister Tagesthemen", referiert zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden über nationale Identität. Dabei streichelt er auch die ostdeutsche Seele.

Ulrich Wickert hat die Festrede zum Tag der Deutschen Einheit im sächsischen Landtag gehalten.
Ulrich Wickert hat die Festrede zum Tag der Deutschen Einheit im sächsischen Landtag gehalten. © Uwe Zucchi/dpa (Archivbild)

Dresden. Der Journalist und Autor Ulrich Wickert hat den Ostdeutschen ein wichtiges Kapitel in der deutschen Geschichte zugeschrieben. Sie hätten "mit ihrem Mut, mit der Überwindung von Angst, mit ihrer Hartnäckigkeit im Kampf für die Freiheit" der gesamtdeutschen Identität ein wichtiges Element hinzugefügt, sagte der 76-Jährige am Donnerstag in seiner Festrede zum Tag der Deutschen Einheit im Sächsischen Landtag. Die Ostdeutschen hätten friedlich eine Diktatur niedergerungen: "Solch ein Ereignis fehlte bisher in der deutschen Geschichte". Alle Ostdeutschen könnten stolz auf den Nationalfeiertag sein. Die Sachsen hätten bei der friedlichen Revolution eine wesentliche Rolle gespielt.

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Wickert beschäftigte sich in seiner mehr als 30-minütigen Rede vor allem mit den Begriffen nationale Identität und Nation. Ein jeder Bürger müsse sich haftbar fühlen für den Zustand der Gesellschaft und insbesondere dann handeln, wenn sich undemokratische Entwicklungen andeuten. "Daraus ergibt sich: Der Bürger trägt Verantwortung für den Zustand seiner Gesellschaft." Zugleich appellierte er an die Menschen, sich für ihre Heimat und Nation einzusetzen. "Wer wissen will, wer er ist, der muss wissen, woher er kommt, um zu sehen, wohin er will." Das Nationale sei nur ein Teil der Identität eines jeden Individuums: "Deshalb wäre es angebracht, wenn die Deutschen ihr Deutschsein nicht so fürchterlich wichtig nähmen."

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Kretschmer zählt die Wunder auf

Zuvor hatte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) die vergangenen 30 Jahre in Deutschland als Zeit dreifacher Wunder beschrieben. Zunächst habe es das Wunder der friedlichen Revolution gegeben, ein Jahr später das Wunder der Deutschen Einheit. Schließlich sei auch die Gestaltung des Landes seither ein Wunder. Kretschmer räumte dabei Niederlagen und verpasste Chancen ein. Er habe sich zum Beispiel eine neue und gemeinsam erarbeitete Verfassung gewünscht. Viele andere Chancen habe man aber genutzt. Zugleich warb er für kritische Diskussionen und einen ehrlichen Blick auf Probleme. Es gehe darum, das Land besser zu machen. Dies erfordere, miteinander zu reden, sich zuzuhören und daraus konkrete Politik zu entwickeln.

Landtagspräsident Matthias Rößler rief zu Beginn des Festaktes die Bürger zum Zusammenhalt auf. "Wenn aus Unterschied Polarisierung, aus Streit Zerrissenheit wird, und der Konflikt den Kompromiss dominiert, dann ist das der falsche Weg." Am 3. Oktober 1990 sei ein von der Geschichte zerrissenes Volk wiedervereinigt worden. "Lassen Sie uns die Stabilität und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft nie wieder aufs Spiel setzen. Bewahren wir die unverbrüchlichen demokratischen Spielregeln um jeden Preis."

Die Demokratie sei nie fertig, betonte Rößler. Die Gesellschaft müsse klar diskutieren, wie es weitergehen soll: mit Europa, beim Klimaschutz oder in den Fragen der Migration: "Die Stärke einer freien Gesellschaft liegt in ihren vielen unterschiedlichen Sichtweisen sowie in der Fähigkeit, diese - wenn auch oft mühsam - in Kompromisse zu binden." (dpa)

Mehr Beiträge und Videos zum Thema finden Sie in unserer Themenwelt „30 Jahre Wiedervereinigung – 30 Jahre Wir

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