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Rohbau der Vorzeige-Schwimmhalle steht

Am Freiberger Platz entsteht ein Komplex für Leistungs- und Breitensportler. Der Neubau ist am Jahresende fertig.

© Visualisierung: Dresdner Bäder GmbH

Von Lars Kühl

Der Wald aus Gerüsten ist ein Versprechen für den Spitzensport. Was vom Beckenboden bis zur begehbaren Decke noch bis zum Juni eine stützende Funktion hat, weil noch jede Menge Technik unterm Dach installiert wird, soll am Jahresende Dresdens Vorzeige-Schwimmhalle sein.

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Der Rohbau der neuen Schwimmhalle auf der Freiberger Straße.
Der Rohbau der neuen Schwimmhalle auf der Freiberger Straße. © Sven Ellger
Innen sieht es derzeizt so aus.
Innen sieht es derzeizt so aus. © Sven Ellger

Am Donnerstag feierte die Bäder GmbH mit der versammelten Polit-Prominenz von Oberbürgermeisterin a.D. Helma Orosz über Sachsens Innenminister Markus Ulbig (beide CDU) bis zum aktuellen Sportbürgermeister Peter Lames (SPD) und vielen Gästen Richtfest, zünftig mit Krone und Nagel-Einschlagen. Die beste Figur machte dabei Bäderchef Matthias Waurick. Schlag auf Schlag soll es die nächsten Monate auch bis zur Eröffnung des Neubaus direkt an der alten Halle zur Maternistraße hin gehen. Denn eines hatte Waurick kürzlich im Überschwang versprochen: Das diesjährige Stollenschwimmen soll in der neuen Halle am Freiberger Platz steigen.

Das sei eine sportliche Aufgabe, an der sich die Baufirmen messen müssen. Aber die hatten es auch schon geschafft, die acht Wochen Verzug wegen des langen Vergabeverfahrens im vorigen Jahr aufzuholen. Deshalb ist Waurick optimistisch, den Termin zu halten. Zumal noch in diesem Jahr die Sanierung des Altbaus beginnen muss. Und eine vorübergehend geschlossene Schwimmhalle kann und will sich die Bäder GmbH nicht leisten.

Deshalb muss der Übergang, also der nahtlose Betrieb des Neubaus, klappen. Noch ist das künftige 50-Meter-Becken, das für nationale Wettkämpfe zugelassen ist, nur zu erahnen. Wenn die Gerüste verschwunden sind und das Wasser eingelassen ist, bieten sich den Sportlern beste Bedingungen. Nicht nur den Spitzenathleten, auch für den Breiten- und Schulsport. Trainer können die Bewegungsabläufe durch Bullaugen unter der Wasserlinie von außen analysieren. Acht Bahnen gibt es bei einer Wasserfläche von 1 000 Quadratmetern. Auf die angrenzende Tribüne passen 400 Menschen. Nebenan gibt es noch ein Lehrschwimmbecken mit schrägem Boden. Im Keller sind neben den Technik- auch Krafträume untergebracht. Die modernen Sanitärtrakte und Umkleideräume sind vom neuen Foyer aus zu erreichen. Es wird zwei Belüftungskreise geben. Falls einer ausfällt, muss die Halle nicht gleich geschlossen werden, begründet Waurick.

Sportbürgermeister Lames spricht vom „größten Wurf“, für den sich Dresden entschieden hat, „einem klaren Bekenntnis zum Leistungssport“. Denn auch der Altbau direkt am Freiberger Platz behält nach der Modernisierung seine 50-Meter-Bahn. „Vielleicht können wir wieder an die erfolgreiche Dresdner Schwimm-Tradition anknüpfen.“ Er zählt auf: Ulrike Richter, Weltrekordlerin und Olympiasiegerin 1976 in Montreal. Dirk Richter, nicht verwandt, aber ähnlich erfolgreich, unter anderem wurde er 1982 Weltmeister. Beide waren Rückenspezialisten. Oder Brustschwimmer Jens Kruppa, der 2000 in Sydney Bronze mit der Lagenstaffel holte.

Zusammen mit der Halle für die Wasserspringer, die weiter Olympiastützpunkt bleiben soll, entsteht entlang der Freiberger Straße für rund 29 Millionen Euro der gesamte Komplex. 2014 hatte im August der Neubau begonnen. Zunächst wurde der alte Strömungskanal abgerissen, unter den Sportlern besser bekannt als „Folterkammer“. Wer einmal in diesem Becken trainiert und gegen die künstliche Strömung angekämpft hat, weiß, warum.

Vor einem Jahr startete der Rohbau. Zunächst wurden 96 Bohrpfähle in die Erde getrieben. 800 Tonnen Stahl und 3 500 Kubikmeter Beton wurden verbraucht. Die neun Dachträger sind 45 Meter lang und wiegen jeweils 60 Tonnen. Im Dezember 2015 wurden sie einzeln eingehoben.

Wenn der Neubau eröffnet ist, wird der Eingang am Altbau geschlossen. Da wird dann unter anderem das denkmalgeschützte, markante Schwungdach saniert. In den 1960er-Jahren gebaut, wurden dort größere Schäden festgestellt. Bis zur Fertigstellung bis Ende 2018 gelangen die Sportler dann vom künftigen Parkplatz hinter der benachbarten Jugendherberge, auf dem später 68 Autos stehen können, in die Halle. Noch ist dies Zukunftsmusik, beim Richtfest gab es zunächst erst einmal ein Solo auf der Trompete. Nach solch einem Vorspiel griff der Bäder-Chef dann ganz ungeniert in die Eigenlob-Kiste. Das Vorhaben stoße bundesweit auf Interesse. „Ich habe in Gesprächen erfahren, dass manche Großstädte neidisch auf das sind, was hier entsteht“, sagt Waurick.